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Schulpsychologin zum Umgang mit Zeugnisnoten: "Der Fokus sollte weniger auf einzelnen Ergebnissen liegen, sondern auf dem Weg dorthin"

In dieser Woche endet das erste Halbjahr des Schuljahres: Zeit für ein Zwischenfazit in Form eines Zeugnisses oder Leistungsberichtes. Doch nicht immer entsprechen die Ergebnisse den Erwartungen. Wie Eltern klug reagieren und ihre Kinder sinnvoll begleiten, erläutert Regina Knape, Leiterin des Sachgebiets Schulpsychologie und Beratungslehrkräfte im Bayerischen Philologenverband (bpv). 

Frau Knape, schlechte Noten sorgen oft für Stress in Familien. Was empfehlen Sie Eltern als ersten Schritt?

Der wichtigste Schritt ist: Ruhe bewahren und sachlich bleiben. Eltern sollten vermeiden, ihre eigenen Gefühle – Stress, Enttäuschung oder Ärger – auf das Kind zu übertragen. Keine Vorwürfe, keine Drohungen und kein Schimpfen über Lehrkräfte oder Schule. Stattdessen gilt: Ein paar Tage Abstand schaffen, dann in einem ruhigen Moment gemeinsam die Ergebnisse durchgehen und überlegen, was zu den schlechten Noten geführt hat – und vor allem, welche konkreten Maßnahmen jetzt helfen können.

Wie lässt sich herausfinden, welche Unterstützung ein Kind wirklich braucht?

Eltern sollten gemeinsam mit dem Kind analysieren, wo die Probleme konkret liegen. Ist es nur ein einzelnes Fach? Dann kann gute Nachhilfe sinnvoll sein. Hilft eine Lerngruppe mit Freunden? Oder ein tägliches kurzes Wiederholen mit den Eltern? Wichtig ist regelmäßiges Lernen, am besten mit kleinen Erfolgserlebnissen. Bei Prüfungsangst ist auch ein offenes Gespräch mit Beratungslehrkraft oder Schulpsychologin ratsam.

Welche Rolle spielen emotionale Belastungen außerhalb der Schule?

Eine sehr große. Mobbing, familiäre Belastungen, Verluste oder andere Stressfaktoren können Lernmotivation und Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigen. Hier gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig das Gespräch mit den Experten suchen. Eltern sollten frühzeitig Kontakt zu Klassenleitung und Beratungsfachkräften aufnehmen. Hintergrundinformationen helfen Lehrkräften, das Kind besser einzuschätzen und angemessen zu unterstützen.

Wie können Eltern ihren Kindern helfen, Rückschläge als normalen Teil des Lernens zu verstehen und realistische Ziele zu setzen?

Rückschläge gehören zum Lernen dazu – das vergessen Eltern in der Aufregung über Noten oft. Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, dass Feedback und Leistungsrückmeldungen etwas völlig Normales sind, das alle Menschen erleben – nicht nur Schüler. Eltern können erklären: Man erreicht nicht jedes Ziel sofort, und das ist kein Zeichen von Versagen, sondern von Entwicklung. Hilfreich ist, gemeinsam erreichbare, realistische Ziele zu stecken, statt überhöhte Erwartungen aufzubauen. So entsteht ein Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Viele Eltern überlegen, Noten mit Geld zu belohnen. Funktioniert das?

Geld kann kurzfristig wirken – aber die Motivation verpufft oft schnell, und die Beträge müssten vermutlich bereits beim nächsten Zeugnis steigen. Aus psychologischer und meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung gehört Geld – außer beim Taschengeld – nicht in die Erziehung. Besser sind gemeinsame Erlebnisse als Belohnung, vor allem wenn das Kind über einige Zeit die vereinbarten Ziele umgesetzt hat. 

Was können Eltern langfristig tun, um die intrinsische Motivation zu fördern und ihr Kind schulisch zu stärken – unabhängig von einzelnen Noten?

Langfristig geht es vor allem darum, Kindern Orientierung, Zuversicht und eine positive Haltung zum Lernen mitzugeben. Eltern können viel bewirken, indem sie Bildung grundsätzlich wertschätzen und zeigen, dass schulisches Lernen etwas Sinnvolles ist – nicht nur für Noten, sondern für das ganze Leben. Hilfreich ist auch, gemeinsam realistische Ziele zu entwickeln und über Wünsche, Träume und Zukunftspläne zu sprechen. Wenn ein Kind versteht, wofür es lernt, entsteht innere Motivation, die deutlich stärker wirkt als Druck oder Belohnungssysteme.

Wichtig ist zudem, den Alltag des Schülers als Lernender wertzuschätzen: Schule ist oft anstrengend, und Anerkennung für Engagement wirkt stabilisierend. Der Fokus sollte weniger auf einzelnen Ergebnissen liegen, sondern auf Fortschritten, Anstrengung und dem Weg dorthin. Eltern können ihr Kind auch stärken, indem sie Interessen fördern, etwa Wahlfächer, AGs oder Projekte, die Freude machen. Solche positiven Anker halten die Verbindung zur Schule aufrecht, selbst wenn einzelne Fächer gerade schwerfallen.

Nicht zuletzt hilft es, dem Kind langfristige Perspektiven zu eröffnen und Zuversicht zu vermitteln: "Ich traue dir das zu, und ich begleite dich."

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