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bpv-Faktencheck und Kommentar: Petition zur Abschaffung unangekündigter Leistungsnachweise in Bayern

  • Der bpv steht für eine humane Lern- und Prüfungskultur in den Schulen. Stress und Druck lassen sich dabei nicht völlig vermeiden, weshalb ein pädagogischer Freiraum vorhanden sein muss, den Umgang mit Stress zu lernen und ihn zu beherrschen. Aus unserer Sicht ist es legitim und notwendig, die Prüfungskultur an bayerischen Schulen weiterzuentwickeln. Eingriffe in die pädagogische Freiheit der Kolleginnen und Kollegen sind dabei jedoch immer sorgfältig zu prüfen. Das gilt insbesondere dann, wenn Möglichkeiten zur Entwicklung einer positiven, humanen Lernkultur behindert werden könnten oder die Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft der Schüler negativ beeinflusst werden.
  • Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Im Berufsleben sind wir dadurch immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen auch unangekündigt Leistung erbracht werden muss. Aufgabe der Schule ist es, auch hierauf vorzubereiten. Wir halten deshalb unangekündigte Leistungsnachweise für ein pädagogisches Instrument, das auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden kann. Eine generelle Streichung aus den Schulordnungen lehnen wir ab.
  • Unangekündigte Leistungsnachweise sind nur in den Schulordnungen von Gymnasium, FOSBOS und Realschule enthalten und nicht verpflichtend vorgeschrieben. Für die Gymnasien heißt es z.B., dass die Lehrerkonferenz vor Unterrichtsbeginn des Schuljahres dazu grundsätzliche Festlegungen trifft. Ansonsten liegen Zahl, Art und Terminierung der Leistungserhebungen im pädagogischen Ermessen der Lehrkräfte. Eine ganze Reihe von Schulen haben sich im Rahmen eines Schulentwicklungsprozesses bereits auf den Weg gemacht, eine neue Lern- und Arbeitskultur zu schaffen. Dort spielt diese Form der Leistungsüberprüfung nur noch eine geringe oder gar keine Rolle mehr.
  • Die Unterstützer der Petition sind vor allem Verbände/Gruppierungen, die für eine Gemeinschafts- bzw. Gesamtschule in Bayern eintreten oder eine Grund-/Mittelschule als Erfahrungshintergrund haben. Mit dieser Petition drücken sie gegenüber den Lehrkräften an Gymnasien, FOSBOS und Realschulen ein gehöriges Maß an Misstrauen aus. Sie stellen diese unter den Generalverdacht, sie würden ihre pädagogischen Freiräume nicht im Sinne der Schülerinnen und Schüler zum Fördern und Fordern nutzen.
  • Im Schuljahr 2023/24 besuchten 586.446 Schüler ein Gymnasium, eine FOSBOS oder eine Realschule. Die im Juni 2024 gestartete Petition hat nach neun Monaten (Stand 07.04.) ca. 54.000 Unterschriften gesammelt, wird also - und das nur, insofern lediglich betroffene Schülerinnen und Schüler unterschrieben haben - von etwa neun Prozent der Schülerschaft in den drei betroffenen Schularten unterstützt. Diese geringe Beteiligung zeigt, dass aus der Mitte der Schülerschaft heraus kein großer Wunsch nach Abschaffung besteht. Es scheint eher, dass der in der Petition dargestellte übermäßige Druck und Stress von einer sehr großen Mehrheit nicht empfunden wird.
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