Fachgruppe Geographie

Stellungnahme der Landesfachgruppe zum Fachlehrplan Geographie im neuen LehrplanPLUS

IAA München

Foto: Carmen E. Kühnl


Kritische Fragen aus Sicht der Jugendlichen

Auf der IAA München fand am 09.09.21 eine Podiumsdiskussion statt mit dem Thema "Wie stellen sich Jugendliche die Mobilität der Zukunft in ihrer Stadt vor?".

Federführend begleitet vom AGW Bayern (https://agw-bayern.de/) und unter Beteiligung der Fachgruppe Geographie im bpv erarbeitete ein Team aus Schülern und Lehrkräften den Ablauf und die Fragen, denen sich prominente Gäste stellen mussten. Lukas Gollwitzer vom Gymnasium Neubiberg moderierte die Veranstaltung; die Diskussion mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Prof. Klaus Bogenberger (TU München), Frank Hansen (BMW Group) und Martin Glöckner (Green City e.V.) zeigte die wesentlichen Kernpunkte auf, die in München aus Sicht Jugendlicher verändert werden müssten, nämlich Verbesserungen im ÖPNV und im Radwegenetz sowie eine Reduktion des Autoverkehrs in der Innenstadt.

Die Landesfachgruppe Geographie 2017

Die Landesfachgruppe Geographie im bpv bei der Jahrestagung 2017 in Langenzenn (v.l.n.r.): Felix Weinrich (Unterfranken), Jochen Frickel (Oberfranken + Stellv. Landesvorsitzender), Volker Huntemann (ehem. Landesvorsitzender), Benjamin Schallenberger (München + neuer Landesvorsitzender), Carina Benning-Heufelder (neu, Oberbayern), Johannes Göller (ehem. Schwaben), Dr. Konrad Wieland (Kassenwart), Uschi Zitzelsberger (Vorsitzende im LV Bayern des VDSG); nicht im Bild: Alexander Wiebel (neu, Mittelfranken), Barbara Luff (neu, Schwaben); Oberpfalz: derzeit nicht besetzt.

Die Fachgruppe Geographie vertritt alle Philologen mit der Fakultas für Geographie an den bayerischen Gymnasien, FOS / BOS, Fachhochschulen und Universitäten. Es ist die satzungsmäßige Aufgabe der Landesfachgruppe Geographie, innerhalb des Bayerischen Philologenverbands zu allen fachlichen Themen (inhaltlich/methodisch) Stellung zu nehmen.

Die Landesfachgruppe Geographie nimmt im Auftrag des Vorstands des Bayerischen Philologenverbands im Rahmen der Mitarbeit im Bildungsbeirat zu aktuellen Themen Stellung. Sie hält engen Kontakt bzw. arbeitet in enger Kooperation zusammen mit einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen und Institutionen (z.B. Kultusministerium, ISB, Akademie für Lehrerbildung und Personalführung, Pädagogische Institute, geographische Institute der bayerischen Universitäten). Hinzu kommen intensive Kontakte zu anderen Einrichtungen wie z.B. zu Geographischen Gesellschaften, zum Geo-Zentrum an der KTB in Windischeschenbach, zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und dem Rieskrater-Museum in Nördlingen.

Vertreter der Fachgruppe Geographie arbeiten eng mit dem Verband Deutscher Schulgeographen (VDSG), Landesverband Bayern zusammen. Der Landesvorsitzende ist Beisitzer im Verband Deutscher Schulgeographen, LV Bayern, und gleichzeitig als Fachreferent für außerverbandliche geographische Schülerwettbewerbe im Vorstand des Verbands Deutscher Schulgeographen vertreten. Eine parallele Mitgliedschaft wird empfohlen. www.bayerische-schulgeographen.de

Unser derzeitig vorrangiges Anliegen ist das Bemühen, die durch die Einführung der neuen Lehrpläne zum G 8 entstandenen Lücken in den Jahrgangsstufen 6 und 9 möglichst umgehend wieder zu schließen und so einen durchgehenden Geographie-unterricht in allen Jahrgangsstufen zu erreichen. Es geht nicht an, dass an bayerischen Gymnasien der Geographieunterricht amputiert wird, während er in anderen Bundesländern (z.B. Schleswig-Holstein) ohne Unterbrechung durchgängig unterrichtet werden kann. Vor allem die Unterbrechung in Jahrgangsstufe 6 stellt eine enorme Belastung dar, weil diese Situation für ein Fach in der Unterstufe schlichtweg eine lernpsychologische Katastrophe ist. Dieser Umstand wird um so dramatischer, wenn man bedenkt, dass diese Situation bei einer geschickten Umverteilung der Stunden durchaus vermeidbar gewesen wäre.

Es muss unser erklärtes Ziel bleiben, zumindest die entstandene Lücke in Jahrgangsstufe 6 baldmöglichst wieder zu schließen!

IDEENBÖRSE GEOGRAPHIE 2018

Geographische Themen und Trends in Universität und Schule verknüpft

Lehrerfortbildung Ideenbörse Geographie an der Universität Erlangen – Austausch zwischen Schulpraxis und der wissenschaftlichen Forschung

Bereits zum fünfzehnten Mal fand die durch das Geographische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) organisierte Fortbildungsveranstaltung „Ideenbörse Geographie“ für Gymnasium und Realschule in Erlangen statt. Wieder nutzten rund 100 Kolleginnen und Kollegen aus dem nordbayerischen Raum die Veranstaltung, um sich neue fachwissenschaftliche, fachmethodische und fachdidaktische Anregungen zu holen. Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der „Alten Mathematik“ in der Bimarckstraße in Erlangen zu Gast.

Blick in den Hörsaal bei der Begrüßung

Einführung durch Prof. Dr. Perdita Pohle

In ihrer Begrüßungsansprache bedankte sich Prof. Dr. Perdita Pohle (Universität Erlangen) bei Johann van Soeren und Alexander Wiebel (bpv), sowie Volker Huntemann für die intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Prof. Pohle verwies auf die Wichtigkeit des Austausches zwischen Universität und Schule. Die Ideenbörse für Lehrkräfte bildet hierbei eine Schnittstelle und sorgt durch ihren Charakter und Inhalt dafür, dass an den Schulen neue Impulse ankommen. Im Gegenzug können die Lehrer Rückmeldungen aus den Lehranstalten an die Universität geben.

In ihrem Bericht über die aktuellen Themen am Geographischen Institut stellte sie Eine kurze Übersicht über die Arbeitsgruppen am Institut für Geographie, aufgeteilt in die physische und die Kulturgeographie und stellte deren Leiter vor. Die AGs der physischen Geographie werden von

Prof. Dr. Rupert Bäumler (AG Boden), Prof. Dr. Achim Bräuning (AG Biogeographie und Dendrowissenschaften), Prof. Dr. Thomas Mölg (AG Klimatologie) und von Prof. Dr. Matthias Braun (AG Fernerkundung-GIS) geleitet. Auf Seiten der Kulturgeographie sind die Leiter Prof. Dr. Tobias Chilla (AG Regionalentwicklung), Prof. Dr. Georg Glasze (AG Kulturelle, Politische und Digitale Geographien), Prof. Dr. Fred Krüger (AG Routines and Ruptures in Cultures and Cities) und Prof. Dr. Perdita Pohle (AG Entwicklungsforschung: Rural Change & Development)

Seit fünf Jahren befindet sich das geographische Institut am Standort Tennenlohe (Wetterkreuz 15), damals mit einer zeitlichen Perspektive für einen erneuten Umzug versehen. AB 2020 soll nun das Siemensgebäude an der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen, der so genannte „Himbeerpalast“, an die FAU gehen, bis 2024 umgebaut und durch Philosophische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität genutzt werden.

Frau Prof. Pohle berichtete mit großer Freude, dass die Geographie an der FAU eine der Stellen aus dem „Tenure-Track-Programm“ bekommen soll, die bereits ausgeschrieben ist. Dieses Programm wurde 2016 vom Bund und den Ländern als Mittel zur Exzellenzförderung beschlossen.

Die neuen Homepages der Fachschaft Geographie (https://www.geographie.nat.fau.de/) und der Didaktik der Geographie (https://www.geodidaktik.phil.fau.de/) haben ein ansprechendes Erscheinungsbild und laden die Besucher zum Stöbern ein.

Die Zahl der Studierenden am Institut für Geographie lag im Wintersemester 2018 bei 1151, wobei die Zahl der Lehramtsstudierenden leicht überwiegt.

Auch in diesem Jahr verwies Frau Prof. Pohle wieder auf das Angebot des Instituts an Lehrerinnen und Lehrer, wie Kooperationen bei der Durchführung von W- und P-Seminaren, die Gestaltung von Bibliotheksführungen zur Einführung in die Recherchearbeit, die Möglichkeit zum Besuch von einzelnen Vorlesungen durch Schulklassen/Kursgruppen. Außerdem besteht die Möglichkeit zum Besuch von Veranstaltungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (FGG) durch Schulklassen/Kursgruppen. Die Vorträge und Exkursionen der FGG sind auch anerkannte Fortbildungsveranstaltungen. In Kooperation mit der VHS Erlangen steht auch das geographische Café“ für Interessierte offen. Für die beiden letztgenannten Angebote ist eine vorherige Anmeldung über das Sekretariat des Instituts unter 09131/8522633 unbedingt erforderlich.

Am Schluss ihrer Ausführungen wies Prof. Pohle noch auf die Schriftenreihe Erlanger Skripte zum Geographie-Studium (ESGEO) hin, die auch für den Einsatz an Schulen geeignet sind, vor allem:
- ESGEO 1: Wissenschaftliches Arbeiten: Recherchieren, Produzieren, Präsentieren.
- ESGEO 4: Kulturgeographisches Geländepraktikum.
Diese sind sowohl als PDF verfügbar oder können zum Preis von € 4,00 beim Institut erworben werden.

Wie in den zurückliegenden Jahren war die Ideenbörse so strukturiert, dass je zur Hälfte Fachvertreter der Universität ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellten, und Schulpraktiker Anregungen zu erfolgreich erprobten Unterrichtsprojekten gaben. Die Bandbreite der Workshops reichte, unter anderem, von der Vorstellung eines W-Seminars zum Klimawandel vor der Haustür über Anmerkungen zum Thema Kolonialgeographie und die Herkunft von Lebensmitteln als Qualitätsindikator bis hin zu neuen Unterrichtsthemen im Lehrplan Plus der 7. Klasse. So konnte eine breite Vielfalt an interessanten Themen abgedeckt werden. Nach der Tagungspause wiederholten sich die 45minütigen Workshops in den zwei Schienen, so dass zwei weitere Themenbereiche besucht werden konnten. Am Ende wurde den Teilnehmern angekündigt, dass alle Präsentationen der Workshops den Teilnehmern online zugänglich gemacht werden. Alle Anwesenden können so die Inhalte der Workshops noch einmal rekapitulieren.


Die Workshops im Einzelnen:

Sebastian Brumann, Ulrike Ohl und Carolin Schackert: Den Klimawandel vor der eigenen Haustür erforschen – Ideen für ein W-Seminar

In dem Workshop wurde ein W-Seminar-Projekt des Lehrstuhls für Didaktik der Geographie der Uni Augsburg vorgestellt, das interessierte Kolleginnen und Kollegen ab dem Schuljahr 2019/20 mit ihren eigenen Schülerinnen und Schülern selbst durchführen können. Lernende untersuchen in diesem W-Seminar mit human- und physisch-geographischen Arbeitsweisen den Klimawandel vor ihrer eigenen Haustür im Sinne des forschenden Lernens. Das geschieht, nachdem sich die Schüler und Schülerinnen anhand interaktiver Online-Lernmodule in fachlicher Hinsicht vertiefend mit den regionalen Wirkungen des Klimawandels beschäftigt haben. Diese Lernmodule werfen zugleich Ideen für eigene Untersuchungen auf und stellen passende Forschungsmethoden vor. Jede/r Schüler/in findet und bearbeitet eine individuelle Fragestellung und gelangt zu eigenen Erkenntnissen, die er dann in einem Vortrag und in seiner Seminararbeit präsentiert. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler einen aktiven Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung leisten. Sie werden in diesem Seminar sehr lebensweltnah für die regionalen Implikationen des Klimawandels sensibilisiert und können vor diesem Hintergrund mögliche Lösungsansätze differenzierter einschätzen. Zudem erlangen sie wissenschaftspropädeutische Kompetenzen. Das W-Seminar ist ein Baustein im Bayerischen Netzwerk für Klimaforschung „bayklif“ und dort verortet im interdisziplinären Verbundprojekt „BAYSICS“. Lehrkräfte, die das Seminar an ihrer Schule anbieten möchten, sind herzlich willkommen und können sich sehr gerne melden unter sebastian.brumann@geo.uni-augsburg.de. “

Prof. Dr. Ulrike Ohl bei ihren Ausführungen zum W-Seminar Klimawandel


Johan van Soeren: Kolonialgeschichte und -geographie: Anmerkungen und Materialien zu einem (fast) vergessenen Thema im Geo-Unterricht

Den Teilnehmern des Workshops standen Materialien zu drei gehaltenen W-Seminaren (Thema: Afrika) und Unterlagen zu dieser Thematik in der 8. Jahrgangsstufe. zur Verfügung. Diskutiert wurden moderne geographische Fragestellungen wie Globalisierung, Neo-Kolonialismus und Tribalismus und deren historische Herleitungen im 19. und 20. Jahrhundert. Im Fokus stand dabei die hervorragende filmische Dokumentation "Schatten über dem Kongo", wobei hier Visualisierungen zum Thema "Kolonialismus" exemplarisch aufgezeigt wurden(Karikaturen, Bilder, weitere Film-beispiele). Eine ausführliche Literatur-Liste rundete den Workshop ab.

Kolonialgeographie und -geschichte war das Thema des von Johan van Soeren geleiteten Workshops


Dr. Steffen Höhnle/Tobias Kreuzinger: Nachhaltigleitsapps auf dem Smartphone

Im Workshop zu sogenannten Nachhaltigkeitsapps widmeten sich die Lehrkräfte der Frage, wie mit den Schülern mit diesen Apps im Unterricht gearbeitet werden kann. Prinzipiell haben derartige Apps das Potenzial bei Produkten, deren Konsum nichtnachhaltige Entwicklungen begünstigt, als Orientierungshilfe beim Einkauf zu dienen, evtl. Barrieren bei der Entwicklung von Handlungsbereitschaft in nachhaltigkeitsbezogenen Kontexten abzubauen und dabei an der Mediennutzungskultur der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen. Inwieweit sie diese Orientierungshilfe tatsächlich fundiert leisten, ist eine andere Frage, der man sich im Rahmen des Unterrichts kritisch-reflexiv widmen kann.
Im Beitrag erfolgte eine Einführung in den Themenbereich und eine Vorstellung verschiedener derartiger Apps, ehe anhand eines Unterrichtsvorschlags mögliche Umsetzungen im Unterricht thematisiert wurden.

Karola Schober: Herkunft als Qualitätsindikator von Lebensmitteln

Ziel des Workshops war, das Bewusstsein dafür zu steigern, dass verlässliche Informationen bzw. Entscheidungsgrundlagen beim Lebensmittelkauf wichtig sind. Denn dem Verbraucher kommt bei der Qualitätsbeurteilung eine immer wichtigere Rolle zu. Lebensmittel mit verlässlicher Herkunftsangabe stehen vor dem Hintergrund internationaler Warenströme und Lebensmittelskandalen für viele Verbraucherinnen und Verbraucher für Nachvollziehbarkeit und Sicherheit. Die Herkunft hat als Teil von Lebensmittelqualität also in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. In diesem Beitrag wurden die bayerischen Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramme „Geprüfte Qualität – Bayern“, „Bayerisches Bio-Siegel“ sowie das europäische Herkunftsschutzsystem mit den Labels „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und „geschützte geographische Angabe“ vorgestellt und diskutiert.

Karola Schober ging in ihrem Workshop auf die Herkunft der Lebensmittel ein


Dr. Jussi Grießinger: Google Earth, Digitale Karten und Geographie – geographische Formen und Prozesse anschaulich visualisieren und erklären

Das Arbeiten mit Karten und den daraus zu gewinnende Informationen ist eine wesentliche Arbeitstechnik in der Schul-Geographie. Gerade die Betrachtung und Interpretation von Karten und/oder Luft- und Satellitenbildern erleichtert das Verständnis zur Verbreitung und Entstehung von Landformen sowie zu den generellen räumlichen Zusammenhängen in der Physischen und Humangeographie immens. Das stetig zunehmende Angebot an web-basierten Karten und frei zugänglichen (multitemporalen) Satellitenbildern wird dabei ein immer wichtigeres Hilfsmittel, um z.B. durch Höhenlinien nur zweidimensional im Kartenbild darstellbare Landformen dreidimensional - und damit wie in der realen Landschaft sichtbar - darzustellen. Aufgrund der Möglichkeiten von z.B. Google Earth, alle Weltregionen in verschiedenen Maßstäben zu betrachten sind die daraus resultierenden Möglichkeiten zur Anwendung im Geographie-Unterricht in den einzelnen Jahrgangsstufen sehr groß und variabel. So kann neben der Betrachtung großräumiger Landschaftsformen wie Küsten oder Schichtstufen auch ein Vorher/Nachher-Vergleich von Regionen erfolgen, die durch Erdbeben, Vulkanaus-brüche oder Tropenstürme beeinflusst wurden. Darüber hinaus lassen sich aber auch zahlreiche raum-zeitliche Prozesse wie z.B. die rasante Verstädterung und der daraus resultierende Landverlust in Entwicklungsländern durch das Betrachten multitemporaler Satellitenbilder anschaulich aufzeigen. Im Rahmen dieses Workshops wurden hier-zu mehrere Beispiele aus verschiedenen Regionen der Erde vorgestellt. Die inhaltliche Ausrichtung des Workshops fokussierte dabei auf folgende Themen:

1. Welche Quellen für frei zugänglich Digitale Karten und Luft- bzw. Satellitenbilder gibt es? Wie kann ich diese nutzen und welche Vorteile habe ich hier im Vergleich zur Nutzung analoger Karten? Darauf aufbauend werden
2. Fallbeispiele zur Visualisierung und Erklärung typischer Landformen in der Geo-morphologie und
3. Fallbeispiele zur Visualisierung anthropogen gesteuerter Prozesse und daraus abgeleitete räumliche Veränderung vorgestellt.

Dr. Jussi Grießinger bei seinen Ausführungen zu Google Earth


Alexander Wiebel/Dr. Timo Hetzer: Modelle im Geographieunterricht: Theoretische Überlegungen und Erfahrungen aus einem P-Seminar

Modelle sind in der Alltagswelt in Architektur, Stadtplanung, Umwelterziehung und Schule unverzichtbar. Sie können Abläufe veranschaulichen und einen umfassenden Überblick über Gegebenheiten verschaffen.
Im schulischen Kontext werden Modelle z.B. für die glaziale Formung des Alpenvorlandes oder die Entstehung der fränkischen Schichtstufenlandschaft herangezogen. Der Einsatz von Modellen kann es Schülern erleichtern komplexe Sachverhalte zu verstehen und damit leichter zu lernen.

Im Workshop wurde zunächst ein kurzer theoretischer Überblick über verschiedene Modelle gegeben und verschiedene Beispiele für umgesetzte Modelle vom Sandkasten bis zu einem schüleraktivierenden Stadtmodell gezeigt. Abschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit ein erfolgreiches Beispiel aus einer P-Seminararbeit auszuprobieren und die anderen mitgebrachten Modelle genauer in Augenschein zu nehmen.

Alexander Wiebel und Dr. Timo Hetzer mit einem Teil der von ihnen vorgestellten Unterrichtsmodelle


Volker Huntemann: Neue Aspekte im LehrplanPlus Geographie Jahrgangsstufe 7

Im Schuljahr 2019/2020 wird in der Jahrgangsstufe 7 der LehrplanPlus neu eingeführt werden. Das Jahresthema „Europa“ ist gleich geblieben – doch ansonsten haben sich eine ganze Reihe von Änderungen ergeben: Dieses betrifft sowohl die Struktur der einzelnen Themenbereiche als auch die Schwerpunktsetzung bei den einzelnen Themen. Zudem ist es wichtig, auf fundamentale Auswirkungen der neuen Stundentafel auf das Fach Geographie einzugehen (ohne Diskussion!). In dem Workshop wurden nach einem kurzen Überblick über die strukturellen Änderungen im neuen LernplanPlus vor allem einige konkrete Unterrichtsbeispiele gegeben, bei denen natürlich auch auf die im Lehrplan verlangten Kompetenzerwartungen eingegangen wurde. In Vorschlägen konnten insbesondere die unterrichtlichen Umsetzungsmöglichkeiten folgender Themen kurz skizziert werden:- Lernbereich „Naturgeographie Europas ...“: Wir führen eine virtuelle Vulkanexkursion durch (einschließlich ergänzender Unterrichtsanregungen durch Einbeziehung von Gesteinsproben vulkanischer Auswürfe)

- Lernbereich „Metropolen und Verdichtungsräume in Europa“: Die Metropole Wien als Wirtschaftsstandort
- Lernbereich „Ländliche Räume in Europa“: Litauen
- ländliche Räume voller GegensätzeDen Abschluss des Workshops bildete ein reger Gedankenaustausch zu weiteren Umsetzungs-möglichkeiten bei den bestehenden neuen Lehrplanvorgaben.

In der Abschlussbesprechung wurde das Eingehen auf aktuelle geographische aber auch unterrichtspraktische Themen besonders lobend hervorgehoben. Dieses Verfahren soll auch in den kommenden Jahren entsprechend gehandhabt werden. Themenvorschläge aus dem Auditorium für die nächste Ideenbörse betrafen Urban Farming, Bilingualen Geographieunterricht, Plastikmüll und die Erschließung der Polargebiete, ebenso wie den Standortfaktor digitale Infrastruktur.


Die nächste Ideenbörse ist für Freitag, 11. Oktober 2019 vorgesehen.
Diesen Termin sollte man sich schon heute vormerken!

Als Abschluss der Ideenbörse 2018 dankte OStR Alexander Wiebel (Bezirksfachgruppe Geographie im bpv) Frau Prof. Dr. Perdita Pohle und Frau Sabine Donner für die umfangreichen Arbeiten bei der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltung und überreichte beiden Organisatorinnen jeweils einen Blumenstrauß.

Als Dank für die erneut perfekte Organisation erhielten Prof. Dr. Perdita Pohle (l.) und Sabine Donner (r.) von Alexander Wiebel einen Blumenstrauß


Text: A. Wiebel; Fotos: V. Huntemann

IDEENBÖRSE GEOGRAPHIE 2017

Geographie: Aktuelle Themen und Trends bei Lehrerfortbildung „Ideenbörse Geographie“ an der Universität Erlangen – Anregungen aus der Schulpraxis und der wissenschaftlichen Forschung

Bereits zum vierzehnten Mal fand Mitte Oktober 2017 die durch das Geographische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) organisierte Fortbildungsveranstaltung „Ideenbörse Geographie“ für Gymnasium und Realschule in Erlangen statt. Etwa 100 Kolleginnen und Kollegen aus dem nordbayerischen Raum nutzten die Veranstaltung, um sich neue fachwissenschaftliche, fachmethodische und fachdidaktische Anregungen zu holen. Die nächste Ideenbörse findet am 12. Oktober 2018 statt.

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10 JAHRE DLR_SCHOOL_LAB OBERPFAFFENHOFEN

Schüler und Schülerinnen aus Langenzenn bearbeiten Satellitenbilder zum Thema "Naturgewalten"


Motto „Raus aus der Schule – rein ins Labor!“ - Spezielles Angebot: Seminar_Day

Der Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren wird schon seit Längerem als „MINT-Lücke“ bezeichnet. Derzeit fehlen über 100.000 derartige Fachleute, wobei der Mangel noch größer werden wird, denn bis zum Jahr 2020 wird mit einem Defizit von über 400.000 qualifizierten Kräften gerechnet. Der aus dieser Situation entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird mit jährlich mehr als 1 Milliarde Euro beziffert. Als Konsequenz aus dieser Situation sind seit Anfang des Jahres 2000 zahlreiche Schul- oder Schülerlabore entstanden, deren erklärtes Ziel es ist, die Schülerinnen und Schüler für Themen der Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Die Frage „Was sind Schülerlabore?“ wird auf der Homepage des Bundesverbands der Schülerlabore LeLa e.V. (www.lernort-labor.de ) wie folgt beantwortet:

„Der Begriff „Schülerlabor“ (Synonym: „Lernlabor“, „Mitmachlabor“) bezeichnet einen Lernort, in dem Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen beim selbständigen Experimentieren und Forschen machen. Da sie im Allgemeinen keine Einrichtungen der Schulen sind, werden sie zu den außerschulischen Lernorten gezählt. Die oft vorhandene Anbindung an Forschungseinrichtungen oder Industriebetriebe macht die Schülerlabore zu sehr authentischen Lernorten, die den Schülerinnen und Schüler[n] auch Einblick in unterschiedliche Berufsfelder erlaubt. [...]“

Einige Teilnehmer an der Festverstaltung besuchen die arbeitenden Schüler und Schülerinnen im School_Lab (rechts: Mdgt Walter Gremm und MR Dieter Götzl aus dem KM)


Schwerpunkte des School_Lab

Im DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen, das im Jahr 2003 seinen Betrieb aufnahm, werden Schülerinnen und Schüler altersgerecht (ab Jahrgangsstufe 8) an ausgewählte Themen wie „Wetter und Klima“, „Infrarot- und Radarmesstechnik“, „Raketen und Satelliten“, „Umweltfernerkundung“ und „Tunnelbohrmaschine“ herangeführt. Unter fachkundiger Anleitung von Studentinnen und Studenten der Natur- und Ingenieurswissenschaften (hinter denen ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt -DLR- steht) experimentieren die Schülerinnen und Schüler eigenständig in echter Labor-Atmosphäre.

Bei den einzelnen Experimenten stellt das DLR den jungen Forschern dabei sein Know-how und viele Technologien zur Verfügung: Sensoren, Roboter, das Satellitenarchiv, einen Profi-Arbeitsplatz für Meteorologen und vieles andere mehr gemäß dem Motto: „Nur wer selber forscht, erlebt wie faszinierend die Welt der Wissenschaft und Forschung ist!“

Doch zurück zur Alltagssituation: Für das alltägliche Leben sind Erkenntnisse aus der Forschung und technische Innovationen von überragender Bedeutung. Aus diesem Grunde werden Umwelt und Atmosphäre überwacht und erforscht, neue Navigationssysteme werden entwickelt. Doch da sind die wichtigen Fragen: Wie sieht der Alltag der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus? Keine dieser Fragen bleibt beim Besuch des DLR_School_Lab offen, denn alles wird klar angesprochen.

Das W-Seminar "Naturgewalten und Katastrophenmanagement" im Eingangsbereich des DLR Empfangsgebäudes in Oberpfaffenhofen


Seminar_Day – schulischer Ast des DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen

Nach der Einführung der beiden Seminarfächer in der neuen gymnasialen Oberstufe des Gymnasiums wurde das DLR_School_Lab vor eine neue Herausforderung gestellt: Da es sich sowieso schon schwerpunktmäßig der Oberstufe gewidmet hatte, mussten keine fundamentalen Änderungen vorgenommen werden, denn ein P- oder W-Seminar mit Leitfach Physik unterscheidet sich zwar einerseits maßgeblich von einem Leistungskurs in Physik, ist aber andererseits unter Umständen viel näher an den Forschungsinhalten des DLR orientiert. Aus diesem Grunde wurde speziell das Konzept des Seminar_Lab entwickelt. Seminare, die sich mit Themen des DLR beschäftigen, können bei einem Besuch im Seminar_Lab wichtige Anregungen für ihre Arbeiten erhalten. Dies kann sowohl durch Fachvorträge als auch durch die Durchführung von speziellen Experimenten im DLR_School_Lab erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler haben in den studentischen Betreuern kompetente Ansprechpartner für Fragen zu ihren Seminarthemen. Zu Beginn des Seminars sollte ein Besuch als „Teaser“ oder fachlicher Input erfolgen. Ein weiterer Besuch (fortgeschrittenes Seminarstadium) ermöglicht Zwischenstandspräsentation vor einem ausgewählten Fachpublikum. Durch ein entsprechend qualifiziertes Feedback können die Schülerinnen und Schüler noch bestehende Schwächen in ihrer Seminararbeit rechtzeitig erkennen.

Arbeit am Flugsimulator: Auch ein Lehrer darf einmal abheben


Anlässlich des 10jährigen Bestehens des DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen fand eine Festveranstaltung statt, zu Dr. Dieter Hausamann, der Leiter des Schülerlabors, zahlreiche geladene Gäste begrüßen konnte. Nach einem Rückblick auf 10 Jahre DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen wurden u.a. auch „Bewegte Bilder“ aus diesem Zeitraum gezeigt. Danach erfolgte ein Vortrag zum Thema „Raumfahrt-Robotik in Oberpfaffenhofen“. Bei der freien Besichtigung aller Einrichtungen des DLR_School_Lab hatten die Festgäste die Möglichkeit, Schülerinnen und Schülern bei ihrer Arbeit an den einzelnen Experimenten über die Schulter zu schauen. Es handelte sich dabei um die Teilnehmer am W-Seminar „Naturgewalten und Katastrophenmanagement“ unter der Leitung von StD Volker Huntemann vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium aus dem mittelfränkischen Langenzenn. Einer der Festgäste war der Leiter der Gymnasialabteilung im Kultusministerium, Mdgt Walter Gremm. Er zeigte sich tief beeindruckt sowohl von den umfangreichen Möglichkeiten dieses außerschulischen Lernorts als auch von dem Engagement und der großen Begeisterung, mit der die anwesenden Schülerinnen und Schüler die ihnen in den einzelnen Modulen gestellten Aufgaben lösten. Abgerundet wurde der Festtag durch den Kolloquiumsvortrag „10 Jahre DSL-OP“.

Viele zusätzliche Informationen sind unter www.schollab.dlr → Oberpfaffenhofen erhältlich.

Volker Huntemann

GEFAHR DES VERSCHWINDENS EINER EUROPÄISCHEN KULTURLANDSCHAFT


Werner Bätzing, Die Alpen – Das Verschwinden einer Kulturlandschaft. Darmstadt 2018, wbg Theiss, Fadenh., geb. mit SU, 216 Seiten mit228 meist farb. Fotos, € 38,00, ISBN: 978-3-8062-3779-5.

Jeder, der sich im deutschsprachigen Raum mit dem Thema „Alpen“ beschäftigt, stößt unweigerlich auf die fundamentalen Beiträge von Werner Bätzing (em. Professor für Kulturgeographie an der Universität Erlangen). Im Jahr 2005 war sein mittlerweile vergriffenes Werk „Bildatlas Alpen. Eine Kulturlandschaft im Portrait“ erschienen. Bereits damals mahnte er intensiv: „Die Modernisierung der Alpen im Gefolge der Industriellen Revolution und der Globalisierung hat zur Folge, dass die traditionellen Kulturlandschaften mit ihrer dezentral-flächenhaften Siedlungs- und Landnutzungsstruktur aus den Alpen verschwinden.“

Der nun erschienene Folgeband „Die Alpen – Das Verschwinden einer Kulturlandschaft“ trägt zu Recht einen neuen Titel. Es ist ein fast vollkommen neues Buch entstanden, in dem ca. drei Viertel der Fotografien ersetzt und deren Anzahl deutlich erhöht wurde. Zudem wurden sämtliche Texte deutlich überarbeitet und das fünfte Kapitel („Aktuelle Situation und Zukunft der Alpen“) wurde vollkommen neu geschrieben und mit aktuellen Erkenntnissen versehen.

Im Eingangskapitel geht der Autor auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Alpen (Betrachtungs- und Bewertungsperspektive) im historischen Verlauf ein. Aus den schrecklichen Alpen (bis ins 18. Jahrhundert) werden daran anschließend die schönen Alpen und in der heutigen Zeit existiert der Aspekt der Alpen als Freizeitpark. Im folgenden Kapitel „Die Natur der Alpen“ werden die naturwissenschaftlichen Sachverhalte dargestellt: von den tektonischen Fakten über Wasser und Eis als Landschaftsgestalter bis hin zur Vegetation. Das Kapitel „Traditionelle Kulturlandschaften“ befasst sich u.a. erklärend mit der vertikalen Abfolge der Kulturlandschaften; ebenso eingegangen wird auf den Unterschied zwischen den Altsiedelräumen im Süden mit einer Siedlungskontinuität seit der Römerzeit und den Jungsiedelräumen im den nördlichen und östlichen Alpen. Im Abschnitt zu den Themen Transitwege, Bergbau, Marktorte und Städte wird deutlich, dass die Alpen nie ein traditionell rein bäuerlicher Lebensraum gewesen sind, sondern dass schon früh eine Einbindung in europäische Arbeitsteilungen stattgefunden hat.

Im nächsten Kapitel („Die Modernisierung der Alpen“) zeigt Werner Bätzing in einer reichen Vielfalt auf, wie sich seit ca. 1950 die Alpen zur Problemregion entwickelt haben. Dazu trägt nicht nur die wachsende Verkehrserschließung bei, sondern auch die Entwicklung von Gewerbe und Industrie und der zunehmende Tourismus. Ein Abschnitt ist auch den Alpenstädten als Wachstumszentren gewidmet. Einige davon entwickelten sich ab ca. 1980 zu überwiegenden Wohnregionen für die außeralpinen Metropolen. Der Gegensatz zwischen zentralen und peripheren Räumen nimmt immer größere Ausmaße an. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickeln sich jedoch auch in stärkerem Maße der Kulturlandschaftsschutz und die Wildnisentwicklung als sich ergänzende Naturschutzstrategien, die in den Naturschutz mit umweltverträglichem Wirtschaften münden.

Das letzte Kapitel greift die Thematik „Aktuelle Situation und Zukunft der Alpen“ auf. Darin versucht der Autor, eine realitätsnahe Einschätzung vorzunehmen, die in zahlreichen Aspekten nicht gerade positiv ausfällt. Er fordert zum respektvollen Umgang mit der vorgefundenen Natur zurückzukehren und gewachsene kulturelle Identitäten zu pflegen statt sie globalen Normen und
Werten ohne Bezug unterzuordnen. Er hat die Vision einer Aufwertung der Alpen als dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum, basierend auf den wertvollen Ressourcen von regionstypischen Qualitätsprodukten. Dazu ist allerdings der Aufbau von angepassten Wertschöpfungsketten Voraussetzung. Wie das aussehen kann, wird vom Autor leider nur angerissen, doch würde das den Rahmen des gestellten Themas sicherlich sprengen.

Bei der Auswahl der meist selbst aufgenommenen Photographien verzichtet Werner Bätzing bewusst auf oberflächlich spektakuläre Aufnahmen. Die Leser seines Buches müssen sich vielmehr Zeit nehmen, um sich auf die einzelnen Bilder einlassen und die Bild-Erläuterungen genau lesen zu können. Es sind bezeichnende Bilder, wie sich der Alpenraum in den letzten Jahren gewandelt hat.

Mit dem hier vorgestellten Werk ist es dem Autor gelungen, ein umfassendes Kompendium über den derzeitigen Zustand des Alpenraumes zu verfassen. Jeder Leser wird nach der Lektüre des Buches die Alpen mit neuen Augen betrachten. Aus diesem Grund sollte es in jeder Lehrer- und Schülerbibliothek vorhanden sein. Es wird zur Anschaffung dringend empfohlen.


Volker Huntemann

GRANDE TRAVERSATA DELLE ALPI

Wanderführer für den faszinierenden Weg Grande Traversata delle Alpi im Piemont

Werner Bätzing, Grande Traversata delle Alpi. Zürich 2016, Rotpunktverlag, Klappenbroschur, Band 1 + 2, 304 +296 Seiten, € 49,00, ISBN: 978-3-85869-682-3.

Die Grande Traversata delle Alpi (GTA) ist einer der beliebtesten Weitwanderwege der Alpen. Er führt von der Südgrenze der Schweiz (Wallis) in 68 Tagesetappen quer durch die Täler der piemontesischen Alpen bis ans Mittelmeer in der Nähe von Ventimiglia. Stets verläuft die Route auf alten Wegen. Man übernachtet nicht wie bei den üblichen Weitwanderwegen in den Alpenvereinshütten odgl., sondern hier gibt es die sogenannten Posti tappa, die von Einheimischen geführt werden. Als vor über 35 Jahren dieses Wanderbuch erstmals erschien, konnte der ausgewiesene Alpenkenner Werner Bätzing nicht ahnen, dass es zu einem echten Klassiker avancieren würde. Vor uns liegt nun die 7. Auflage, die komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht wurde. In den beiden Büchern (Teil 1: Der Norden – vom Wallis ins Susa-Tal, Teil 2: Der Süden – vom Susa-Tal ans Mittelmeer; die Teilbände können auch einzeln erworben werden) beschreibt der Autor den Wegverlauf in genauer Weise und bietet alle Informationen, die Wanderer auf der GTA benötigen. Darüber hinaus wird ein umfassendes Hintergrundwissen über die durchwanderten Regionen vermittelt. Hier merkt man Werner Bätzings Liebe zum Detail, die ihn als weltweit anerkannter Alpenforscher auszeichnet. Er gibt aber auch sachlich formulierete Hinweise zum angemessenen Verhalten vor Ort. Zwischen die einzelnen Etappenbeschreibungen sind immer wieder geographische Miniaturen (z.B. Walser, Sacri Monti, Waldenser, Bund von Briancon) wohl dosiert eingestreut.

Im Band 1 (Der Norden) beschreibt Werner Bätzing u.a., wie man in sieben Tagen vom Anzasca-Tal über sieben Pässe ins Sesia-Tal gelangt. Auch gibt er nähere Informationen über die Kleinstadt Varallo. Ein großartiges Naturerlebnis beschreibt er in der acht Tage dauernden Tour vom Aosta-Tal durch den Nationalpark Gran Paradiso ins Locana-Tal. Ganz nebenbei erfährt man auch die historischen Gründe für die nahezu komplette Entvölkerung einiger der zu durchwandernden Regionen (z.B. Grajische Alpen). Es werden Informationen gegeben über einst basisdemokratisch organisierte Bauernrepubliken, aber auch über sprachliche Minderheiten in diesen Regionen. In den mehr als 35 Jahren der GTA sind nirgendwo Investitionen von Fremdkapital zu verzeichnen gewesen, weshalb die angebotenen Unterkünfte eher bescheiden geblieben sind. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein trotz der Impulse, die der Wandertourismus in dieses alpine Landschaft gebracht hat.

Gleich am Anfang von Band 2 (Der Süden) wird bei der Durchquerung der Waldensertäler auf den Weinbau im oberen Susa-Tal eingegangen. Abwechseln und spannend, wie beide Bände geschrieben sind, lässt der Autor auch Informationen in Form von Gesprächen mit Bergbauern (z.B. „So haben wir gelebt ...“) einfließen. Wenn es durch die einsamen Seealpen geht, erfährt der Wanderer akribisch recherchierte Informationen zu Militärforts und Militärstraßen in den einsamen Seealpen. Neben dem großartigen Naturerlebnis der Alpen erfährt der Wanderer viel über die Geologie und die Flora der einzelnen Regionen, aber auch über traditionelle Wirtschaftsformen, die heutige Sozialstruktur und über diverse kulturelle Formen, die sich in den isolierten Tälern teilweise auch heute noch erhalten haben.

Beide Bände werden jeweils eingeführt durch auf die betreffende Wanderregion zugeschnitte Informationen über Natur, Geschichte, Kultur und Politik. Am Ende jedes Bandes befinden sich wertvolle praktische Hinweise für den Wanderer (angefangen mit sehr genauen und reich bebilderten Wegbeschreibungen über An- und Abreise mit öffentlichen Verekehrsmitteln bis hin zur Erreichbarkeit der GTA-Etappen). Bei der Beschreibung der Einzeletappen sind besonders wichtig genaue Informationen über die bevorstehende Höhendifferenz, die Markierung und die zu erwartende Gehzeit.Trotz einer gelegentlich auftretenden trocken-sachlichen Fachsprache ist es Werner Bätzing gelungen, den Wanderer auf den unausgetretenen Pfaden des Sanften Tourismus durch ein Gebiet zu leiten, das fernab von einer touristischen Übererschließung liegt. Die zum Erwandern derartiger Regionen notwendigen Tipps und Informationen werden vom Autor kurz aber genau gegeben. Allein das Lesen dieses Werks ist ein Genuss – und dann erst die Begehung. Der GTA-Wandereführer von Werner Bätzing kann nur wärmstens empfohlen werden.


Volker Huntemann

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INNERER BAYERISCHER WALD

Ulrich Hauner, Innerer Bayerischer Wald – Hoher Bogen, Lamer Winkel, Arber-Kaitersberg, Nationalpark und Dreisessel. Wanderungen in die Erdgeschichte (31). München 2015, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Paperback, 168 Seiten, € 25,00, ISBN: 978-3-89937-174-1.

Wer einmal dass Glück hatte, an einer der von Ulrich Hauner fundiert und äußerst sorgfältig vorbereiteten Exkursionen teilzunehmen, dem ist klar, dass er von dieser Publikation gleiches erwarten darf. Und in der Tat, dem ist auch so. Wegen des enormen inhaltlichen Umfangs musste die Publikation in zwei Bände aufgeteilt werden. Vor uns liegt nun der geographisch genau umrissene erste Band mit 233 (!) Farb- und 12 Schwarzweißabbildungen, 3 Tabellen, 15 geologischen Routenkarten sowie 1 topographischen und 1 geologischen Übersichtskarte. Ziele sind jedes Mal attraktive Schauplätze der Natur, die oft Blicke untertage gewähren und die sich beschäftigen mit den geologisch, glazialmorphologisch und mineralogisch sehenswerten Schlüsselstellen im Gelände, die erheblichen Wert für Wissenschaft und Forschung und Lehre sowie für die Natur- und Heimatkunde besitzen. Dem Autor ist es dabei gelungen, viele der durch das Bayerische Landesamt für Umwelt erfassten Geotope des Bayerischen Waldes in sein Exkursionsprogramm einzubinden.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der Leser zunächst einmal mit dem Naturraum des Bayerischen Waldes und mit den Gesteinen des unmittelbaren Exkursionsgebiets vertraut gemacht werden soll. Sehr hilfreich sind bei letzterem Aspekt zahlreiche und qualitativ äußerst hochwertige Fotos von den wichtigsten raumprägenden Gesteinsarten. Damit wird es möglich, dass einem mit den räumlichen Verhältnissen nicht sehr intensiv vertrauten Benutzer die Exkursionen besser verständlich werden.

Insgesamt werden in dem geologischen Exkursionsführer 15 Routenvorschläge angeboten. Sie decken eine große Vielfalt an Themen ab und reichen von „Rund um den Hohen Bogen“ im Norden über „Bodenschätze im Silberberg und der mineralreichste Pegmatit im Bayerischen Wald“ bis hin zu einer längeren Tour „Vom Nationalpark zum Dreisessel“ im südlichsten Teil des Exkursionsgebietes. Allein fünf Wanderungen werden für das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald vorgeschlagen, der nahtlos jenseits der Landesgrenze in den Nationalpark Sumava übergeht. Doch geht es thematisch nicht nur um Bergbau und Gesteine, sondern es wird auch auf andere relevante Themen eingegangen, so z.B. „Auf den Spuren der Eiszeiten am Arber“, „Schachten, Filze und Moränen – eine Fahrradexkursion bei Frauenau“ sowie „Gletscherspuren am Rachel“. Die Texte zu allen Routen haben zahlreiche begleitende Abbildungen. Die geologischen Ausschnittkarten und Skizzen sind stets unmittelbar auf den jeweiligen Exkursionspunkt bezogen, so dass der Benutzer an Ort und Stelle die geologischen Fakten und die naturräumlichen Zusammenhänge bestens nachvollziehen kann.

Viele der angeschnittenen Exkursionsthemen können direkt oder indirekt im Geographieunterricht an den Schulen Berücksichtigung finden. Der Autor weist zurecht darauf hin, dass teure Exkursionsziele wie Kalifornien und die Anden getrost durch eine Fahrt um den Hohen Bogen ersetzt werden können, wenn Themen wie Plattenverschiebung, Schwächezonen in der Erdkruste oder Subduktion ozeanischer Kruste unter kontinentale Kruste im modernen Geographieunterricht behandelt werden sollen.

Die vorliegende Publikation bringt dem naturkundlich orientierten Leser als auch dem fachlich interessierten Wanderer besondere Exkursionsstrecken durch den Bayerischen Wald nahe. Sie sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein und wird zur Anschaffung sehr empfohlen. Bereits heute dürfen wir uns auf den Folgeband von Ulrich Hauner mit dem Titel „Bayerischer Wald vom Pfahl bis zur Donau“ freuen.

Volker Huntemann

Erste Begegnungen mit geographischen Themen

Scorza, Cecilia: Sonne, Mond & Sterne. Reihe: Projektarbeit mit Kindern. Ideen für die Kita-Praxis. 32 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2013. ISBN: 978-3-589-24789-9. € 9,95.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“

Projektarbeit ist ein wichtiges Element in der pädagogischen Arbeit aller Altersstufen, denn sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen vielfältige, ganzheitliche und äußerst nachhaltige Lern- und Bildungserfahrungen. Die Förderung von Know-how und Ideenreichtum ist das erklärte Ziel der
Reihe, wobei zunächst der Schwerpunkt auf der Kita-Praxis liegt. Doch auch im Grundschulbereich sollte bekannt sein, wie Projektthemen bereits vermittelt worden sein können und selbst im Anfangsunterricht an der Realschule und am Gymnsium (Geographie / Natur und Technik) sollte man wissen, welche unterschiedlichen Themen auf welche Weise bislang entwickelt worden sind.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“ gibt Lehrkräften alles an die Hand, was sie für die Arbeit mit Kindern benötigen: Tipps für spannende Aktivitäten aus allen Bildungsbereichen (man muss sich halt die geographisch relevanten Elemente herausfiltern), Bilder, Illustrationen und Hintergrundinformationen. Auch sind jeweils Materialien für die Hand der Kinder vorhanden. Aus diesem Grunde werden alle hier vorgestellten Publikationen dieser Reihe sehr zur Anschaffung empfohlen.

Das Heft „Sonne, Mond & Sterne“

Der Blick in den Himmel bietet viele Möglichkeiten für spannende Projekte und Aktionen entweder im normalen Verlauf des Unterrichts oder auch z.B. während eines Schullandheim-Aufenthalts. Beim Thema Mond wird u.a. der Frage nachgegangen, warum der Mond leuchtet oder wie Mondkrater entstehen. Unter der Rubrik „Die Sonne“ werden Anleitungen zum Herstellen einer Sonnenbeobachtungsbrille gegeben und im Experiment wird gezeigt, wie man Sonnenstrahlen „sammeln“ kann. Das Experiment zur Entstehung von Tag und Nacht und Beobachtungen zur Frage, wie die Jahreszeiten entstehen, sind Schwerpunkte zum Thema Erde. Nur indirekt geographisch, aber dennoch sehr spannend ist das Kapitel „Unterwegs im All“: Fragen zum Raketenantrieb werden im Experiment beantwortet, ein kleines Astronautentraining wird durchgeführt und Astronautennahrung wird zubereitet.

Das Buch vermittelt auf leicht verständliche Art komplexe Sachverhalte. Es stellt keine Schwierigkeit dar, die Spiele und Basteleien mit den Kindern durchzuführen. Eine Anschaffung des Buches wird wärmstens empfohlen.

Weitere empfehlenswerte Themenhefte aus dieser Reihe

Lux, Gerhard: Projektarbeit mit Kindern / Wetter. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornselsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN 978-3-589-24753-0. € 15,95.

Für Kinder sind alle Wetterphänomene faszinierend – ob Regenbogen, Schnee, Eis, Blitz und Donner oder Sonnenschein. Das Themenheft „Wetter“ bietet zahlreiche Anregungen, um gemeinsam mit den Kindern die Antworten auf die sie bewegenden Fragen zu finden. Unter der Überschrift „Warum gibt es eigentlich das Wetter?“ wird eingegangen auf das Wetter in den Jahreszeiten und es werden Experimente zur Kraft der Sonne vorgeschlagen. Das nächste Kapitel steht unter der Überschrift „Welches Wetter haben wir heute?“ und darin werden u.a. ein Einmachglas-Barometer gebastelt, die Größe von Regentropfen wird ermittelt und es wird der Frage nachgegangen, wie viel Wasser im Schnee steckt. Äußerst interessant ist auch das Kapitel „Wenn das Wetter Kapriolen schlägt“: Im Experiment wird ein Tornado in der Flasche erzeugt, verschiedene Experimente zum Regenbogen werden angeboten ebenso wie ein Experiment zur Nebelbildung. Dieses ist nur eine kleine Auswahl aus einer Vielzahl von Anregungen, die dieses Buch so wertvoll machen.

Bicker, Silke: Projektarbeit mit Kindern / Erde, Stein, Sand. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN978-3-589-24762-2. € 14,95.

Wer im Boden gräbt, stößt auf Erde, Steine und manchmal auch andere Gegenstände. Man muss nicht einmal tief graben, um ganz unterschiedliche Böden unter unseren Füßen zu bemerken. Beschwingte Leichtigkeit macht sich breit, wenn wir auf federndem Moor- oder Waldboden gehen oder Strandwanderungen machen. Doch warum liegt Sand nicht überall oder federn manche Böden? Die große, unsichtbare Welt des Bodens entwickelte sich teilweise über Jahrmillionen. Sie bildet unsere Lebensgrundlage, ohne die es keine Nahrung und kein Trinkwasser gäbe. Dieses ist mehr als Grund genug, um sich näher damit zu beschäftigen und herauszufinden, was sich auf und unter der Erde alles abspielt.

Hierzu ist die Publikation in drei Hauptkapitel untergliedert. Unter dem Thema „Der Boden unter unseren Füßen“ werden u.a. Hinweise zur Gestaltung eines Bodenaufbaus im Glas gegeben sowie Tipps zur Erkundung von Wald-, Wiesen- und Ackerböden. Ferner gibt es Aktivitäten rund um das Thema wieso Kiesel keine Kanten haben. Auch im Kapitel „Wozu wir den Boden brauchen“ stehen Beobachtungen und Experimente stark im Vordergrund: Das Spektrum reicht von Beobachtungen am Regenwurmterrarium im Einmachglas über Wasser mit Erdschichten filtern bis zu Beobachtungen, wie viel Wasser Böden speichern können. Im Kapitel „Bodenschätze und Schätze im Boden“ werden dann u.a. Salzkristalle gezüchtet und es gibt ein Experiment zu Farben aus Pigmenten. Auch dieses Buch ist wieder eine wahre Fundgrube für Impulse und Anregungen zur Gestaltung des Unterrichts.


Volker Huntemann

Aktueller Stand der Alpenforschung

Tobias Chilla (Hrsg.), Leben in den Alpen. Verstädterung, Entsiedlung und neue Aufwertungen. Festschrift für Professor Werner Bätzing. Bern 2014, Haupt-Verlag, gebunden, 302 Seiten, € 44,90, ISBN: 978-3-258-07808-3.

Die Alpenregion ist einer der faszinierendsten Lebensräume der Welt: Vielfalt und Gegensätze begegnen sich auf engstem Raum, dynamische Entwicklungen in Gesellschaft und Natur sind festzustellen ebenso wie Fehlentwicklungen. Aus dieser Situation heraus ergibt sich eine kontroverse Debatte über die politische Entwicklung. Dies ist mit Sicherheit kein Buch für eine Mußestunde, denn es weist einen sehr hohen wissenschaftlichen Standard auf. Das verwundert überhaupt nicht, denn es handelt sich um die Festschrift zum 65. Geburtstag und gleichzeitig Abschied von seiner Professur in Erlangen für den weltweit bekannten Alpenforscher Professor Werner Bätzing. Die Alpen aus Werner Bätzings Sicht sind vor allem ein Raum, an dem sich die wesentlichen Fragen der nachhaltigen Regionalentwicklung in besonders plastischer Weise studieren lassen.

Vor diesem Hintergrund beantworten prominente Experten des Alpenraum eine ganze Vielzahl von aktuell drängenden Fragen. So unterschiedlich auch die inhaltlichen Ansätze sein mögen, gemeinsam ist ihnen, dass der Ausgangspunkt ihrer Beiträge stets in dem Werk von Werner Bätzing zu finden ist, der in seinem Bemühen um „Orte guten Lebens“ in den Alpen (und anderswo) bedeutende Maßstäbe gesetzt hat und als der bedeutendste Alpenforscher gilt.

In seinem einleitenden Beitrag zur Festschrift stellt der designierte Bätzing-Nachfolger Tobias Chilla als Herausgeber der Festschrift in seinem Beitrag „'Leben in den Alpen': Nachhaltige Regionalentwicklung im Sinne von Werner Bätzing“ fest, dass seit den 1980er Jahren die Debatte um die Regionalentwicklung in den Alpen, in Franken und anderswo maßgeblich durch Werner Bätzing geprägt worden ist. Ziel der Publikation soll es sein, diese prominente und pointierte Perspektive der Regionalentwicklung zu würdigen. Schwerpunkte bei der Betrachtung der relevanten Probleme sind dabei stets im Sinne Werner Bätzings die „Problemorientierung“, der Fokus auf dem Lokalen und dem Konkreten und die integrierte Betrachtungsweise.

Die thematischen Schwerpunkte der Festschrift spannen einen weiten Bogen zwischen Themen wie z.B. „Neue Bewohner in den Alpen? Räumliche Mobilität und Multilokalität in Tirol“ (Oliver Bender, Axel Borsdorf) und „Die Bayerischen Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Nutzungs- und Schutzansprüchen“ (Marius Mayer, Hubert Job). Eingehend dargelegt werden u.a. auch “Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung in peripheren Gebieten des schweizerischen Alpenraums“ (Hans-Rudolf Egli) und „Goms – Konjunkturen, Krisen und Konflikte“ (Ludwig Ellenberg). Thematisch eingegangen wird u.a. ebenso auf „Agrargemeinschaften in Kärnten“ (Friedrich Walter Merlin) und „Natursport in den bayerischen Alpen“ (Stefan Witty).

Die Entwicklungen im Alpenraum im Verlauf der letzten Jahrzehnte werden eingehend dargelegt und darauf aufbauend werden Zukunftsperspektiven entwickelt, die nicht immer als positiv bewertet werden können. Aber auch das ist im Sinne Werner Bätzings – wie er es oft genug in seinen Forschungen gezeigt hat – notwendig, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen anzuregen.

Die vorliegende Publikation zeigt die volle Bandbreite der von Werner Bätzing maßgeblich vorangetriebenen Alpen- und Regionalforschung auf und sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein. Die Anschaffung ist dringend zu empfehlen.

Volker Huntemann

Panorama Altmühltal

Peter Miotk, Harald Braun u. Johann Schrenk: Panorama Altmühltal – Eine Bilderreise entlang des Panoramawegs Altmühltal von Gunzenhausen bis Kelheim
Schrenk Verlag , 2010. 252 S., gebd., 34,90 Euro
ISBN 978-3-924270-65-0

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen das Altmühltal nur einem kleinen Kreis von Naturbegeisterten als Geheimtipp bekannt war. Nicht nur die stürmische Entwicklung des Fränkischen Seenlandes zu einer echten Tourismusregion hat zu einer deutlichen Bekanntheitssteigerung beigetragen, sondern z.B. auch die Tatsache, dass der Panoramaweg Altmühltal zu den zwölf „Top trails of Germany“ gehört und dass er auch als „Qualitätswanderweg wanderbares Deutschland“ zertifiziert ist. Diesem Panoramaweg sind die drei Autoren gefolgt und haben eine bislang einmalige und äußerst anerkennenswerte Symbiose zwischen einem Wanderführer und einem echtem Bildband geschaffen.

Das im Bildbandformat vorliegende Werk begeistert den Leser mit exzellent verfassten Informationstexten, großartigen Landschafts- und Panoramaaufnahmen ins Tal oder über das Tal sowie großartigen Aufnahmen von Fauna und Flora mit einer Detailgenauigkeit wie man sie sich oft wünscht, aber selten findet. Schon nach dem Studium der ersten Seiten muss man feststellen, dass sich hier ein ideales Autorenteam gefunden hat: Peter Miotk ist Professor für Biologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Fakultät Umweltingenieurwesen) und hat sich durch seine jahrzehntelangen Forschungen in der Fachwelt ein hohes Ansehen erworben. In der über 30 Seiten langen Einführung gibt er einen Überblick über die Landschaftsgeschichte des Raumes und begründet in genauer, aber niemals wissenschaftlich überzogener Weise das heutige Erscheinungsbild von Fauna und Flora. Den Leser erfreut es, wenn der Fachmann in gekonnter Weise auf Besonderheiten aufmerksam macht, die es ihm ermöglichen, die Landschaft des Altmühltals in ihrer Einmaligkeit zu genießen. Unterstützt wird er dabei von Fotomeister Harald Braun, der in die Gestaltung des Bildbandes sein ganzes Fachwissen eingebracht hat. Johann Schrenk rundet die Leistungen des Teams ab, indem er sein umfangreiches Wissen über seinen Heimatraum und die Regionalgeschichte einbringen kann.

Während man es in traditionellen Reiseführern leider gewohnt ist, dass gerade die Naturverhältnisse vernachlässigt oder nur dürftig dargestellt sind, wird der Leser in diesem Reiseführer eine positive Überraschung erleben. Die Naturkunde wird weder in Text noch im Bild in den Hintergrund gestellt, sondern sie begegnet der Kultur- und Heimatgeschichte auf gleicher Augenhöhe. Auch Hinweise auf sportliche Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten werden gegeben. Sie stehen allerdings nicht im Vordergrund – genau in richtiger Relation, wenn man eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft kennenlernen oder gar erwandern möchte. Der Gegenstand der Betrachtung ist – so formuliert es Peter Miotk – „… ein in seiner Attraktivität so außergewöhnlicher Landschaftsraum, wie er sich in Deutschland nur selten bietet.“

Der Panoramaweg Altmühltal ist in seinem Verlauf von Gunzenhausen nach Kehlheim (ca. 200 km Länge) in 10 Etappen aufgeteilt, die jeweils unter einer speziellen Thematik stehen: So befindet man sich auf einer Etappe im Revier der Störche (Gunzenhausen – Spielberg), ein andermal in der steinernen Vergangenheit (Solnhofen – Dollnstein) oder auch in Bayerns Mitte (Kipfenberg – Beilngries). Zu jeder Etappe wird eine passende Übersichtskarte geliefert; es gibt umfangreiche Informationen zum Streckenverlauf, aber auch zu Sehenswürdigkeiten und interessanten Punkten an der Strecke. Vervollständigt werden diese Informationen durch hervorragendes Bildmaterial, das auch auf zahlreiche bedeutende kulturhistorische Sachverhalte eingeht. Zusätzlich zu den einzelnen Etappen werden insgesamt 27 Schlaufenwege vorgeschlagen; Wege, bei denen sich eine Vertiefung der auf der normalen Etappe gewonnenen Eindrücke lohnt. Harald Braun, der mit seiner Familie alle Etappen und sämtliche Schlaufenwege abgelaufen hat, betont, dass er dabei das Stück Heimat neu entdeckt und schätzen gelernt hat.

Die vorliegende Publikation ist sicherlich kein Wandeführer im herkömmlichen Sinn. Es beginnt schon damit, dass man ihn nicht einfach in die Tasche stecken kann, sondern man muss sich die entsprechenden Abschnitte vorher kopieren. Diese kleine zusätzliche Mühe gleicht jedoch den goßen Vorteil der exzellenten (auch optischen) Vor- und Nachbereitung voll und ganz aus. 448 Hochglanzfarbfotos legen Zeugnis von einer großartigen Landschaft ab. Dieses Prädikat ist mehr als gerechtfertigt, denn selten treffen in einem so eng begrenzten Raum so viele gegensätzliche Elemente aufeinander: Bei Fauna und Flora begegnen sich u.a. Lebensgemeinschaften mediterraner Prägung mit solchen von nordischem Charakter und in der Kulturlandschaft treffen wir ständig auf sowohl fränkische als auch bayerische Elemente. Ein solch außergewöhnlicher Landschaftsraum ist tatsächlich nur selten in Deutschland zu finden. Dem Autorenteam ist es in großartiger Weise gelungen, ihn für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grunde kann die Anschaffung des Buches nur dringend empfohlen werden.

Volker Huntemann

Jahrestagung 2011 in Waldeck b. Kemnath (Opf.)

Jahrestagung 2017 in Langenzenn

Jahrestagung 2016 in Hallstadt

Jahrestagung 2015 in Füssen - Bad Faulenbach

Jahrestagung 2014 in Neuschönau (Bayerischer Wald)

Jahrestagung 2010 in Ingolstadt