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Miteinander-Preis statt Gegeneinander-Politik

Leitartikel von Benedikt Karl, Stellv. Vorsitzender und Referent für Berufspolitik im bpv, Hauptpersonalrat

“Sachsens Kultusminister will Lehrer nicht mehr verbeamten, die BILD schreibt vom 'Schlaraffenland Berufsbeamtentum'” (BILD, 22.01.2026)

Der CDU-Wirtschaftsflügel will die “Lifestyle-Teilzeit” abschaffen. (WDR, 25.01.2026)

"Die STAATSVERDIENER — Warum Deutschland weniger Beamte braucht" (SPIEGEL, 31.01.2026)

Ministerpräsident Söder kündigt an, das Tarifergebnis erst 6 Monate später auf die Beamten zu übertragen.

Gegen Beamte — zu teuer. Gegen Teilzeitbeschäftigte — zu faul. Gegen Lehrkräfte — zu teuer und zu faul.

Gegeneinander — so geht’s gefühlt gerade zu. Es ist ein Hauen und Stechen entbrannt, die Haushalte sind angespannt und der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt. Und mitten in dieser angespannten Lage scheint es in Politik und Medien von Berlin bis München en vogue zu sein, sich auf die Beschäftigten im öffentlichen Dienst einzuschießen. Auf diejenigen, die den Rechtsstaat, für den Politik und Medien stehen, jeden Tag am Laufen und die Demokratie hoch halten.

Schon jetzt sind in Deutschland 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt. Es fehlt an Lehrkräften, Erziehern, Polizistinnen, Straßenwärtern oder Verwaltungsangestellten. Die, die in den Amtsstuben, Revieren und Schulen noch die Stange halten, müssen vielerorts mit einer maroden Ausstattung auskommen und noch dazu Personalengpässe auffangen. Auch, weil die Politik zwar immer neue Gesetze beschließt und Infrastruktursonderextravermögen auflegt — aber dann auf diejenigen verzichten will, die die Gesetze umsetzen und die Infrastruktur planen, bauen und warten. Oder — um die Schule als Beispiel heranzuziehen — indem der Bayerische Landtag ein Stellenmoratorium beschließt, obwohl man steigende Schülerzahlen verzeichnet.

»Dann muss das vorhandene Personal eben mehr arbeiten« lautet das Credo, und immer schwingt mit, dass da schon noch was gehe in der Performance und dass die Lehrkräfte doch nicht ausgelastet seien. Deswegen — ein weiteres Gegeneinander — hat der Landtag Anfang Dezember in einem sogenannten Omnibus-Gesetz aus dem Kreis der Abgeordneten heraus eine Einschränkung der familienpolitischen Teilzeit beschlossen. Ganz ohne die sonst übliche Verbändeanhörung. Und damit vor allem die Lehrkräfte treffen wollen.

»Außerdem sind die Beamten ohnehin zu teuer« lautet das zweite Credo. Und weil die »schwarze Null« heilig ist und die Staatsregierung es nicht schafft, die Wirtschaft anzukurbeln, spart die Regierung an sich selbst (Ministerpräsident Söder1). Na ja, fast: Man spart an den Beschäftigten. Und kündigt an, das Tarifergebnis erst sechs Monate später auf die Beamten zu übertragen. Obwohl man noch gar nicht weiß, wie es ausfallen wird. Nur durch diesen Taschenspielertrick kommt der ausgeglichene Haushalt überhaupt zustande.

Und hätten diese bayerischen Gegeneinander-Aktionen nicht gereicht, kommen dann auch noch der sächsische Kultusminister sowie eine Mittelstandsunion (von der noch nie jemand etwas gehört hat) ums Eck, um die Anti-Beamten-Teilzeit-Lehrkräfte-Debatte weiter anzuheizen und die Presse springt darauf an. Jetzt fehlt nur noch, dass Bayern die Arbeitszeit der Beamten auf 42 Stunden erhöht… Nur leider ist das alles reine Symbolpolitik. Mit der man vielleicht eine Schlagzeile produziert oder im Bierzelt punkten kann. Die aber ansonsten wirkungslos ist.

Das Stellenmoratorium kann man sich sparen, weil ohnehin genug Stellen unbesetzt sind und bei der derzeitigen Stimmung sowieso kaum ein junger Mensch in den öffentlichen Dienst eintritt. Das Hinausschieben der Übertragung der Tarifergebnisse bringt vor allem eine Unwucht und viel Ärger innerhalb der Belegschaft, weil die Löhne der Tarifbeschäftigten angehoben werden, die der Beamten nicht — obwohl sie die gleiche Arbeit verrichten. Und dazu kommt, dass die Beschäftigten in Bund und Kommunen ja bereits letztes Jahr einen Abschluss im TVöD bekommen haben. Auf bayerische Lehrkräfte bezogen heißt das: Gleiche Arbeit, drei unterschiedliche Bezahlungen (bayerische Beamte, Angestellte, kommunale Beschäftigte).

Und auch die Einschränkung der familienpolitischen Teilzeit auf Kinder unter 14 bringt für das Gymnasium fast nichts: Schon jetzt sind unterhälftige familienpolitische Teilzeiten bei Eltern von Teenagern die absolute Ausnahme, Beurlaubungen gar ein Seltenheitswert. Von den 4.400 unterhälftig beschäftigten Lehrkräften (insgesamt 26.000 Teilzeitkräfte) in Bayern haben fast ausnahmslos alle jüngere Kinder unter 14 oder arbeiten während der Elternzeit. Kurzum wird die Gesetzesänderung am Gymnasium höchstens ein paar Dutzend Stellen generieren — und ein Vielfaches an Gegeneinander-Vibes.

Übrigens haben die Kolleginnen und Kollegen ihrerseits gezeigt, wie man mit einer Gegeneinander-Aktion der Staatsregierung umgeht: Weil das Finanzministerium nicht zugesagt hat, etwaige Nachbesserungen in der Alimentation nach einem Urteil des BVerfG auf alle Beamten und Versorgungsempfänger zu übertragen, blieb nur noch, vorsorglich Widerspruch gegen die Besoldung einzulegen. 65.000 Beschäftigte in Bayern haben das getan! — Weil sie genug haben vom Gegeneinander!

Dabei zeigen die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag, dass nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander der Kern unserer Arbeit ist. Sie übernehmen die Klasse des erkrankten Kollegen, weil die integrierte Lehrerreserve schon längst verplant ist. Sie stocken freiwillig ihre Teilzeit auf, weil nur dann die Löcher in der Unterrichtsplanung gestopft werden können. Und selbstverständlich beteiligen sie sich am Tanzkursabschlussball der 10. Klassen, gestalten gemeinsam mit dem Lehrerchor das Schulkonzert oder schieben freiwillig ihren Ruhestand hinaus.

Doch leider ist mit Miteinander keine Schlagzeile zu machen und auch im Bierzelt kommt man nicht weiter. Aber es ist wirksam — und nachhaltig!

An vielen Schulen ist es im letzten Schuljahr gelungen, sich gegen den Personalmangel zu stemmen. Weil Kollegium, Schulleitung und Personalrat gemeinsam nach Lösungen gesucht haben. Weil Vertretungskonzepte verändert, Stundenpläne optimiert oder Belastungen reduziert wurden. Weil man miteinander Lösungen gefunden hat. Und so wurde durchschnittlich fast eine Planstelle pro Gymnasium allein durch Teilzeitaufstockungen generiert.

Und weil man diese Anstrengungen für das Miteinander einmal in den Fokus rücken muss, weil gute Beispiele viel mehr wirken als Horrornachrichten und weil man sich auch mal bedanken muss bei so viel Miteinander, hat der bpv den Miteinander-Preis ins Leben gerufen. Bis zum Herbst 2025 waren Bewerbungen möglich und viele Schulen haben sich mit ihren positiven Konzepten beworben. Gerade läuft die zweite Stufe des Bewerbungsverfahrens und am 20. März werden die Preise in München verliehen.

Miteinander statt Gegeneinander — wir leben es vor, an den Schulen und mit den Schülerinnen und Schülern. Es täte gut, wenn auch die Politik mehr Mit- und weniger Gegeneinander pflegen würde.

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