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So geht Schulentwicklung und offenes Lernen! bpv-Hauptvorstand im Austausch mit Lessing-Gymnasium Neu-Ulm

Eigenverantwortliches Lernen in offenen Lernlandschaften? Diese derzeit wieder viel diskutierte Idee stößt auch in Bayern auf zunehmend positive Resonanz. Und tatsächlich: Viele Gymnasien in Bayern haben sich bereits auf den Weg gemacht, um neue und offenere Lernformen intensiver zu erproben und nachhaltig zu implementieren.

Wie ein solches Gesamtkonzept in der Praxis langfristig und erfolgreich gelebt werden kann, darüber hat sich vor wenigen Tagen der Hauptvorstand des bpv auf seiner Klausurtagung in einem Austausch mit dem Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm informiert. An dieser Schule wird bereits seit dem Schuljahr 2011/12 ein pädagogisches Konzept praktiziert, das auf klaren und in inzwischen langjähriger Praxis erprobten Prinzipien beruht. Zu den besonderen Merkmalen des Konzepts am Lessing-Gymnasium gehören:

  • Methodenvielfalt mit Fokus auf Eigenverantwortlichkeit: Der Fokus liegt auf Offenheit und eigenverantwortlichem Arbeiten mit einer maximalen Aktivierung der Schülerinnen und Schüler.
  • Echter Paradigmenwechsel: Schülerinnen und Schüler übernehmen schrittweise die Eigenverantwortung für ihren eigenen Lernprozess. 
  • Individuelle Förderung: Im dezentralen Unterricht gibt es Raum für individuelle Förderung und Betreuung durch die Lehrperson, was auch Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in besonderer Weise zugutekommt. 
  • Starke Teamorientierung: Die Zusammenarbeit im Kollegium wird aktiv gefördert und im Team gelebt.
  • Lernförderliche Infrastruktur: Dazu gehören Lärmschutzmaßnahmen im Arbeitsbereich, gemütliche Sitzecken und Arbeitsplätze in den Fluren oder Marktplätzen, flexible Klassenzimmer mit beweglichem Mobiliar, was den Fokus voll auf den Lernprozess lenkt. Dieses Konzept ist nicht vergleichbar mit den „Großraumbüros“ der finnischen und neuseeländischen Schulen. 

In verschiedenen Fächern können dadurch am Ende einer Lerneinheit alle dieselbe Leistungserhebung absolvieren; die Differenzierung geschieht vor allem im Vorfeld beim Unterstützungsbedarf.

Im Zuge des Austauschs am Lessing-Gymnasium schälten sich einige unabdingbare Gelingensfaktoren heraus, die sich nach Ansicht des bpv-Vorsitzenden Michael Schwägerl für diese Form des Lehrens und Lernens verallgemeinern lassen:

  • Initiator und Motor jeder gelingenden Schulentwicklung sind die Hand in Hand arbeitende Schulleitung und das Kollegium. Das heißt auch: Der Veränderungsimpuls kommt direkt aus dem Lehrerkollegium heraus, das sich demokratisch darauf verständigt, den Prozess der Schulentwicklung anzupacken und konsequent zu gehen.
  • Die Schule übernimmt kein Konzept „von der Stange“, sondern erhält die Chance, ihr ureigenes, auf die eigene Schülerschaft und die räumlichen Gegebenheiten angepasstes Konzept zu entwickeln. Dieses wird ständig selbst überprüft und fortlaufend optimiert; erforderlichenfalls steuern die Lehrkräfte – gegebenenfalls auch nur einzelne Fachschaften – nach. 
  • Auf der Basis verbindlicher gymnasialer Bildungsziele stehen gleichermaßen die starken wie die schwächeren Schüler und ihr Lernerfolg im Mittelpunkt. Das heißt auch: Der Schüler ist immer wichtiger als das abstrakte Konzept!
  • Tatkräftige Unterstützung durch den Sachaufwandsträger durch die Bereitstellung der Mittel für das entsprechende Mobiliar und Umbaumaßnahmen, insbesondere die unverzichtbaren Lärmschutzmaßnahmen (z.B. Teppichböden und Schallschutzdecken), ist unerlässlich.

Der bpv-Vorsitzende Michael Schwägerl begrüßt diese Entwicklung und den ausgeprägten Innovationswillen an Schulen wie dem Lessing-Gymnasium ausdrücklich: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Ausdauer und überzeugenden Stringenz das Lessing-Gymnasium seit mittlerweile 15 Jahren seinen eigenen Weg der Schulentwicklung verfolgt!“ 

Mit Blick auf die öffentliche und politische Debatte in Bayern resümiert er: „Wir tun gut daran, offeneren Lernformen gegenüber aufgeschlossen zu sein. Sie können dann erfolgreich sein, wenn sie in einen individuellen, gut durchdachten Prozess der Schulentwicklung eingebettet sind. Dafür brauchen wir pädagogische Freiräume für Lehrkräfte in einem für die einzelne Schule passenden Gesamtkonzept. Ehrgeizige Versuche in anderen Ländern, offene Lernformen durch bauliche Vorgaben wie eine Auflösung von Klassenzimmern in ,Großraumbüros‘ zu erzwingen, sind alle abgebrochen und zurückgebaut worden. Einmal mehr zeigt sich, dass erfolgreiche Pädagogik von Methodenvielfalt lebt und die Verabsolutierung einer Methode in die Irre führt. Schließlich geht es darum, unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden und sie so gut wie möglich auf eigenverantwortliches, selbstreguliertes Lernen und Arbeiten im späteren Leben vorzubereiten. Das gelingt in klug gewählten, passenden Lehr- und Lernformen in einem Prozess mit Struktur, klaren Ansprüchen, pädagogischer Begleitung und der nötigen Zeit.“ 

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