Fachgruppe Geographie

Stellungnahme der Landesfachgruppe zum Fachlehrplan Geographie im neuen LehrplanPLUS

Jugend forscht 2019

Ein erfolgreiches Jahr für bayerische Teilnehmer bei Jugend forscht
Bundesfinale des Wettbewerbs 2019 in Chemnitz – Der Bundespräsident als Festredner

Die bayerische Erfolgsserie in dem bekanntesten deutschen Schülerwettbewerb konnte auch in diesem Jahr fortgesetzt werden: Mit zwei Bundessiegen und weiteren guten Platzierungen gehört Bayern weiterhin zu den äußerst erfolgreichen Bundesländern. Im 54. Wettbewerbsjahr war die Beteiligung mit 12.150 Anmeldungen wieder sehr hoch. In seiner Festansprache betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dass die Forschungsergebnisse und Entdeckungen dazu beitragen können, "… dass wir die Welt ein Stück besser verstehen und vielleicht sogar in Zukunft ein wenig besser leben und arbeiten ‎können.". Er dankte insbesondere den Lehrer/inne/n für ihr großes Engagement bei den Wettbewerben von Jugend forscht.

Gruppenbild der Bundessieger mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

Die 190 Jungforscher/innen mit ihren insgesamt 111 Projekten hatten sich über die Regional- und Landeswettbewerbe für das Bundesfinale in Chemnitz qualifiziert. Das diesjährige Bundespatenunternehmen, das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, sorgte dabei für ein abwechslungsreich und optimal gestaltetes Umfeld und Rahmenprogramm für alle Teilnehmer/innen und die Gäste. „Innovation und exzellente Forschung sind eine tragende Säule des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, sagt Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und Bundespatenbeauftragter. „Damit ist die Förderung von Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern eine wichtige Investition in die Zukunft.“ 

Paul Kunisch und Thomas Derra erzielten den Bundessieg im Fachbereich Chemie

Die bayerischen Bundessieger

Bei einer auftretenden Ölpest ist guter Rat stets teuer: Herkömmliche Bindemittel können Rohöl zwar an ihrer Oberfläche aufnehmen, sind aber teuer und ihre Wirkung ist begrenzt, Paul Kunisch und Thomas Derra (Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg) sind besseren Absorbern auf die Spur gekommen. Sie imprägnierten Zellstoff, Baumwolle Sägespäne und Vliese mit dem Leimungsmittel ASA aus der Industrie, dessen Struktur den bekannten Ölbindern ähnelt. In den Experimenten der Jungforscher stellte sich heraus, dass ihre ASA-imprägnierten Sägespäne, Cellulose-Fasergranulate und Vliese kostenmäßig günstiger sind und sie haben sogar eine höhere Saugkraft als die bislang angewandten Mittel. Die von ihnen angefertigten chromatografischen Messungen bewiesen, dass die neuen Absorber nicht nur Rohöl, sondern auch Kohlenwasserstoffe aus tieferen Wasserschichten entfernen können. Die Jungforscher überzeugten die Jury durch die erfolgreiche Entwicklung einer einfachen und cleveren Problemlösung, wobei sie die Wissenschaftlichkeit stets im Blick behielten. Für ihre Arbeit „Die ASA-Therapie zur Bekämpfung der Ölpest“ wurde ihnen der Bundessieg im Fachbereich Chemie zuerkannt.

Nils Wagner bei der Ehrung als Bundessieger im Fachbereich Physik; rechts von ihm Prof. Dr. Jan-Michael Rost (Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme)

Im Fachbereich Physik war Nils Wagner (Technische Universität München) mit seiner Arbeit „Untersuchung fliegender Gyroskope“ angetreten. Ausgehend von der Tatsache, dass sich mit einer Frisbeescheibe enorme Weiten erzielen lassen (der aktuelle Weltrekord liegt bei mehr als 300 m!) widmete sich der Jungforscher in seiner Arbeit einem ähnlichen Wurfgerät: Der „X-Zylo“ ist ein dünnwandiger Hohlzylinder, der wie ein Football geworfen wird und dabei erstaunlich geradlinig fliegen kann. Um diese Tatsache im Detail zu verstehen, schrieb Nils Wagner ein Computerprogramm, das die Flugbahn des X-Zylo simulieren kann. Danach überprüfte er die Ergebnisse auf der Grundlage von Versuchen mit einer selbst gebauten katapultähnlichen Abschussvorrichtung. Es stellte sich heraus, dass die berechneten und die tatsächlichen Flugbahnen nahe beieinander lagen, auch wenn die Software noch nicht alle für den Flug maßgeblichen Effekte berücksichtigte. Der Jungforscher überzeugte die Jury durch seine kreative Herangehensweise beim Aufbau und bei der Durchführung seiner Experimente sowie durch seine methodische Breite. Sie erklärte ihn deshalb zum Bundessieger.

David Haney, Dominik Kanzler und Michael Merk an ihrem Stand mit dem Stinkenden Storchenschnabel

Weitere erfolgreiche Platzierungen von bayerischen Teilnehmern

David Haney, Dominik Kanzler und Michael Merk (Simpert-Kraemer-Gymnasium Krumbach/Schwaben) reichten ihre Arbeit mit dem Titel „Die Rotfärbung an Blättern des Stinkenden Storchenschnabels – eine Ursachenforschung“ ein. Ihnen war aufgefallen, dass die gefiederten Blättchen oft nicht grün, sondern rot gefärbt sind. Es gelang ihnen herauszufinden, welche Funktion die Rotfärbung hat. Sie ist ein Schutz für die Pflanze vor zu starker Sonneneinstrahlung, wenn der Photosyntheseapparat überlastet ist. Die Pigmente, Anthozyane genannt, fangen schädliche freie Radikale ab, die durch zu viel UV-Strahlung in der Zelle entstehen. Die Jungforscher verglichen verschiedene Standorte der Pflanze in ihrer Heimatregion, sie setzten Jungpflanzen Sonne und Trockenheit aus und analysierten die Zusammensetzung und die Konzentration der Anthozyane sowohl mikroskopisch als auch chromatografisch. Als Ergebnis können sie ausschließen, dass die Rotfärbung eine Alterserscheinung ist oder vor Austrocknung schützt. Für ihre Forschungsergebnisse erhielten sie den 2. Platz im Fachbereich Biologie.

Im Bereich Arbeitswelt erzielten die Geschwister Gerold, Anna und Felix Kiefl den 3. Platz; hier bei der Siegerehrung mit Moderatorin Corinna Lampadius

Ein 3. Platz wurde vergeben im Fachbereich Arbeitswelt an die Geschwister Gerold, Anna und Felix Kiefl (Ludwigsgymnasium Straubing). In ihrer Arbeit „Stoma-Warner“ hatten sie im Fachbereich Arbeitswelt die Tatsache berücksichtigt, dass die Lösung der Befestigung eines künstlichen Dünndarmausgangs vom Körper unangenehme Verschmutzungen für den Patienten zur Folge hat. Besonders während des Schlafs können die Auswirkungen eines solchen Vorfalls erheblich sein. Aus diesem Grunde entwickelten die Jungforscher einen Ring-Feuchtigkeitssensor mit entsprechender Elektronik, der am Darmausgang auf der Haut angebracht wird und den Träger bei Austritt von Flüssigkeit sofort alarmiert. Die Warnung erfolgt im Tag-Modus diskret durch Vibration, im Nacht-Modus wird die betroffene Person hingegen durch ein schrilles Signal geweckt. Es gelang den drei Jungforschern, das komplette System in eine textile Bauchbinde einzuarbeiten, die unter der Kleidung unsichtbar getragen werden kann.

Im Fachbereich Mathematik/Informatik belegten Jakov Wallbrecher, Paul Schappert und Jonathan Treffler (Gymnasium der Regensburger Domspatzen) mit der Arbeit „Lösung des n-Damenproblems auf einem adiabatischen Quantencomputer“ einen beachtenswerten 4. Platz, während Jonas Köhler (Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach) mit der Arbeit „Analyse von oben – Analyse der Biodiversität des Spessarts anhand von Baumart und -alter“ im Fachbereich Geo- und Raumwissenschaften und Thomas Sedlmeyr und Philip Haitzer (Chiemgau-Gymnasium Traunstein) im Fachbereich Mathematik/Informatik für die Arbeit „Annl, eine künstliche Intelligenz für jeden“ mit jeweils einem 5. Platz belohnt wurden.

Zukunftsperspektive

Der Vorsitzende des bpv, Michael Schwägerl, zeigte sich sehr erfreut über die herausragenden Ergebnisse des Bundesentscheids in Chemnitz und gratuliert allen Preisträgern und Preisträgerinnen zu ihren Platzierungen. Er wünscht sich ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden in den kommenden Jahren. Durch solch erfolgreiche Ergebnisse sieht er die Qualität des bayerischen Gymnasiums eindeutig bestätigt.

Anmeldungen zur Wettbewerbsrunde Jugend forscht 2019/20 (oder zu Schüler experimentieren) sind ab sofort möglich. Letzter Anmeldetermin ist der 30. November 2019; die Wettbewerbsarbeiten müssen dann spätestens Anfang Januar 2020 eingereicht werden. Nähere Informationen zum Bundesfinale 2019 und zur neuen Wettbewerbsrunde 2019/20 sind zu erhalten bei Stiftung Jugend forscht e.V., Baumwall 5, 20459 Hamburg, Tel. 040/374709-0, Mailanschrift info@jugend-forscht.de oder unter www.jugend-forscht.de

Volker Huntemann

BundesUmweltWettbewerb

Dr. Marc Eckhardt, Geschäftsführer des BundesUmweltWettbewerbs, bei der Eröffnungsansprache im Bremer Rathaus

Beim Finale des BundesUmweltWettbewerbs sehr erfolgreich

Bayerische Schüler und Schülerinnen mit Haupt- und Sonderpreisen ausgezeichnet – Abschlussveranstaltung im Bremer Rathaus

Wie schon in den Vorjahren waren bayerische Schüler und Schülerinnen beim 28. Bundesfinale des BundesUmweltWettbewerbs (BUW), das im Bremer Rathaus stattfand, wieder sehr erfolgreich. Ziel des Wettbewerbs ist es, dass Jungforscher und junge Talente im Umweltbereich besonders gefördert werden. Mit Hauptpreisen werden Arbeiten ausgezeichnet, die von der Jury als hervorragend bewertet wurden; dabei haben sowohl Kreativität als auch interdisziplinäre Arbeitsweise einen hohen Stellenwert. Sonderpreise werden an Projekte vergeben, die sich u.a. durch eine besondere Leistung in einem Teilbereich bzw. einer Fachdisziplin auszeichnet haben. Förderpreise dienen der Projektfortführung und sollen zur nochmaligen Teilnahme an der nächsten BUW-Runde ermutigen.

Zur 28. BUW-Runde wurden insgesamt 332 Projektarbeiten von 1.113 jungen und engagierten Leuten im Alter von 10 bis 20 Jahren eingereicht. Das Spektrum der Arbeiten reicht dabei von wissenschaftlichen Untersuchungen, umwelttechnischen Entwicklungen über Umweltbildungsmaßnahmen und -kampagnen bis hin zu aufwändig gestalteten Medienprojekten. Die Veranstaltung wurde mit einem Grußwort von Dr. Claudia Bogedan, der Senatorin für Kinder und Bildung der Freien Hansestadt Bremen, eröffnet. Die besten Projekte wurden im Beisein des Aktivisten für Umweltschutz und für Menschenrechte, Rüdiger Nehberg, gewürdigt. Zwanzig Jahre lang trug er mit waghalsigen Aktionen und der Kraft der Medien dazu bei, u.a. das Drama um den drohenden Völkermord an dem letzten großen, noch ursprünglich lebenden Urvolk Amerikas, den Yanomami im tropischen Regenwald Brasiliens, weltbekannt zu machen und beispielhaft Hilfe zu organisieren. Mit dieser Thematik beschäftigte sich auch sein Festvortrag.

Die Hauptpreisträgerinnen Leonie Prillwitz und Aurelie Zimmermann mit Prof. Dr. Gunnar Friege (Vorsitzender der Wettbewerbsjury BUW I) - links - und Bonita Junge - rechts -, der bayerischen Landesbeauftragten für den Wettbewerb

In der Kategorie BUW I (Altersgruppe der Zehn- bis Sechzehnjährigen) erhielten Leonie Prillwitz und Aurelie Zimmermann (Maria-Ward-Gymnasium Augsburg) mit ihrer Arbeit „Mikrofasern – Gefahr aus der Waschmaschine?!“ den Hauptpreis zuerkannt. Sie beschäftigten sich in ihrem Projekt mit der Problematik des Mikroplastiks, das beim Waschen von Mikrofaser-Funktionskleidung (Fleece) freigesetzt wird und dadurch über das Abwasser in die Gewässer gelangt. Die Jungforscherinnen wollten herausfinden, welche Einflüsse zu berücksichtigen sind, um beim Waschvorgang die Menge abgebrochener Mikrofasern für den Schutz der Gewässer möglichst gering zu halten. Dazu untersuchten die beiden Gymnasiastinnen in mehreren Handwäsche- und Waschmaschinendurchgängen unter Konstanthaltung bestimmter Parameter (z.B. Wassermenge, Waschzeit) die Auswirkungen der Temperatur, die Anwendung von Waschmitteln und die Anzahl der Waschdurchgänge auf die Menge abgebrochener und freigesetzter Mikrofasern. Dazu wurde das Waschwasser anschließend gefiltert, um den Mikrofaseranteil mit Hilfe einer Feinwaage zu bestimmen. Die Ergebnisse belegten, dass der Mikrofaserabrieb mit steigender Grobheit der Fasern zunimmt und mit zunehmender Zahl der Waschdurchgänge sinkt. Durch den Einsatz eines von ihnen entwickelten Filtersystems (u.a. bestehend aus Polymidfasern) kann die Menge der Mikrofasern im Abwasser signifikant reduziert werden. Sie fanden zudem heraus, dass, wenn mit weichem Wasser gewaschen wird, feinere Filter benutzt werden können, da sich im Gegensatz zum harten Wasser dort kaum Kalkseifenrückstände bilden, die den Filter sonst unnötig verstopfen würden. Die Jury war u.a. beeindruckt vom beispielhaften Engagement der beiden Umweltforscherinnen und dass sie ein durchdachtes, kluges Vorgehen gezeigt haben, das mit hoher Kreativität gepaart ist.

Loona Loch und Michaela Schmitt bei der Übergabe eines Sonderpreises im BUW I durch Prof. Dr. Gunnar Friege (Vorsitzender der Wettbewerbsjury BUW I) - links - und Bonita Junge - rechts -, der bayerischen Landesbeauftragten für den Wettbewerb

Mit einem Sonderpreis im BUW I wurden Loona Loch und Michaela Schmidt (Staatliche Realschule für Mädchen, Neumarkt/Oberpfalz) für ihre Arbeit „Tablett gegen Müll“ ausgezeichnet. Ihnen missfiel die Tatsache, dass tagtäglich in Schnellrestaurants durch die Lebensmittelverpackungen und Trinkbecher riesige Mengen an Abfall anfallen. Deshalb konzipierten sie ein neuartiges Tablett. In Zusammenarbeit mit einer ortsansässigen Firma entwickelten die beiden Realschülerinnen ein Speisetablett mit Deckel und einem dazugehörigen Pfandbecher, das mit Hilfe eines 3D-Druckers prototypisch gefertigt wurde. Da das Tablett mit seinen Komponenten mehrfach verwendet werden kann, würde der zukünftige Einsatz ganz wesentlich zur Müllvermeidung beitragen. Außerdem schützt der Deckel vor einem vorzeitigen Abkühlen der Speisen, so dass diese gleichzeitig auch länger warm gehalten werden.

Förderpreise gingen im BUW I zudem an folgende Projekte: „Ein Blick von oben – Klassifizierung des Spessarts durch Fernerkundung“ von Jonas Köhler (Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach) und „Lösungsansätze zur Vermeidung des Plastikmülls im heimischen Raum“ von Jasmin Campagna (Paul-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck).

Jakob Schmidbauer konnte sich über einen Sonderpreis im BUW II freuen; rechts Prof. Dr. Gerrit Schüürmann (Vorsitzender der Wettbewerbsjury BUW II), links Bonita Junge, die bayerische Landesbeauftragte für den Wettbewerb

Beim BUW II (Siebzehn- bis Zwanzigjährige) fiel einer der Sonderpreise ebenfalls nach Bayern: Jakob Schmidbauer (Graf-Rasso-Gymnasium Fürstenfeldbruck) hatte eine Arbeit mit dem Titel „Reduzierung von Lebensmittelabfällen als Chance für ein nachhaltigeres Gaststättengewerbe“ eingereicht. Während seiner Tätigkeit als Servicekraft in einem Landhotel war dem Gymnasiasten besonders bewusst geworden, wie viele unserer Lebensmittel täglich entsorgt werden. Dieses Problem ist sowohl aus ökologischer als auch aus ethischer Sicht sehr bedenklich. Neben den privaten Haushalten ist das deutsche Gaststättengewerbe mit geschätzt jährlich über 800.000 Tonnen ein großer Verursacher von Lebensmittelabfällen. Dabei machen vor allem Tellerreste der Gäste den Großteil der Abfälle aus. In Absprache mit der Leitung und den Beschäftigten des Betriebs kategorisierte der Schüler zunächst die dort angefallenen Lebensmittelabfälle über einen definierten Zeitraum und wertete die entstandenen Lebensmittelreste quantitativ aus. Aus den gewonnenen und ausgewerteten Daten hat er anschließend Schlussfolgerungen für zukünftige Einsparungs- bzw. Minimierungsmaßnahmen von Lebensmitteln gezogen. Seine daraus entwickelten und präsentierten Lösungsvorschläge zur Minderung von Lebensmittelabfällen im Gastronomiegewerbe haben die Jury beeindruckt, zeigen sie doch, wie Wissen über ein Problem in ein nachhaltiges Handeln umgesetzt werden kann.

Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, war auch in diesem Jahr wieder beeindruckt von dem guten Abschneiden der bayerischen Schülerinnen und Schüler. Er spricht ihnen zu ihren Erfolgen Anerkennung und Glückwünsche aus.

Die Teilnahme am BundesUmweltWettbewerb ist möglich für Schülerinnen und Schüler aller allgemein- und berufsbildenden Schulen, Jugendgruppen sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Freiwilligendiensten wie dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD). Die Organisation des Wettbewerbs erfolgt vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel. Der Träger des Wettbewerbs ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Wettbewerbsrunde 2018/19 hat bereits begonnen. Einsendeschluss für die frei wählbaren Themen ist der 15. März 2019; die Anmeldung sollte sobald wie möglich erfolgen. Projektbeispiele, Anmeldung und Leitfaden des Wettbewerbs mit detaillierten Informationen sind erhältlich unter www.bundesumweltwettbewerb.de oder bei der bayerischen Landesbeauftragten für den BUW, OStR' Bonita Junge, Wolfgang-Borchert-Gymnasium, Sportplatzstr. 2, 90579 Langenzenn, Tel. 09101/904180, Mail: verwaltung@wbg-lgz.de .

Volker Huntemann

Die Gesteinskiste

Die Gesteinskiste ist in einzelne Unterthemen aufgegliedert

Für eine interaktive Vermittlung geologischer Themen

Ideale Verbindung der Gesteinskunde mit der Anwendung und Nutzung der Gesteine

Viele der Kolleginnen und Kollegen kennen die Situation zur Genüge – frau/man will einen geologischen Sachverhalt erklären, doch es fehlen in den meisten Fällen die entsprechenden Materialien. Wenn dann auch noch nur ein paar wenige Handstücke der eigentlich benötigten Gesteine zur Verfügung stehen, wird es schwierig mit der unterrichtlichen Vorbereitung. Diese Situation kann nun endlich umfassend behoben werden: Vom GEO-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) in Windischeschenbach wurde unter Federführung von dessen Leiter, Dr. Frank Holzförster, eine Gesteinskiste entwickelt. Dieses neue Medium für den Unterricht über geologische Sachverhalte in allen Jahrgangsstufen des Gymnasiums wurde im täglichen Betrieb des Schülerlabors im GEO-Zentrum an der KTB für den Einsatz im Unterrichtsalltag konzipiert. Die Gesteinskiste baut auf die Handreichung „Lernort Geologie“*) auf und verbindet zusätzlich durch die Kooperation mit dem Steinzentrum Wunsiedel die Gesteinskunde mit der Nutzung der Gesteine.

Zu der umfangreichen Ausstattung der Gesteinskiste gehört u.a. auch ein wissenschaftliches Handbuch, für das einschlägige Lehrbücher in geeigneter Weise für den Einsatz mit dem Gesteinskoffer komprimiert und vereinfacht worden sind. Der Inhalt der Gesteinskiste ermöglicht über den Weg der Wirkung der innen- und außenbürtigen Kräfte die anschauliche Darstellung des Kreislaufs der Gesteine und damit gleichzeitig auch das handlungsorientierte Erlernen ihrer Systematik. Mithilfe der Mustergesteine gewinnen die Lernenden Kenntnisse von typischen Merkmalen der Gesteine. In diesem Zusammenhang können dann auch selbst gesammelte Gesteine oder eine bereits vorhandene Gesteinssammlung der Schule leicht mit einbezogen werden. Eine Dynamisierung des Lernprozesses kann auf einfach Weise ermöglicht werden. Die empfohlenen Spiele und Aktionen zur Vertiefung des Wissens und zur Herstellung von Raumbezügen sind gut verständlich und runden das große Spektrum der Einsatzmöglichkeiten perfekt ab.

Ausstattung der Gesteinskiste

  • 1 stabile Transportkiste aus Holz mit Tragegriffen, sechs Fächerunterteilungen und herausnehmbarem Deckel; Gesamtgewicht (befüllt): ca. 25 kg
  • 34 Werksteine (95 x 75 x 15 mm) mit einer gespaltenen oder polierten Fläche, mindestens einer bruchrauhen Seite oder einer gesägten Seite, jeweils auf Sperrholzplatten montiert
  • 9 Handstücke (ca. 50 x 50 x 30 mm) mit mindestens einer bruchrauhen Fläche, teilweise in Klarsichtdose verpackt und nummeriert
  • 43 stabile Infokarten (21 x 10,5 mm) mit Daten zur Geologie eines jeden Werksteins und Handstücks, ihren technischen Eigenschaften und zu ihrer Verwendung; jeweils ein Übersichts- und ein Detailfoto des Gesteins befinden sich auf der Rückseite
  • 5 Sets mit je 11 stabilen Karten zur grundsätzlichen Systematik der Gesteine auf der Grundlage der Plattentektonik
  • 1 detailreich gestaltetes und informatives Schaubild zum Kreislauf der Gesteine, zerlegt in 8 stabile Teile im DIN A3-Format (Gesamtgröße 119 x 84 cm)
  • 1 Set mit 116 stabilen Namenskarten und 11 Pfeilen zur Dynamisierung des Kreislaufs der Gesteine und der Systematik der Gesteine
  • 1 Didaktisches Handbuch (DIN A4, 39 Seiten)
  • 1 Wissenschaftliches Handbuch (DIN A4, 42 Seiten)
  • 1 Daten-CD mit Kopiervorlagen

Dr. Frank Holzförster, der wissenschaftliche Leiter der KTB in Windischeschenbach, stellte die Gesteinskiste auf dem Bayerischen Landes-Schulgeographentag in Bayreuth 2018 vor

Kosten

€ 990,00 zzgl. gesetzliche Mehrwertsteuer und Versand; für Bildungseinrichtungen gegen Nachweis reduzierter MWSt-Satz von 7 %.

Lieferzeit

Wegen der individuellen Anfertigung der Gesteinskiste vom Zeitpunkt der Bestellung bis zur Auslieferung ca. 4 Wochen.

Kontakt und Bestellung

GEO-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung KTB, Am Bohrturm 2, 92670 Windischeschenbach; Tel. 09681-400430; Email: info@geozentrum-ktb.de ; Homepage: www.geo-zentrum-ktb.de

Als Mitautor der Handreichung „Lernort Geologie“ kann es einem nur Freude bereiten zu sehen, wie durch die Gesteinskiste der Geologieunterricht an den Schulen eine weitere intensive Förderung erhält. Der Preis mag einem zunächst durchaus als etwas hoch erscheinen, doch wer sich die Mühe macht, die Gesteinskiste einmal selbst in Augenschein zu nehmen (z.B. bei einem Besuch der KTB in Windischeschenbach), wird sehr schnell feststellen, dass die solide Ausstattung der Kiste selbst und der in ihr enthaltenen Materialien den Preis durchaus rechtfertigen. Mit der hier vorgestellten Gesteinskiste beginnt für den Geologieunterricht eine neue Dimension – eine Anschaffung kann aus diesem Grund und wegen der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nur dringend empfohlen werden.


*) Literaturhinweis: Lernort Geologie: https://www.stmuv.bayern.de/themen/boden/lernort_geologie/index.htm


Volker Huntemann

Geologie zum Anfassen

Prof. Dr. Walter Schumann übergibt einen Teil seiner bereits transportfertigen Sammlung

Prof. Dr. Walter Schumann schenkt seine Mineralien- und Gesteinssammlung dem Albert-Schweitzer-Gymnasium Erlangen

Vor einiger Zeit erreichte den damaligen Vorsitzenden der Landesfachgruppe Geographie im bpv, Volker Huntemann, ein Schreiben von Prof. Dr. Walter Schumann, dem weltweit bekannten Autor des Buches „Der große BLV-Steine- und Mineralienführer: Das Standardwerk“*), das in zahlreiche Sprachen übersetzt worden ist. Er kündigte darin an, dass er aus Altersgründen seine Sammlung (sie ist identisch mit den zahlreichen Beschreibungen in o.a. Werk) auflösen möchte und sich dafür einen Spendennehmer aus dem Kreis der Gymnasien in Bayern wünschte. Ein Herzenswunsch dabei war, dass die Sammlung durch Schülerinnen und Schüler aktiv im Unterricht vielfältig genutzt werden soll. Da die Qualität der bisherigen unterrichtlichen Arbeit auf dem Gebiet der Geologie am Albert-Schweizer-Gymnasium bayernweit einen guten Ruf genießt, war eine Kontaktaufnahme dorthin selbstverständlich. Begünstigt wurde die Vergabe auch noch durch die spontane Zusage der Stadt Erlangen, für diesen „geologischen Schatz“ die notwendige Anzahl von Vitrinen anzuschaffen, damit dieser im täglichen Schulleben präsent sein kann.

Zu einer kleinen Feierstunde aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Mineralien und Gesteine – Sammlung von Prof. Dr. Walter Schumann (TU München)“ konnte Geographie-Fachbetreuer OStR Roman Ochmann neben zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus der eigenen und benachbarten Schulen u.a. auch Dr. Frank Holzförster (Leiter des Geozentrums an der Kontinentalen Tiefbohrung Windischeschenbach), Dr. Anette Regelous (Leiterin der Geschäftsstelle des Geozentrums Nordbayern an der Universität Erlangen-Nürnberg) und Volker Huntemann (ehemaliger Landesvorsitzendes des bpv) begrüßen. Anwesend waren aber auch viele interessierte Schüler und Schülerinnen der derzeitgen und der ehemaligen Geologie-Kurse. Bedauert wurde die Tatsache, dass Prof. Dr. Walter Schumann aus Altersgründen nicht persönlich an der Übergabefeier teilnehmen konnte.

StD' Katarina Keck im Gespräch mit Dr. Frank Holzförster (KTB Windischeschenbach) und Dr. Anette Regelous (Universität Erlangen) anlässlich der Eröffnung der Ausstellung in Erlangen

StD' Katarina Keck, die mit der Betreuung dieser einzigartigen Sammlung betraut ist, betonte, dass sie wegen des großen Umfangs der Sammlung nicht alle Schaustücke auf einmal ausstellen konnte, denn mit gut 400 Exemplaren bilden die überlassenen Exponate fast vollständig die Vielfalt der Geologie unserer Erde ab, wobei auch Gesteine aus dem Weltall das Gesamtbild abrunden. Im Laufe der nächsten Jahre sollen dann jedoch unter wechselnden Themenstellungen alle Mineralien und Gesteine vorgestellt werden. Sie betonte dabei auch die große Bedeutung, die diese Sammlung für einen aktiven Geologieunterricht an ihrer Schule haben wird.

Blick in zwei der Ausstellungsvitrinen

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten alle Teilnehmer in den beleuchteten Vitrinen die einmalig schöne Blaufärbung des Lapislazuli oder das Grün eines Dioptas bewundern. Ebenso funkelte z.B. Pyrit (Katzengold) und Korund (Rubin, Saphir). Viel Beachtung fanden auch die Ausstellungstücke der Edelsteine: der dunkelgrüne Smaragd aus Kolumbien und der hellblaue Aquamarin aus Brasilien. Im Gang vor dem Ausstellungsraum befanden sich vom derzeitigen Wahlkurs Geologie gestaltete Poster, auf denen z.B. der Kreislauf der Gesteine unter Einbeziehung von Exponaten aus der neuen Sammlung dargestellt wurde – ganz so, wie es sich Prof. Dr. Walter Schumann bei der Schenkung der Sammlung gewünscht hatte: eine Sammlung zum Anfassen und zur Einbeziehung in die Unterrichtspraxis.

Beispiel für die Arbeit mit der Sammlung: Ein Schüler aus dem Wahlkurs Geologie erläutert den Kreislauf der Gesteine mit Exponaten aus der neuen Sammlung

Bei Fragen zur Sammlung ist eine Kontaktaufnahme mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen möglich unter sekretariat@asg-er.de .

*)Literatur: Walter Schumann: Der große BLV Steine- und Mineralienführer: Das Standardwerk. 10. Aufl. 2016. BLV Buchverlag Gmbh & Co. München, 399 S. Hardcover, ISBN 978-3-8354-1594-2. € 24,99.


Volker Huntemann


JUGEND FORSCHT 2018

Der Veranstaltungsort des Bundesfinales, die Kongresshalle darstadtium

Erfolgreiche bayerische Teilnehmer bei Jugend forscht 2018

Bundesfinale des Wettbewerbs in Darmstadt – Chemie-Team aus Ingolstadt erhält Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit

Auch in diesem Jahr konnte die bayerische Erfolgsserie in diesem bekanntesten deutschen Schülerwettbewerb fortgesetzt werden: Mit zwei Bundessiegen und weiteren guten Platzierungen gehört Bayern weiterhin zu den äußerst erfolgreichen Bundesländern. Im 53. Jahr seines Bestehens konnte der Wettbewerb erneut eine sehr hohe Beteiligung mit 12.069 Anmeldungen verkünden. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, zeigte sich äußerst erfreut über die Tatsache, dass der Wettbewerb eine ungebrochene Anziehungskraft auf die Jugendlichen ausübt. „Mit ihrem Wissensdrang, ihrer Kreativität und viel Herzblut forschen sie an [...] Innovationen, die das Leben unserer Mitmenschen besser machen können. Das finde ich klasse und das kann uns alle mit Zuversicht in die Zukunft blicken lassen.“ Sie freute sich auch über den erneut hohen Anteil von Jungforscherinnen. In ihren Ausführungen bedankte sie sich bei den zahlreichen Lehrerinnen und Lehrern für das großartige Engagement an den Schulen.

Über die Regional- und Landeswettbewerbe hatten sich die Besten für das Bundesfinale in Darmstadt qualifiziert. 182 Jungforscher und -forscherinnen mit insgesamt 104 Projekten wollten die Bundessieger in den jeweiligen Fachsparten ermitteln. Das diesjährige Bundespatenunternehmen, die Firma Merck KGaA, sorgte dabei für ein abwechslungsreich und optimal gestaltetes Umfeld und Rahmenprogramm für alle Teilnehmer/innen. Dr. Stefan Oschmann, der Vorsitzende der Geschäftsleitung und CEO von Merck stellte in seinen Ausführungen heraus, dass seine Firma sich auf ein Festival der Forschung mit vielen talentierten Nachwuchswissenschaftlern gefreut hat. “Ihre Neugier möchten wir fördern, denn sie steht am Anfang bahnbrechender Technologien, die das Leben von Menschen verbessern.“

Die bayerischen Preisträger

Neutrinos gehören zu den sonderbarsten Elementarteilchen in der Physik, denn sie sind unvorstellbar leicht, extrem schnell und überaus flüchtig. Neutrinos rasen durchs All und ohne dass wir es merken, durchqueren Billiarden Neutrinos in einer Sekunde unseren Körper. Manche Forscher glauben sogar, dass es noch eine weitere Sorte dieser Teilchen geben muss – nämlich Neutrinos, die deutlich schwerer sind als die bisher bekannten. Diesen Sonderlingen gilt u.a. die Suche am CERN in Genf. Elisabeth Walter (Paul-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck) hat die Messdaten dieses Experiments am CERN genauer untersucht. Mittels einem selbst geschriebenen Analyseprogramms durchforstete sie die Daten des CERN nach Hinweisen auf die Existenz von schweren Neutrinos. Das Ergebnis ihrer Forschung: Bislang gibt es keine deutliche Spur, die Suche muss also fortgesetzt werden, aber die Spur wurde erfolgreich aufgenommen. Für diese Leistung erhielt sie den 5. Preis im Fachbereich Physik zuerkannt.

Für ihre Suche nach schweren Neutrinos ging Platz 5 in Physik an Elisabeth Walter

Lukas Rother (Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting) hatte sich im Bereich Geo- und Raumwissenschaften mit dem Thema „Simulation der Temperaturverhältnisse am Südpol des Mondes“ beschäftigt. Er ging von der Tatsache aus, dass in den Polregionen des Mondes an manchen Stellen Temperaturen von weit unterhalb von -200° C gemessen wurden. Das liegt daran, dass die betreffenden Orte wegen der Topographie des Erdtrabanten und des immer flachen Einfallswinkels des Sonnenlichts zu keinem Zeitpunkt beschienen werden. Außerdem besteht wegen der kaum vorhandenen Atmosphäre zusätzlich kein Schutz gegen die Abkühlung. Der Jungforscher simulierte auf der Basis der Strahlungsgesetze und mit Hilfe eines digitalen Geländemodells des Mondes die Oberflächentemperaturen in einem Areal nahe des Südpols. Die mäßige Präzision des Geländemodells und der erhebliche Rechenaufwand begrenzten dabei die Genauigkeiten seiner Simulation. Doch mit verbesserten Ausgangsdaten hat er Wege aufgezeigt, wie es künftig möglich sein könnte, die Temperaturen an verschiedenen Stellen des Mondes auf wenige Grad genau zu berechnen. Für seine Arbeit wurde er mit dem 4. Platz ausgezeichnet.

Den 4. Platz in Geo-und Raumwissenschaften belegte Lukas Rother

Eine Magnettafel mit Hunderten von Info-Plättchen – das wirkt unübersichtlich und passt nicht mehr angesichts der Digitalisierung in die heutige Zeit. Für ihre Ausbildungswerkstatt programmierten Simon Niedt de Matos, Philipp Hohner und Ogün Aksoy (Robert Bosch GmbH, Bamberg) den Total Organisation Manager (TOM). Ein großer Touchscreen ist das zentrale Bedienelement. Die Nutzer können sich über einen RFID-Kartenleser ausweisen, anmelden und weitere Registrierungen vornehmen. Die Software der Jungforscher hilft dabei, die täglichen Dienste zu organisieren, Reinigung und Wartung von Maschinen zu planen und die Belegung der Anlagen anzuzeigen. Außerdem bietet sie Informationen wie Sicherheitsunterweisungen, Telefonbuch oder Busfahrplan und unterstützt die Arbeitsplanung, Praktikantenbetreuung sowie Essensbestellung. Die drei Jungforscher erhielten für ihre Arbeit den 3. Platz im Bereich Arbeitswelt zuerkannt.

Der Total Organisation Manager von Simon Niedt de Mathos, Philipp Hohner und Ogün Aksoy bekam den 3. Platz im Bereich Arbeitswelt

Ebenfalls einen 3. Platz gab es für Elias Kohler (Vöhlin-Gymnasium Memmingen). Als er vor einiger Zeit bei einem Gesellschaftsspiel die Zeit mit einer Sanduhr stoppte, kam ihm plötzlich eine Frage in den Sinn: Gibt es eigentlich eine physikalische Formel, mit der sich die Geschwindigkeit des herabrinnenden Sandes präzise ausrechnen lässt? Doch die Antwort darauf gestaltete sich schwieriger als zunächst erwartet, denn es ist nicht allein die Größe der Engstelle zwischen den beiden Glaskolben, die den Durchfluss bestimmt. Wichtig ist dabei auch ein weiterer Effekt: Wenn sich der obere Kolben leert, entsteht dort allmählich ein Unterdruck, der den Sandfluss regelrecht bremst bzw. messbar verlangsamt. Mit einem speziellen Versuchsaufbau untersuchte der Jungforscher dieses Phänomen, um auf dieser Grundlage eine ausgefeilte Theorie zu entwickeln: eine physikalische Sanduhr-Formel. Der Titel seines Projekts lautet „Die Physik der Sanduhr“.

Elias Kohler wurde mit Platz 3 in Physik ausgezeichnet

Quadrokopter (zivile Minidrohnen mit vier Rotoren) sind mittlerweile so preiswert geworden, dass man sie sich als Spielzeug leisten kann. Doch für Jonathan Fulcher und Luis Kleinwort (Wirsberg-Gymnasium / Friedrich-Koenig-Gymnasium, Würzburg) sind die üblichen Fernbedienungen für die Geräte noch zu unhandlich. Das war für sie der Anlass, eine Alternative zu entwickeln. Die Basis dafür ist ein y-förmiger Holzstab, auf dem mehrere LEDs in einer Reihe befestigt sind. An Bord ihres selbst gebauten Quadrokopters platzierten sie zudem ein Smartphone mit Kamera, das mit einer selbst programmierten Bilderkennungssoftware ausgestattet wurde. Diese erkennt während des Flugs die LEDs auf dem Holzstab und richtet die Drohne danach aus. Dadurch können auch wenig geübte Piloten ganz einfach Flugmanöver ausführen, indem sie mit einer Hand den „Zauberstab“ hin- und herbewegen. Mit ihrer Arbeit „PointCopter - eine innovative Quadrokoptersteuerung“ belegten sie im Fachbereich Technik den 2. Platz.

Jonathan Fulcher und Luis Kleinwort belegten in Physik den 2. Platz mit ihrer innovativen Quadrokoptersteuerung

Die bayerischen Bundessieger

Auch der Bundessieg ging in diesem Fachbereich nach Bayern: Noah Dormann (Chiemgau-Gymnasium Traunstein) ist der Ansicht, dass Modellflugzeuge mit Gummiantrieb originelle Fluggeräte sind. Ein verdrehtes Gummiband treibt dabei den Propeller an und lässt den kleinen Flieger so erstaunlich lange durch die Lüfte schweben. Je dehnbarer das Gummiband ist, umso länger kann der Flug dauern. Der Jungforscher entwickelte eine ausgefeilte Prüfmaschine, um das optimale Material für diesen Gummimotor zu finden. Auf einem zwei Meter langen Schlitten sind Motoren befestigt, die ein Gummiband dehnen und gleichzeitig verdrehen können. Sensoren erfassen die hierbei wirkenden Kräfte und Drehmomente. Nach mehreren Testreihen kam der Jungforscher zu einem interessanten Ergebnis: Beim starken Auseinanderziehen des Gummis bilden sich Knoten, die die Messwerte signifikant beeinflussen. Bei seiner Arbeit „Materialprüfanlage für Elastomere“ überzeugte der Jungforscher die Jury besonders mit seiner systematischen Vorgehensweise und seinem beharrlichen Hinterfragen der bisher üblichen Messmethoden. Mit seinem Projekt bewies er ein sehr hohes Maß an Neugierde, Forschergeist und Freude am wissenschaftlichen Arbeiten. Ihm wurde der Bundessieg im Fachbereich Technik zuerkannt.

Bundessieger Noah Dormann (Technik) bei der Siegerehrung mit Preisverleiher Dieter Westerkamp und Moderatorin Corinna Lampadius

Moritz Hamberger (Katharinen-Gymnasium Ingolstadt) war bekannt, dass Mikroalgen wie Chlorella vulgaris in ihren Zellen energiehaltige Lipide produzieren. Doch wie erntet man die wertvollen Stoffwechselprodukte und wie kommt man vom Lipid zum allgemein nutzbaren Biodiesel? In seiner Forschungsarbeit “Energiegewinnung aus Chlorella vulgaris“ gelang es ihm, Antworten auzf diese Fragen zu finden. Er konstruierte und testete verschiedene Bioreaktoren, in denen Algen wachsen. Weiterhin erprobte er physikalische und chemische Verfahren, um die Stoffe aus den Zellen zu extrahieren und in Kraftstoff umzuwandeln. Auf Grund seiner Versuche ist der Jungforscher überzeugt, dass Chlorella vulgaris stabil kultiviert werden kann und in der Lage ist, im technischen Maßstab Rohstoffe für Biodiesel zu liefern. Voraussetzungen für rentable Produktionsprozesse sind jedoch das Vorhandensein von Sonnenlicht als Energiequelle, große Reaktoren und eine kontinuierliche Ernte der Lipide. Die Jury war beeindruckt, dass der Jungforscher die gesamte Prozesskette mit allen biologischen und chemischen Teilschritten unter Berücksichtigung der verfahrenstechnischen Aspekte durchdrungen hat. Er überzeugte sie mit seinem kritischen Blick auf die von ihm gewonnenen Ergebnisse und erschloss sich auch alternative Anwendungsmöglichkeiten für seine Produkte zum Beispiel in der Oleochemie. Sie erkannte ihm den Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit zu, der von der Bundesministerin für Bildung und Forschung gestiftet ist.

Der Bundessieger für die beste interdisziplinäre Arbeit Moritz Hamberger (Chemie) erläutert Besuchern an seinem Stand seine Forschungsergebnisse

Zukunftsperspektive

Der Vorsitzende des bpv, Michael Schwägerl, freut sich über die herausragenden Ergebnisse des Bundesentscheids in Darmstadt und gratuliert allen Preisträgern und Preisträgerinnen zu ihren Platzierungen. Gleichzeitig brachte er die Hoffnung auf ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden in den kommenden Jahren zum Ausdruck. Durch solch erfolgreiche Ergebnisse sieht er die Qualität des bayerischen Gymnasiums eindeutig bestätigt.

Das große Finale - alle Platzierten des Bundeswettbewerbs auf einen Blick

Anmeldungen zur Wettbewerbsrunde Jugend forscht 2018/19 (oder zu Schüler experimentieren) sind ab sofort möglich. Letzter Anmeldetermin ist der 30. November 2018; die Wettbewerbsarbeiten müssen dann spätestens Anfang Januar 2019 eingereicht werden. Nähere Informationen zum Bundesfinale 2018 und zur neuen Wettbewerbsrunde 2018/19 sind zu erhalten bei Stiftung Jugend forscht e.V., Baumwall 5, 20459 Hamburg, Tel. 040/374709-0, Mailanschrift info@jugend-forscht.de oder unter www.jugend-forscht.de.

Volker Huntemann

Die Landesfachgruppe Geographie 2017

Die Landesfachgruppe Geographie im bpv bei der Jahrestagung 2017 in Langenzenn (v.l.n.r.): Felix Weinrich (Unterfranken), Jochen Frickel (Oberfranken + Stellv. Landesvorsitzender), Volker Huntemann (ehem. Landesvorsitzender), Benjamin Schallenberger (München + neuer Landesvorsitzender), Carina Benning-Heufelder (neu, Oberbayern), Johannes Göller (ehem. Schwaben), Dr. Konrad Wieland (Kassenwart), Uschi Zitzelsberger (Vorsitzende im LV Bayern des VDSG); nicht im Bild: Alexander Wiebel (neu, Mittelfranken), Barbara Luff (neu, Schwaben); Oberpfalz: derzeit nicht besetzt.

Die Fachgruppe Geographie vertritt alle Philologen mit der Fakultas für Geographie an den bayerischen Gymnasien, FOS / BOS, Fachhochschulen und Universitäten. Es ist die satzungsmäßige Aufgabe der Landesfachgruppe Geographie, innerhalb des Bayerischen Philologenverbands zu allen fachlichen Themen (inhaltlich/methodisch) Stellung zu nehmen.

Die Landesfachgruppe Geographie nimmt im Auftrag des Vorstands des Bayerischen Philologenverbands im Rahmen der Mitarbeit im Bildungsbeirat zu aktuellen Themen Stellung. Sie hält engen Kontakt bzw. arbeitet in enger Kooperation zusammen mit einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen und Institutionen (z.B. Kultusministerium, ISB, Akademie für Lehrerbildung und Personalführung, Pädagogische Institute, geographische Institute der bayerischen Universitäten). Hinzu kommen intensive Kontakte zu anderen Einrichtungen wie z.B. zu Geographischen Gesellschaften, zum Geo-Zentrum an der KTB in Windischeschenbach, zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und dem Rieskrater-Museum in Nördlingen.

Vertreter der Fachgruppe Geographie arbeiten eng mit dem Verband Deutscher Schulgeographen (VDSG), Landesverband Bayern zusammen. Der Landesvorsitzende ist Beisitzer im Verband Deutscher Schulgeographen, LV Bayern, und gleichzeitig als Fachreferent für außerverbandliche geographische Schülerwettbewerbe im Vorstand des Verbands Deutscher Schulgeographen vertreten. Eine parallele Mitgliedschaft wird empfohlen. www.bayerische-schulgeographen.de

Unser derzeitig vorrangiges Anliegen ist das Bemühen, die durch die Einführung der neuen Lehrpläne zum G 8 entstandenen Lücken in den Jahrgangsstufen 6 und 9 möglichst umgehend wieder zu schließen und so einen durchgehenden Geographie-unterricht in allen Jahrgangsstufen zu erreichen. Es geht nicht an, dass an bayerischen Gymnasien der Geographieunterricht amputiert wird, während er in anderen Bundesländern (z.B. Schleswig-Holstein) ohne Unterbrechung durchgängig unterrichtet werden kann. Vor allem die Unterbrechung in Jahrgangsstufe 6 stellt eine enorme Belastung dar, weil diese Situation für ein Fach in der Unterstufe schlichtweg eine lernpsychologische Katastrophe ist. Dieser Umstand wird um so dramatischer, wenn man bedenkt, dass diese Situation bei einer geschickten Umverteilung der Stunden durchaus vermeidbar gewesen wäre.

Es muss unser erklärtes Ziel bleiben, zumindest die entstandene Lücke in Jahrgangsstufe 6 baldmöglichst wieder zu schließen!

IDEENBÖRSE GEOGRAPHIE 2018

Geographische Themen und Trends in Universität und Schule verknüpft

Lehrerfortbildung Ideenbörse Geographie an der Universität Erlangen – Austausch zwischen Schulpraxis und der wissenschaftlichen Forschung

Bereits zum fünfzehnten Mal fand die durch das Geographische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) organisierte Fortbildungsveranstaltung „Ideenbörse Geographie“ für Gymnasium und Realschule in Erlangen statt. Wieder nutzten rund 100 Kolleginnen und Kollegen aus dem nordbayerischen Raum die Veranstaltung, um sich neue fachwissenschaftliche, fachmethodische und fachdidaktische Anregungen zu holen. Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der „Alten Mathematik“ in der Bimarckstraße in Erlangen zu Gast.

Blick in den Hörsaal bei der Begrüßung

Einführung durch Prof. Dr. Perdita Pohle

In ihrer Begrüßungsansprache bedankte sich Prof. Dr. Perdita Pohle (Universität Erlangen) bei Johann van Soeren und Alexander Wiebel (bpv), sowie Volker Huntemann für die intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Prof. Pohle verwies auf die Wichtigkeit des Austausches zwischen Universität und Schule. Die Ideenbörse für Lehrkräfte bildet hierbei eine Schnittstelle und sorgt durch ihren Charakter und Inhalt dafür, dass an den Schulen neue Impulse ankommen. Im Gegenzug können die Lehrer Rückmeldungen aus den Lehranstalten an die Universität geben.

In ihrem Bericht über die aktuellen Themen am Geographischen Institut stellte sie Eine kurze Übersicht über die Arbeitsgruppen am Institut für Geographie, aufgeteilt in die physische und die Kulturgeographie und stellte deren Leiter vor. Die AGs der physischen Geographie werden von

Prof. Dr. Rupert Bäumler (AG Boden), Prof. Dr. Achim Bräuning (AG Biogeographie und Dendrowissenschaften), Prof. Dr. Thomas Mölg (AG Klimatologie) und von Prof. Dr. Matthias Braun (AG Fernerkundung-GIS) geleitet. Auf Seiten der Kulturgeographie sind die Leiter Prof. Dr. Tobias Chilla (AG Regionalentwicklung), Prof. Dr. Georg Glasze (AG Kulturelle, Politische und Digitale Geographien), Prof. Dr. Fred Krüger (AG Routines and Ruptures in Cultures and Cities) und Prof. Dr. Perdita Pohle (AG Entwicklungsforschung: Rural Change & Development)

Seit fünf Jahren befindet sich das geographische Institut am Standort Tennenlohe (Wetterkreuz 15), damals mit einer zeitlichen Perspektive für einen erneuten Umzug versehen. AB 2020 soll nun das Siemensgebäude an der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen, der so genannte „Himbeerpalast“, an die FAU gehen, bis 2024 umgebaut und durch Philosophische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität genutzt werden.

Frau Prof. Pohle berichtete mit großer Freude, dass die Geographie an der FAU eine der Stellen aus dem „Tenure-Track-Programm“ bekommen soll, die bereits ausgeschrieben ist. Dieses Programm wurde 2016 vom Bund und den Ländern als Mittel zur Exzellenzförderung beschlossen.

Die neuen Homepages der Fachschaft Geographie (https://www.geographie.nat.fau.de/) und der Didaktik der Geographie (https://www.geodidaktik.phil.fau.de/) haben ein ansprechendes Erscheinungsbild und laden die Besucher zum Stöbern ein.

Die Zahl der Studierenden am Institut für Geographie lag im Wintersemester 2018 bei 1151, wobei die Zahl der Lehramtsstudierenden leicht überwiegt.

Auch in diesem Jahr verwies Frau Prof. Pohle wieder auf das Angebot des Instituts an Lehrerinnen und Lehrer, wie Kooperationen bei der Durchführung von W- und P-Seminaren, die Gestaltung von Bibliotheksführungen zur Einführung in die Recherchearbeit, die Möglichkeit zum Besuch von einzelnen Vorlesungen durch Schulklassen/Kursgruppen. Außerdem besteht die Möglichkeit zum Besuch von Veranstaltungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (FGG) durch Schulklassen/Kursgruppen. Die Vorträge und Exkursionen der FGG sind auch anerkannte Fortbildungsveranstaltungen. In Kooperation mit der VHS Erlangen steht auch das geographische Café“ für Interessierte offen. Für die beiden letztgenannten Angebote ist eine vorherige Anmeldung über das Sekretariat des Instituts unter 09131/8522633 unbedingt erforderlich.

Am Schluss ihrer Ausführungen wies Prof. Pohle noch auf die Schriftenreihe Erlanger Skripte zum Geographie-Studium (ESGEO) hin, die auch für den Einsatz an Schulen geeignet sind, vor allem:
- ESGEO 1: Wissenschaftliches Arbeiten: Recherchieren, Produzieren, Präsentieren.
- ESGEO 4: Kulturgeographisches Geländepraktikum.
Diese sind sowohl als PDF verfügbar oder können zum Preis von € 4,00 beim Institut erworben werden.

Wie in den zurückliegenden Jahren war die Ideenbörse so strukturiert, dass je zur Hälfte Fachvertreter der Universität ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellten, und Schulpraktiker Anregungen zu erfolgreich erprobten Unterrichtsprojekten gaben. Die Bandbreite der Workshops reichte, unter anderem, von der Vorstellung eines W-Seminars zum Klimawandel vor der Haustür über Anmerkungen zum Thema Kolonialgeographie und die Herkunft von Lebensmitteln als Qualitätsindikator bis hin zu neuen Unterrichtsthemen im Lehrplan Plus der 7. Klasse. So konnte eine breite Vielfalt an interessanten Themen abgedeckt werden. Nach der Tagungspause wiederholten sich die 45minütigen Workshops in den zwei Schienen, so dass zwei weitere Themenbereiche besucht werden konnten. Am Ende wurde den Teilnehmern angekündigt, dass alle Präsentationen der Workshops den Teilnehmern online zugänglich gemacht werden. Alle Anwesenden können so die Inhalte der Workshops noch einmal rekapitulieren.


Die Workshops im Einzelnen:

Sebastian Brumann, Ulrike Ohl und Carolin Schackert: Den Klimawandel vor der eigenen Haustür erforschen – Ideen für ein W-Seminar

In dem Workshop wurde ein W-Seminar-Projekt des Lehrstuhls für Didaktik der Geographie der Uni Augsburg vorgestellt, das interessierte Kolleginnen und Kollegen ab dem Schuljahr 2019/20 mit ihren eigenen Schülerinnen und Schülern selbst durchführen können. Lernende untersuchen in diesem W-Seminar mit human- und physisch-geographischen Arbeitsweisen den Klimawandel vor ihrer eigenen Haustür im Sinne des forschenden Lernens. Das geschieht, nachdem sich die Schüler und Schülerinnen anhand interaktiver Online-Lernmodule in fachlicher Hinsicht vertiefend mit den regionalen Wirkungen des Klimawandels beschäftigt haben. Diese Lernmodule werfen zugleich Ideen für eigene Untersuchungen auf und stellen passende Forschungsmethoden vor. Jede/r Schüler/in findet und bearbeitet eine individuelle Fragestellung und gelangt zu eigenen Erkenntnissen, die er dann in einem Vortrag und in seiner Seminararbeit präsentiert. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler einen aktiven Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung leisten. Sie werden in diesem Seminar sehr lebensweltnah für die regionalen Implikationen des Klimawandels sensibilisiert und können vor diesem Hintergrund mögliche Lösungsansätze differenzierter einschätzen. Zudem erlangen sie wissenschaftspropädeutische Kompetenzen. Das W-Seminar ist ein Baustein im Bayerischen Netzwerk für Klimaforschung „bayklif“ und dort verortet im interdisziplinären Verbundprojekt „BAYSICS“. Lehrkräfte, die das Seminar an ihrer Schule anbieten möchten, sind herzlich willkommen und können sich sehr gerne melden unter sebastian.brumann@geo.uni-augsburg.de. “

Prof. Dr. Ulrike Ohl bei ihren Ausführungen zum W-Seminar Klimawandel


Johan van Soeren: Kolonialgeschichte und -geographie: Anmerkungen und Materialien zu einem (fast) vergessenen Thema im Geo-Unterricht

Den Teilnehmern des Workshops standen Materialien zu drei gehaltenen W-Seminaren (Thema: Afrika) und Unterlagen zu dieser Thematik in der 8. Jahrgangsstufe. zur Verfügung. Diskutiert wurden moderne geographische Fragestellungen wie Globalisierung, Neo-Kolonialismus und Tribalismus und deren historische Herleitungen im 19. und 20. Jahrhundert. Im Fokus stand dabei die hervorragende filmische Dokumentation "Schatten über dem Kongo", wobei hier Visualisierungen zum Thema "Kolonialismus" exemplarisch aufgezeigt wurden(Karikaturen, Bilder, weitere Film-beispiele). Eine ausführliche Literatur-Liste rundete den Workshop ab.

Kolonialgeographie und -geschichte war das Thema des von Johan van Soeren geleiteten Workshops


Dr. Steffen Höhnle/Tobias Kreuzinger: Nachhaltigleitsapps auf dem Smartphone

Im Workshop zu sogenannten Nachhaltigkeitsapps widmeten sich die Lehrkräfte der Frage, wie mit den Schülern mit diesen Apps im Unterricht gearbeitet werden kann. Prinzipiell haben derartige Apps das Potenzial bei Produkten, deren Konsum nichtnachhaltige Entwicklungen begünstigt, als Orientierungshilfe beim Einkauf zu dienen, evtl. Barrieren bei der Entwicklung von Handlungsbereitschaft in nachhaltigkeitsbezogenen Kontexten abzubauen und dabei an der Mediennutzungskultur der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen. Inwieweit sie diese Orientierungshilfe tatsächlich fundiert leisten, ist eine andere Frage, der man sich im Rahmen des Unterrichts kritisch-reflexiv widmen kann.
Im Beitrag erfolgte eine Einführung in den Themenbereich und eine Vorstellung verschiedener derartiger Apps, ehe anhand eines Unterrichtsvorschlags mögliche Umsetzungen im Unterricht thematisiert wurden.

Karola Schober: Herkunft als Qualitätsindikator von Lebensmitteln

Ziel des Workshops war, das Bewusstsein dafür zu steigern, dass verlässliche Informationen bzw. Entscheidungsgrundlagen beim Lebensmittelkauf wichtig sind. Denn dem Verbraucher kommt bei der Qualitätsbeurteilung eine immer wichtigere Rolle zu. Lebensmittel mit verlässlicher Herkunftsangabe stehen vor dem Hintergrund internationaler Warenströme und Lebensmittelskandalen für viele Verbraucherinnen und Verbraucher für Nachvollziehbarkeit und Sicherheit. Die Herkunft hat als Teil von Lebensmittelqualität also in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. In diesem Beitrag wurden die bayerischen Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramme „Geprüfte Qualität – Bayern“, „Bayerisches Bio-Siegel“ sowie das europäische Herkunftsschutzsystem mit den Labels „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und „geschützte geographische Angabe“ vorgestellt und diskutiert.

Karola Schober ging in ihrem Workshop auf die Herkunft der Lebensmittel ein


Dr. Jussi Grießinger: Google Earth, Digitale Karten und Geographie – geographische Formen und Prozesse anschaulich visualisieren und erklären

Das Arbeiten mit Karten und den daraus zu gewinnende Informationen ist eine wesentliche Arbeitstechnik in der Schul-Geographie. Gerade die Betrachtung und Interpretation von Karten und/oder Luft- und Satellitenbildern erleichtert das Verständnis zur Verbreitung und Entstehung von Landformen sowie zu den generellen räumlichen Zusammenhängen in der Physischen und Humangeographie immens. Das stetig zunehmende Angebot an web-basierten Karten und frei zugänglichen (multitemporalen) Satellitenbildern wird dabei ein immer wichtigeres Hilfsmittel, um z.B. durch Höhenlinien nur zweidimensional im Kartenbild darstellbare Landformen dreidimensional - und damit wie in der realen Landschaft sichtbar - darzustellen. Aufgrund der Möglichkeiten von z.B. Google Earth, alle Weltregionen in verschiedenen Maßstäben zu betrachten sind die daraus resultierenden Möglichkeiten zur Anwendung im Geographie-Unterricht in den einzelnen Jahrgangsstufen sehr groß und variabel. So kann neben der Betrachtung großräumiger Landschaftsformen wie Küsten oder Schichtstufen auch ein Vorher/Nachher-Vergleich von Regionen erfolgen, die durch Erdbeben, Vulkanaus-brüche oder Tropenstürme beeinflusst wurden. Darüber hinaus lassen sich aber auch zahlreiche raum-zeitliche Prozesse wie z.B. die rasante Verstädterung und der daraus resultierende Landverlust in Entwicklungsländern durch das Betrachten multitemporaler Satellitenbilder anschaulich aufzeigen. Im Rahmen dieses Workshops wurden hier-zu mehrere Beispiele aus verschiedenen Regionen der Erde vorgestellt. Die inhaltliche Ausrichtung des Workshops fokussierte dabei auf folgende Themen:

1. Welche Quellen für frei zugänglich Digitale Karten und Luft- bzw. Satellitenbilder gibt es? Wie kann ich diese nutzen und welche Vorteile habe ich hier im Vergleich zur Nutzung analoger Karten? Darauf aufbauend werden
2. Fallbeispiele zur Visualisierung und Erklärung typischer Landformen in der Geo-morphologie und
3. Fallbeispiele zur Visualisierung anthropogen gesteuerter Prozesse und daraus abgeleitete räumliche Veränderung vorgestellt.

Dr. Jussi Grießinger bei seinen Ausführungen zu Google Earth


Alexander Wiebel/Dr. Timo Hetzer: Modelle im Geographieunterricht: Theoretische Überlegungen und Erfahrungen aus einem P-Seminar

Modelle sind in der Alltagswelt in Architektur, Stadtplanung, Umwelterziehung und Schule unverzichtbar. Sie können Abläufe veranschaulichen und einen umfassenden Überblick über Gegebenheiten verschaffen.
Im schulischen Kontext werden Modelle z.B. für die glaziale Formung des Alpenvorlandes oder die Entstehung der fränkischen Schichtstufenlandschaft herangezogen. Der Einsatz von Modellen kann es Schülern erleichtern komplexe Sachverhalte zu verstehen und damit leichter zu lernen.

Im Workshop wurde zunächst ein kurzer theoretischer Überblick über verschiedene Modelle gegeben und verschiedene Beispiele für umgesetzte Modelle vom Sandkasten bis zu einem schüleraktivierenden Stadtmodell gezeigt. Abschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit ein erfolgreiches Beispiel aus einer P-Seminararbeit auszuprobieren und die anderen mitgebrachten Modelle genauer in Augenschein zu nehmen.

Alexander Wiebel und Dr. Timo Hetzer mit einem Teil der von ihnen vorgestellten Unterrichtsmodelle


Volker Huntemann: Neue Aspekte im LehrplanPlus Geographie Jahrgangsstufe 7

Im Schuljahr 2019/2020 wird in der Jahrgangsstufe 7 der LehrplanPlus neu eingeführt werden. Das Jahresthema „Europa“ ist gleich geblieben – doch ansonsten haben sich eine ganze Reihe von Änderungen ergeben: Dieses betrifft sowohl die Struktur der einzelnen Themenbereiche als auch die Schwerpunktsetzung bei den einzelnen Themen. Zudem ist es wichtig, auf fundamentale Auswirkungen der neuen Stundentafel auf das Fach Geographie einzugehen (ohne Diskussion!). In dem Workshop wurden nach einem kurzen Überblick über die strukturellen Änderungen im neuen LernplanPlus vor allem einige konkrete Unterrichtsbeispiele gegeben, bei denen natürlich auch auf die im Lehrplan verlangten Kompetenzerwartungen eingegangen wurde. In Vorschlägen konnten insbesondere die unterrichtlichen Umsetzungsmöglichkeiten folgender Themen kurz skizziert werden:- Lernbereich „Naturgeographie Europas ...“: Wir führen eine virtuelle Vulkanexkursion durch (einschließlich ergänzender Unterrichtsanregungen durch Einbeziehung von Gesteinsproben vulkanischer Auswürfe)

- Lernbereich „Metropolen und Verdichtungsräume in Europa“: Die Metropole Wien als Wirtschaftsstandort
- Lernbereich „Ländliche Räume in Europa“: Litauen
- ländliche Räume voller GegensätzeDen Abschluss des Workshops bildete ein reger Gedankenaustausch zu weiteren Umsetzungs-möglichkeiten bei den bestehenden neuen Lehrplanvorgaben.

In der Abschlussbesprechung wurde das Eingehen auf aktuelle geographische aber auch unterrichtspraktische Themen besonders lobend hervorgehoben. Dieses Verfahren soll auch in den kommenden Jahren entsprechend gehandhabt werden. Themenvorschläge aus dem Auditorium für die nächste Ideenbörse betrafen Urban Farming, Bilingualen Geographieunterricht, Plastikmüll und die Erschließung der Polargebiete, ebenso wie den Standortfaktor digitale Infrastruktur.


Die nächste Ideenbörse ist für Freitag, 11. Oktober 2019 vorgesehen.
Diesen Termin sollte man sich schon heute vormerken!

Als Abschluss der Ideenbörse 2018 dankte OStR Alexander Wiebel (Bezirksfachgruppe Geographie im bpv) Frau Prof. Dr. Perdita Pohle und Frau Sabine Donner für die umfangreichen Arbeiten bei der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltung und überreichte beiden Organisatorinnen jeweils einen Blumenstrauß.

Als Dank für die erneut perfekte Organisation erhielten Prof. Dr. Perdita Pohle (l.) und Sabine Donner (r.) von Alexander Wiebel einen Blumenstrauß


Text: A. Wiebel; Fotos: V. Huntemann

IDEENBÖRSE GEOGRAPHIE 2017

Geographie: Aktuelle Themen und Trends bei Lehrerfortbildung „Ideenbörse Geographie“ an der Universität Erlangen – Anregungen aus der Schulpraxis und der wissenschaftlichen Forschung

Bereits zum vierzehnten Mal fand Mitte Oktober 2017 die durch das Geographische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) organisierte Fortbildungsveranstaltung „Ideenbörse Geographie“ für Gymnasium und Realschule in Erlangen statt. Etwa 100 Kolleginnen und Kollegen aus dem nordbayerischen Raum nutzten die Veranstaltung, um sich neue fachwissenschaftliche, fachmethodische und fachdidaktische Anregungen zu holen. Die nächste Ideenbörse findet am 12. Oktober 2018 statt.

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10 JAHRE DLR_SCHOOL_LAB OBERPFAFFENHOFEN

Schüler und Schülerinnen aus Langenzenn bearbeiten Satellitenbilder zum Thema "Naturgewalten"


Motto „Raus aus der Schule – rein ins Labor!“ - Spezielles Angebot: Seminar_Day

Der Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren wird schon seit Längerem als „MINT-Lücke“ bezeichnet. Derzeit fehlen über 100.000 derartige Fachleute, wobei der Mangel noch größer werden wird, denn bis zum Jahr 2020 wird mit einem Defizit von über 400.000 qualifizierten Kräften gerechnet. Der aus dieser Situation entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird mit jährlich mehr als 1 Milliarde Euro beziffert. Als Konsequenz aus dieser Situation sind seit Anfang des Jahres 2000 zahlreiche Schul- oder Schülerlabore entstanden, deren erklärtes Ziel es ist, die Schülerinnen und Schüler für Themen der Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Die Frage „Was sind Schülerlabore?“ wird auf der Homepage des Bundesverbands der Schülerlabore LeLa e.V. (www.lernort-labor.de ) wie folgt beantwortet:

„Der Begriff „Schülerlabor“ (Synonym: „Lernlabor“, „Mitmachlabor“) bezeichnet einen Lernort, in dem Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen beim selbständigen Experimentieren und Forschen machen. Da sie im Allgemeinen keine Einrichtungen der Schulen sind, werden sie zu den außerschulischen Lernorten gezählt. Die oft vorhandene Anbindung an Forschungseinrichtungen oder Industriebetriebe macht die Schülerlabore zu sehr authentischen Lernorten, die den Schülerinnen und Schüler[n] auch Einblick in unterschiedliche Berufsfelder erlaubt. [...]“

Einige Teilnehmer an der Festverstaltung besuchen die arbeitenden Schüler und Schülerinnen im School_Lab (rechts: Mdgt Walter Gremm und MR Dieter Götzl aus dem KM)


Schwerpunkte des School_Lab

Im DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen, das im Jahr 2003 seinen Betrieb aufnahm, werden Schülerinnen und Schüler altersgerecht (ab Jahrgangsstufe 8) an ausgewählte Themen wie „Wetter und Klima“, „Infrarot- und Radarmesstechnik“, „Raketen und Satelliten“, „Umweltfernerkundung“ und „Tunnelbohrmaschine“ herangeführt. Unter fachkundiger Anleitung von Studentinnen und Studenten der Natur- und Ingenieurswissenschaften (hinter denen ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt -DLR- steht) experimentieren die Schülerinnen und Schüler eigenständig in echter Labor-Atmosphäre.

Bei den einzelnen Experimenten stellt das DLR den jungen Forschern dabei sein Know-how und viele Technologien zur Verfügung: Sensoren, Roboter, das Satellitenarchiv, einen Profi-Arbeitsplatz für Meteorologen und vieles andere mehr gemäß dem Motto: „Nur wer selber forscht, erlebt wie faszinierend die Welt der Wissenschaft und Forschung ist!“

Doch zurück zur Alltagssituation: Für das alltägliche Leben sind Erkenntnisse aus der Forschung und technische Innovationen von überragender Bedeutung. Aus diesem Grunde werden Umwelt und Atmosphäre überwacht und erforscht, neue Navigationssysteme werden entwickelt. Doch da sind die wichtigen Fragen: Wie sieht der Alltag der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus? Keine dieser Fragen bleibt beim Besuch des DLR_School_Lab offen, denn alles wird klar angesprochen.

Das W-Seminar "Naturgewalten und Katastrophenmanagement" im Eingangsbereich des DLR Empfangsgebäudes in Oberpfaffenhofen


Seminar_Day – schulischer Ast des DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen

Nach der Einführung der beiden Seminarfächer in der neuen gymnasialen Oberstufe des Gymnasiums wurde das DLR_School_Lab vor eine neue Herausforderung gestellt: Da es sich sowieso schon schwerpunktmäßig der Oberstufe gewidmet hatte, mussten keine fundamentalen Änderungen vorgenommen werden, denn ein P- oder W-Seminar mit Leitfach Physik unterscheidet sich zwar einerseits maßgeblich von einem Leistungskurs in Physik, ist aber andererseits unter Umständen viel näher an den Forschungsinhalten des DLR orientiert. Aus diesem Grunde wurde speziell das Konzept des Seminar_Lab entwickelt. Seminare, die sich mit Themen des DLR beschäftigen, können bei einem Besuch im Seminar_Lab wichtige Anregungen für ihre Arbeiten erhalten. Dies kann sowohl durch Fachvorträge als auch durch die Durchführung von speziellen Experimenten im DLR_School_Lab erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler haben in den studentischen Betreuern kompetente Ansprechpartner für Fragen zu ihren Seminarthemen. Zu Beginn des Seminars sollte ein Besuch als „Teaser“ oder fachlicher Input erfolgen. Ein weiterer Besuch (fortgeschrittenes Seminarstadium) ermöglicht Zwischenstandspräsentation vor einem ausgewählten Fachpublikum. Durch ein entsprechend qualifiziertes Feedback können die Schülerinnen und Schüler noch bestehende Schwächen in ihrer Seminararbeit rechtzeitig erkennen.

Arbeit am Flugsimulator: Auch ein Lehrer darf einmal abheben


Anlässlich des 10jährigen Bestehens des DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen fand eine Festveranstaltung statt, zu Dr. Dieter Hausamann, der Leiter des Schülerlabors, zahlreiche geladene Gäste begrüßen konnte. Nach einem Rückblick auf 10 Jahre DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen wurden u.a. auch „Bewegte Bilder“ aus diesem Zeitraum gezeigt. Danach erfolgte ein Vortrag zum Thema „Raumfahrt-Robotik in Oberpfaffenhofen“. Bei der freien Besichtigung aller Einrichtungen des DLR_School_Lab hatten die Festgäste die Möglichkeit, Schülerinnen und Schülern bei ihrer Arbeit an den einzelnen Experimenten über die Schulter zu schauen. Es handelte sich dabei um die Teilnehmer am W-Seminar „Naturgewalten und Katastrophenmanagement“ unter der Leitung von StD Volker Huntemann vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium aus dem mittelfränkischen Langenzenn. Einer der Festgäste war der Leiter der Gymnasialabteilung im Kultusministerium, Mdgt Walter Gremm. Er zeigte sich tief beeindruckt sowohl von den umfangreichen Möglichkeiten dieses außerschulischen Lernorts als auch von dem Engagement und der großen Begeisterung, mit der die anwesenden Schülerinnen und Schüler die ihnen in den einzelnen Modulen gestellten Aufgaben lösten. Abgerundet wurde der Festtag durch den Kolloquiumsvortrag „10 Jahre DSL-OP“.

Viele zusätzliche Informationen sind unter www.schollab.dlr → Oberpfaffenhofen erhältlich.

Volker Huntemann

GRANDE TRAVERSATA DELLE ALPI

Wanderführer für den faszinierenden Weg Grande Traversata delle Alpi im Piemont

Werner Bätzing, Grande Traversata delle Alpi. Zürich 2016, Rotpunktverlag, Klappenbroschur, Band 1 + 2, 304 +296 Seiten, € 49,00, ISBN: 978-3-85869-682-3.

Die Grande Traversata delle Alpi (GTA) ist einer der beliebtesten Weitwanderwege der Alpen. Er führt von der Südgrenze der Schweiz (Wallis) in 68 Tagesetappen quer durch die Täler der piemontesischen Alpen bis ans Mittelmeer in der Nähe von Ventimiglia. Stets verläuft die Route auf alten Wegen. Man übernachtet nicht wie bei den üblichen Weitwanderwegen in den Alpenvereinshütten odgl., sondern hier gibt es die sogenannten Posti tappa, die von Einheimischen geführt werden. Als vor über 35 Jahren dieses Wanderbuch erstmals erschien, konnte der ausgewiesene Alpenkenner Werner Bätzing nicht ahnen, dass es zu einem echten Klassiker avancieren würde. Vor uns liegt nun die 7. Auflage, die komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht wurde. In den beiden Büchern (Teil 1: Der Norden – vom Wallis ins Susa-Tal, Teil 2: Der Süden – vom Susa-Tal ans Mittelmeer; die Teilbände können auch einzeln erworben werden) beschreibt der Autor den Wegverlauf in genauer Weise und bietet alle Informationen, die Wanderer auf der GTA benötigen. Darüber hinaus wird ein umfassendes Hintergrundwissen über die durchwanderten Regionen vermittelt. Hier merkt man Werner Bätzings Liebe zum Detail, die ihn als weltweit anerkannter Alpenforscher auszeichnet. Er gibt aber auch sachlich formulierete Hinweise zum angemessenen Verhalten vor Ort. Zwischen die einzelnen Etappenbeschreibungen sind immer wieder geographische Miniaturen (z.B. Walser, Sacri Monti, Waldenser, Bund von Briancon) wohl dosiert eingestreut.

Im Band 1 (Der Norden) beschreibt Werner Bätzing u.a., wie man in sieben Tagen vom Anzasca-Tal über sieben Pässe ins Sesia-Tal gelangt. Auch gibt er nähere Informationen über die Kleinstadt Varallo. Ein großartiges Naturerlebnis beschreibt er in der acht Tage dauernden Tour vom Aosta-Tal durch den Nationalpark Gran Paradiso ins Locana-Tal. Ganz nebenbei erfährt man auch die historischen Gründe für die nahezu komplette Entvölkerung einiger der zu durchwandernden Regionen (z.B. Grajische Alpen). Es werden Informationen gegeben über einst basisdemokratisch organisierte Bauernrepubliken, aber auch über sprachliche Minderheiten in diesen Regionen. In den mehr als 35 Jahren der GTA sind nirgendwo Investitionen von Fremdkapital zu verzeichnen gewesen, weshalb die angebotenen Unterkünfte eher bescheiden geblieben sind. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein trotz der Impulse, die der Wandertourismus in dieses alpine Landschaft gebracht hat.

Gleich am Anfang von Band 2 (Der Süden) wird bei der Durchquerung der Waldensertäler auf den Weinbau im oberen Susa-Tal eingegangen. Abwechseln und spannend, wie beide Bände geschrieben sind, lässt der Autor auch Informationen in Form von Gesprächen mit Bergbauern (z.B. „So haben wir gelebt ...“) einfließen. Wenn es durch die einsamen Seealpen geht, erfährt der Wanderer akribisch recherchierte Informationen zu Militärforts und Militärstraßen in den einsamen Seealpen. Neben dem großartigen Naturerlebnis der Alpen erfährt der Wanderer viel über die Geologie und die Flora der einzelnen Regionen, aber auch über traditionelle Wirtschaftsformen, die heutige Sozialstruktur und über diverse kulturelle Formen, die sich in den isolierten Tälern teilweise auch heute noch erhalten haben.

Beide Bände werden jeweils eingeführt durch auf die betreffende Wanderregion zugeschnitte Informationen über Natur, Geschichte, Kultur und Politik. Am Ende jedes Bandes befinden sich wertvolle praktische Hinweise für den Wanderer (angefangen mit sehr genauen und reich bebilderten Wegbeschreibungen über An- und Abreise mit öffentlichen Verekehrsmitteln bis hin zur Erreichbarkeit der GTA-Etappen). Bei der Beschreibung der Einzeletappen sind besonders wichtig genaue Informationen über die bevorstehende Höhendifferenz, die Markierung und die zu erwartende Gehzeit.Trotz einer gelegentlich auftretenden trocken-sachlichen Fachsprache ist es Werner Bätzing gelungen, den Wanderer auf den unausgetretenen Pfaden des Sanften Tourismus durch ein Gebiet zu leiten, das fernab von einer touristischen Übererschließung liegt. Die zum Erwandern derartiger Regionen notwendigen Tipps und Informationen werden vom Autor kurz aber genau gegeben. Allein das Lesen dieses Werks ist ein Genuss – und dann erst die Begehung. Der GTA-Wandereführer von Werner Bätzing kann nur wärmstens empfohlen werden.


Volker Huntemann

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INNERER BAYERISCHER WALD

Ulrich Hauner, Innerer Bayerischer Wald – Hoher Bogen, Lamer Winkel, Arber-Kaitersberg, Nationalpark und Dreisessel. Wanderungen in die Erdgeschichte (31). München 2015, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Paperback, 168 Seiten, € 25,00, ISBN: 978-3-89937-174-1.

Wer einmal dass Glück hatte, an einer der von Ulrich Hauner fundiert und äußerst sorgfältig vorbereiteten Exkursionen teilzunehmen, dem ist klar, dass er von dieser Publikation gleiches erwarten darf. Und in der Tat, dem ist auch so. Wegen des enormen inhaltlichen Umfangs musste die Publikation in zwei Bände aufgeteilt werden. Vor uns liegt nun der geographisch genau umrissene erste Band mit 233 (!) Farb- und 12 Schwarzweißabbildungen, 3 Tabellen, 15 geologischen Routenkarten sowie 1 topographischen und 1 geologischen Übersichtskarte. Ziele sind jedes Mal attraktive Schauplätze der Natur, die oft Blicke untertage gewähren und die sich beschäftigen mit den geologisch, glazialmorphologisch und mineralogisch sehenswerten Schlüsselstellen im Gelände, die erheblichen Wert für Wissenschaft und Forschung und Lehre sowie für die Natur- und Heimatkunde besitzen. Dem Autor ist es dabei gelungen, viele der durch das Bayerische Landesamt für Umwelt erfassten Geotope des Bayerischen Waldes in sein Exkursionsprogramm einzubinden.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der Leser zunächst einmal mit dem Naturraum des Bayerischen Waldes und mit den Gesteinen des unmittelbaren Exkursionsgebiets vertraut gemacht werden soll. Sehr hilfreich sind bei letzterem Aspekt zahlreiche und qualitativ äußerst hochwertige Fotos von den wichtigsten raumprägenden Gesteinsarten. Damit wird es möglich, dass einem mit den räumlichen Verhältnissen nicht sehr intensiv vertrauten Benutzer die Exkursionen besser verständlich werden.

Insgesamt werden in dem geologischen Exkursionsführer 15 Routenvorschläge angeboten. Sie decken eine große Vielfalt an Themen ab und reichen von „Rund um den Hohen Bogen“ im Norden über „Bodenschätze im Silberberg und der mineralreichste Pegmatit im Bayerischen Wald“ bis hin zu einer längeren Tour „Vom Nationalpark zum Dreisessel“ im südlichsten Teil des Exkursionsgebietes. Allein fünf Wanderungen werden für das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald vorgeschlagen, der nahtlos jenseits der Landesgrenze in den Nationalpark Sumava übergeht. Doch geht es thematisch nicht nur um Bergbau und Gesteine, sondern es wird auch auf andere relevante Themen eingegangen, so z.B. „Auf den Spuren der Eiszeiten am Arber“, „Schachten, Filze und Moränen – eine Fahrradexkursion bei Frauenau“ sowie „Gletscherspuren am Rachel“. Die Texte zu allen Routen haben zahlreiche begleitende Abbildungen. Die geologischen Ausschnittkarten und Skizzen sind stets unmittelbar auf den jeweiligen Exkursionspunkt bezogen, so dass der Benutzer an Ort und Stelle die geologischen Fakten und die naturräumlichen Zusammenhänge bestens nachvollziehen kann.

Viele der angeschnittenen Exkursionsthemen können direkt oder indirekt im Geographieunterricht an den Schulen Berücksichtigung finden. Der Autor weist zurecht darauf hin, dass teure Exkursionsziele wie Kalifornien und die Anden getrost durch eine Fahrt um den Hohen Bogen ersetzt werden können, wenn Themen wie Plattenverschiebung, Schwächezonen in der Erdkruste oder Subduktion ozeanischer Kruste unter kontinentale Kruste im modernen Geographieunterricht behandelt werden sollen.

Die vorliegende Publikation bringt dem naturkundlich orientierten Leser als auch dem fachlich interessierten Wanderer besondere Exkursionsstrecken durch den Bayerischen Wald nahe. Sie sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein und wird zur Anschaffung sehr empfohlen. Bereits heute dürfen wir uns auf den Folgeband von Ulrich Hauner mit dem Titel „Bayerischer Wald vom Pfahl bis zur Donau“ freuen.

Volker Huntemann

Erste Begegnungen mit geographischen Themen

Scorza, Cecilia: Sonne, Mond & Sterne. Reihe: Projektarbeit mit Kindern. Ideen für die Kita-Praxis. 32 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2013. ISBN: 978-3-589-24789-9. € 9,95.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“

Projektarbeit ist ein wichtiges Element in der pädagogischen Arbeit aller Altersstufen, denn sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen vielfältige, ganzheitliche und äußerst nachhaltige Lern- und Bildungserfahrungen. Die Förderung von Know-how und Ideenreichtum ist das erklärte Ziel der
Reihe, wobei zunächst der Schwerpunkt auf der Kita-Praxis liegt. Doch auch im Grundschulbereich sollte bekannt sein, wie Projektthemen bereits vermittelt worden sein können und selbst im Anfangsunterricht an der Realschule und am Gymnsium (Geographie / Natur und Technik) sollte man wissen, welche unterschiedlichen Themen auf welche Weise bislang entwickelt worden sind.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“ gibt Lehrkräften alles an die Hand, was sie für die Arbeit mit Kindern benötigen: Tipps für spannende Aktivitäten aus allen Bildungsbereichen (man muss sich halt die geographisch relevanten Elemente herausfiltern), Bilder, Illustrationen und Hintergrundinformationen. Auch sind jeweils Materialien für die Hand der Kinder vorhanden. Aus diesem Grunde werden alle hier vorgestellten Publikationen dieser Reihe sehr zur Anschaffung empfohlen.

Das Heft „Sonne, Mond & Sterne“

Der Blick in den Himmel bietet viele Möglichkeiten für spannende Projekte und Aktionen entweder im normalen Verlauf des Unterrichts oder auch z.B. während eines Schullandheim-Aufenthalts. Beim Thema Mond wird u.a. der Frage nachgegangen, warum der Mond leuchtet oder wie Mondkrater entstehen. Unter der Rubrik „Die Sonne“ werden Anleitungen zum Herstellen einer Sonnenbeobachtungsbrille gegeben und im Experiment wird gezeigt, wie man Sonnenstrahlen „sammeln“ kann. Das Experiment zur Entstehung von Tag und Nacht und Beobachtungen zur Frage, wie die Jahreszeiten entstehen, sind Schwerpunkte zum Thema Erde. Nur indirekt geographisch, aber dennoch sehr spannend ist das Kapitel „Unterwegs im All“: Fragen zum Raketenantrieb werden im Experiment beantwortet, ein kleines Astronautentraining wird durchgeführt und Astronautennahrung wird zubereitet.

Das Buch vermittelt auf leicht verständliche Art komplexe Sachverhalte. Es stellt keine Schwierigkeit dar, die Spiele und Basteleien mit den Kindern durchzuführen. Eine Anschaffung des Buches wird wärmstens empfohlen.

Weitere empfehlenswerte Themenhefte aus dieser Reihe

Lux, Gerhard: Projektarbeit mit Kindern / Wetter. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornselsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN 978-3-589-24753-0. € 15,95.

Für Kinder sind alle Wetterphänomene faszinierend – ob Regenbogen, Schnee, Eis, Blitz und Donner oder Sonnenschein. Das Themenheft „Wetter“ bietet zahlreiche Anregungen, um gemeinsam mit den Kindern die Antworten auf die sie bewegenden Fragen zu finden. Unter der Überschrift „Warum gibt es eigentlich das Wetter?“ wird eingegangen auf das Wetter in den Jahreszeiten und es werden Experimente zur Kraft der Sonne vorgeschlagen. Das nächste Kapitel steht unter der Überschrift „Welches Wetter haben wir heute?“ und darin werden u.a. ein Einmachglas-Barometer gebastelt, die Größe von Regentropfen wird ermittelt und es wird der Frage nachgegangen, wie viel Wasser im Schnee steckt. Äußerst interessant ist auch das Kapitel „Wenn das Wetter Kapriolen schlägt“: Im Experiment wird ein Tornado in der Flasche erzeugt, verschiedene Experimente zum Regenbogen werden angeboten ebenso wie ein Experiment zur Nebelbildung. Dieses ist nur eine kleine Auswahl aus einer Vielzahl von Anregungen, die dieses Buch so wertvoll machen.

Bicker, Silke: Projektarbeit mit Kindern / Erde, Stein, Sand. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN978-3-589-24762-2. € 14,95.

Wer im Boden gräbt, stößt auf Erde, Steine und manchmal auch andere Gegenstände. Man muss nicht einmal tief graben, um ganz unterschiedliche Böden unter unseren Füßen zu bemerken. Beschwingte Leichtigkeit macht sich breit, wenn wir auf federndem Moor- oder Waldboden gehen oder Strandwanderungen machen. Doch warum liegt Sand nicht überall oder federn manche Böden? Die große, unsichtbare Welt des Bodens entwickelte sich teilweise über Jahrmillionen. Sie bildet unsere Lebensgrundlage, ohne die es keine Nahrung und kein Trinkwasser gäbe. Dieses ist mehr als Grund genug, um sich näher damit zu beschäftigen und herauszufinden, was sich auf und unter der Erde alles abspielt.

Hierzu ist die Publikation in drei Hauptkapitel untergliedert. Unter dem Thema „Der Boden unter unseren Füßen“ werden u.a. Hinweise zur Gestaltung eines Bodenaufbaus im Glas gegeben sowie Tipps zur Erkundung von Wald-, Wiesen- und Ackerböden. Ferner gibt es Aktivitäten rund um das Thema wieso Kiesel keine Kanten haben. Auch im Kapitel „Wozu wir den Boden brauchen“ stehen Beobachtungen und Experimente stark im Vordergrund: Das Spektrum reicht von Beobachtungen am Regenwurmterrarium im Einmachglas über Wasser mit Erdschichten filtern bis zu Beobachtungen, wie viel Wasser Böden speichern können. Im Kapitel „Bodenschätze und Schätze im Boden“ werden dann u.a. Salzkristalle gezüchtet und es gibt ein Experiment zu Farben aus Pigmenten. Auch dieses Buch ist wieder eine wahre Fundgrube für Impulse und Anregungen zur Gestaltung des Unterrichts.


Volker Huntemann

Aktueller Stand der Alpenforschung

Tobias Chilla (Hrsg.), Leben in den Alpen. Verstädterung, Entsiedlung und neue Aufwertungen. Festschrift für Professor Werner Bätzing. Bern 2014, Haupt-Verlag, gebunden, 302 Seiten, € 44,90, ISBN: 978-3-258-07808-3.

Die Alpenregion ist einer der faszinierendsten Lebensräume der Welt: Vielfalt und Gegensätze begegnen sich auf engstem Raum, dynamische Entwicklungen in Gesellschaft und Natur sind festzustellen ebenso wie Fehlentwicklungen. Aus dieser Situation heraus ergibt sich eine kontroverse Debatte über die politische Entwicklung. Dies ist mit Sicherheit kein Buch für eine Mußestunde, denn es weist einen sehr hohen wissenschaftlichen Standard auf. Das verwundert überhaupt nicht, denn es handelt sich um die Festschrift zum 65. Geburtstag und gleichzeitig Abschied von seiner Professur in Erlangen für den weltweit bekannten Alpenforscher Professor Werner Bätzing. Die Alpen aus Werner Bätzings Sicht sind vor allem ein Raum, an dem sich die wesentlichen Fragen der nachhaltigen Regionalentwicklung in besonders plastischer Weise studieren lassen.

Vor diesem Hintergrund beantworten prominente Experten des Alpenraum eine ganze Vielzahl von aktuell drängenden Fragen. So unterschiedlich auch die inhaltlichen Ansätze sein mögen, gemeinsam ist ihnen, dass der Ausgangspunkt ihrer Beiträge stets in dem Werk von Werner Bätzing zu finden ist, der in seinem Bemühen um „Orte guten Lebens“ in den Alpen (und anderswo) bedeutende Maßstäbe gesetzt hat und als der bedeutendste Alpenforscher gilt.

In seinem einleitenden Beitrag zur Festschrift stellt der designierte Bätzing-Nachfolger Tobias Chilla als Herausgeber der Festschrift in seinem Beitrag „'Leben in den Alpen': Nachhaltige Regionalentwicklung im Sinne von Werner Bätzing“ fest, dass seit den 1980er Jahren die Debatte um die Regionalentwicklung in den Alpen, in Franken und anderswo maßgeblich durch Werner Bätzing geprägt worden ist. Ziel der Publikation soll es sein, diese prominente und pointierte Perspektive der Regionalentwicklung zu würdigen. Schwerpunkte bei der Betrachtung der relevanten Probleme sind dabei stets im Sinne Werner Bätzings die „Problemorientierung“, der Fokus auf dem Lokalen und dem Konkreten und die integrierte Betrachtungsweise.

Die thematischen Schwerpunkte der Festschrift spannen einen weiten Bogen zwischen Themen wie z.B. „Neue Bewohner in den Alpen? Räumliche Mobilität und Multilokalität in Tirol“ (Oliver Bender, Axel Borsdorf) und „Die Bayerischen Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Nutzungs- und Schutzansprüchen“ (Marius Mayer, Hubert Job). Eingehend dargelegt werden u.a. auch “Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung in peripheren Gebieten des schweizerischen Alpenraums“ (Hans-Rudolf Egli) und „Goms – Konjunkturen, Krisen und Konflikte“ (Ludwig Ellenberg). Thematisch eingegangen wird u.a. ebenso auf „Agrargemeinschaften in Kärnten“ (Friedrich Walter Merlin) und „Natursport in den bayerischen Alpen“ (Stefan Witty).

Die Entwicklungen im Alpenraum im Verlauf der letzten Jahrzehnte werden eingehend dargelegt und darauf aufbauend werden Zukunftsperspektiven entwickelt, die nicht immer als positiv bewertet werden können. Aber auch das ist im Sinne Werner Bätzings – wie er es oft genug in seinen Forschungen gezeigt hat – notwendig, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen anzuregen.

Die vorliegende Publikation zeigt die volle Bandbreite der von Werner Bätzing maßgeblich vorangetriebenen Alpen- und Regionalforschung auf und sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein. Die Anschaffung ist dringend zu empfehlen.

Volker Huntemann

Panorama Altmühltal

Peter Miotk, Harald Braun u. Johann Schrenk: Panorama Altmühltal – Eine Bilderreise entlang des Panoramawegs Altmühltal von Gunzenhausen bis Kelheim
Schrenk Verlag , 2010. 252 S., gebd., 34,90 Euro
ISBN 978-3-924270-65-0

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen das Altmühltal nur einem kleinen Kreis von Naturbegeisterten als Geheimtipp bekannt war. Nicht nur die stürmische Entwicklung des Fränkischen Seenlandes zu einer echten Tourismusregion hat zu einer deutlichen Bekanntheitssteigerung beigetragen, sondern z.B. auch die Tatsache, dass der Panoramaweg Altmühltal zu den zwölf „Top trails of Germany“ gehört und dass er auch als „Qualitätswanderweg wanderbares Deutschland“ zertifiziert ist. Diesem Panoramaweg sind die drei Autoren gefolgt und haben eine bislang einmalige und äußerst anerkennenswerte Symbiose zwischen einem Wanderführer und einem echtem Bildband geschaffen.

Das im Bildbandformat vorliegende Werk begeistert den Leser mit exzellent verfassten Informationstexten, großartigen Landschafts- und Panoramaaufnahmen ins Tal oder über das Tal sowie großartigen Aufnahmen von Fauna und Flora mit einer Detailgenauigkeit wie man sie sich oft wünscht, aber selten findet. Schon nach dem Studium der ersten Seiten muss man feststellen, dass sich hier ein ideales Autorenteam gefunden hat: Peter Miotk ist Professor für Biologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Fakultät Umweltingenieurwesen) und hat sich durch seine jahrzehntelangen Forschungen in der Fachwelt ein hohes Ansehen erworben. In der über 30 Seiten langen Einführung gibt er einen Überblick über die Landschaftsgeschichte des Raumes und begründet in genauer, aber niemals wissenschaftlich überzogener Weise das heutige Erscheinungsbild von Fauna und Flora. Den Leser erfreut es, wenn der Fachmann in gekonnter Weise auf Besonderheiten aufmerksam macht, die es ihm ermöglichen, die Landschaft des Altmühltals in ihrer Einmaligkeit zu genießen. Unterstützt wird er dabei von Fotomeister Harald Braun, der in die Gestaltung des Bildbandes sein ganzes Fachwissen eingebracht hat. Johann Schrenk rundet die Leistungen des Teams ab, indem er sein umfangreiches Wissen über seinen Heimatraum und die Regionalgeschichte einbringen kann.

Während man es in traditionellen Reiseführern leider gewohnt ist, dass gerade die Naturverhältnisse vernachlässigt oder nur dürftig dargestellt sind, wird der Leser in diesem Reiseführer eine positive Überraschung erleben. Die Naturkunde wird weder in Text noch im Bild in den Hintergrund gestellt, sondern sie begegnet der Kultur- und Heimatgeschichte auf gleicher Augenhöhe. Auch Hinweise auf sportliche Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten werden gegeben. Sie stehen allerdings nicht im Vordergrund – genau in richtiger Relation, wenn man eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft kennenlernen oder gar erwandern möchte. Der Gegenstand der Betrachtung ist – so formuliert es Peter Miotk – „… ein in seiner Attraktivität so außergewöhnlicher Landschaftsraum, wie er sich in Deutschland nur selten bietet.“

Der Panoramaweg Altmühltal ist in seinem Verlauf von Gunzenhausen nach Kehlheim (ca. 200 km Länge) in 10 Etappen aufgeteilt, die jeweils unter einer speziellen Thematik stehen: So befindet man sich auf einer Etappe im Revier der Störche (Gunzenhausen – Spielberg), ein andermal in der steinernen Vergangenheit (Solnhofen – Dollnstein) oder auch in Bayerns Mitte (Kipfenberg – Beilngries). Zu jeder Etappe wird eine passende Übersichtskarte geliefert; es gibt umfangreiche Informationen zum Streckenverlauf, aber auch zu Sehenswürdigkeiten und interessanten Punkten an der Strecke. Vervollständigt werden diese Informationen durch hervorragendes Bildmaterial, das auch auf zahlreiche bedeutende kulturhistorische Sachverhalte eingeht. Zusätzlich zu den einzelnen Etappen werden insgesamt 27 Schlaufenwege vorgeschlagen; Wege, bei denen sich eine Vertiefung der auf der normalen Etappe gewonnenen Eindrücke lohnt. Harald Braun, der mit seiner Familie alle Etappen und sämtliche Schlaufenwege abgelaufen hat, betont, dass er dabei das Stück Heimat neu entdeckt und schätzen gelernt hat.

Die vorliegende Publikation ist sicherlich kein Wandeführer im herkömmlichen Sinn. Es beginnt schon damit, dass man ihn nicht einfach in die Tasche stecken kann, sondern man muss sich die entsprechenden Abschnitte vorher kopieren. Diese kleine zusätzliche Mühe gleicht jedoch den goßen Vorteil der exzellenten (auch optischen) Vor- und Nachbereitung voll und ganz aus. 448 Hochglanzfarbfotos legen Zeugnis von einer großartigen Landschaft ab. Dieses Prädikat ist mehr als gerechtfertigt, denn selten treffen in einem so eng begrenzten Raum so viele gegensätzliche Elemente aufeinander: Bei Fauna und Flora begegnen sich u.a. Lebensgemeinschaften mediterraner Prägung mit solchen von nordischem Charakter und in der Kulturlandschaft treffen wir ständig auf sowohl fränkische als auch bayerische Elemente. Ein solch außergewöhnlicher Landschaftsraum ist tatsächlich nur selten in Deutschland zu finden. Dem Autorenteam ist es in großartiger Weise gelungen, ihn für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grunde kann die Anschaffung des Buches nur dringend empfohlen werden.

Volker Huntemann

Jahrestagung 2011 in Waldeck b. Kemnath (Opf.)

Jahrestagung 2017 in Langenzenn

Jahrestagung 2016 in Hallstadt

Jahrestagung 2015 in Füssen - Bad Faulenbach

Jahrestagung 2014 in Neuschönau (Bayerischer Wald)

Jahrestagung 2010 in Ingolstadt