Fast Volleinstellung am Gymnasium - Trügerische Entspannung bei der Unterrichtsversorgung
rjv-Vorsitzender Sebastian Gerber, der Studienreferendare und junge Lehrkräfte im Verband vertritt, zeigt sich erfreut darüber, dass auch in Zukunft beinahe alle Junglehrkräfte, die erfolgreich ein anspruchsvolles Studium und Referendariat absolviert haben, in den Schuldienst eingestellt werden sollen. „Allerdings beobachten wir nach wie vor häufig Unzufriedenheit mit Ortszuweisungen und auch die Fächerkombination spielt eine immer größere Rolle dabei, ob und wo man eingestellt wird – trotz anhaltendem Lehrermangel.” Dies könne dazu führen, gutes und voll ausgebildetes Personal an andere Branchen oder Bundesländer zu verlieren, warnt Gerber. Der bpv bietet deshalb im Zeitraum des Einstellungsverfahrens auf seiner Homepage denjenigen, die mit ihrer Ortszuweisung unglücklich sind, eine Tauschbörse an.
Laut der Prognose des Kultusministeriums sei der rechnerische Bedarf an Lehrkräften am Gymnasium 2030 zeitweise gedeckt, steige dann aber wieder an. Bei den Fächern Mathematik, Physik, Informatik, ev. Religionslehre, Kunst und Musik werde der Mangel an Lehrkräften dabei langfristig hoch sein, während in Fächerverbindungen mit Englisch, Spanisch und Biologie bereits jetzt das Angebot den tatsächlichen Bedarf übersteige. „Der Blick auf die Zahlen offenbart jedoch nur, was der Haushaltsplan des Freistaats zulässt – eine Scheinrealität. Denn der pädagogische Bedarf ist angesichts gewachsener Herausforderungen z. B. mit verhaltensauffälligen Kindern, zunehmenden Aufgaben und größer werdender Klassen deutlich höher anzusetzen. Wenn dann noch ein Stellenmoratorium verhindert, für mehr Schüler auch mehr Planstellen bekommen zu können, wird der Begriff ‚Lehrerbedarf‘ mindestens zur Chimäre, wenn nicht zur Farce“, kritisiert bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl.
rjv-Vorsitzender Gerber mahnt daher abschließend: „Die pauschale Budgetkürzung um 2% der Lehrkräftekapazität und das Stellenmoratorium führen zu pädagogischen Einschränkungen und dürfen nicht das neue ,Normal‘ werden. Eine vorausschauende und transparente Planstellen- und Einstellungspolitik ist zentral für die Stärkung des Bildungsangebots an Gymnasien und FOSBOS. Gerade im Hinblick auf die Studierendenzahlen ist es wichtig, attraktive und verlässliche Einstellungsperspektiven zu schaffen. rjv und bpv werden sich weiterhin dafür einsetzen. Wir behalten dabei auch die Kolleginnen und Kollegen im Blick, die kein Stellenangebot bekommen haben, damit diese dem bayerischen Schulwesen erhalten bleiben.“