Spicken mit technischen Hilfsmitteln: 85 Prozent der Delegierten wissen von Fällen an ihren Schulen
Eine Blitzumfrage unter rund 150 Delegierten, alles Lehrkräfte an Gymnasien und FOSBOS, auf der Jahreshauptversammlung des bpv in Augsburg spricht eine deutliche Sprache: An 85 Prozent ihrer Schulen gibt es Fälle von Unterschleif mit technischen Hilfsmitteln. An erster Stelle steht das Bereithalten eines Zweithandys (63 Prozent) neben dem Ersthandy, das bei der Lehrkraft während der Prüfung abgegeben wurde. Auf dem nächsten Platz ist die unsachgemäße Nutzung eines Ersthandys (49 Prozent), gefolgt vom Unterschleif mit einer Smartwatch (41 Prozent).
bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl ordnet dieses Ergebnis so ein: „Gespickt wird schon, so lange es Schule gibt. Neu sind die technischen Hilfsmittel, die zunehmend dafür verwendet werden. Die hohe Quote der Rückmeldungen zeigt, dass das Problem vorhanden und an den Schulen eindeutig erkannt ist. Gleichzeitig ist unstrittig, dass Schulen bei technisch gestütztem Unterschleif Unterstützung brauchen.”
Eine erste wünschenswerte Maßnahme sind flächendeckende offizielle Informationen über die aktuellen technischen Möglichkeiten des Unterschleifs. Ausgefeilte technische Lösungen werden - teilweise zur Miete - im Internet von professionellen Anbietern angeboten und massiv beworben. Zudem braucht es Ideen für räumliche und technische Lösungen, mit denen Schulen je nach Bedarf und Gegebenheiten Unterschleif mit technischen Mitteln verhindern können.
Für essenziell hält Schwägerl aber auch das Umdenken in den Köpfen der jungen Menschen, die Unterschleif betreiben, und einen stärkeren Fokus auf ein Lern- und Arbeitsethos: „Es geht vor allem um die pädagogische Frage, wie man Schülerinnen und Schüler – und das nicht nur in der schwierigen Phase der Pubertät – für Bildungsprozesse motivieren kann, die auf Selbst-Denken, Selbst-Lernen, Selbst-Üben und Selbst-Arbeiten setzen. Denn Selber-Denken macht schlau! Und gerade in Zeiten von KI ist das wichtiger denn je.”
Delegierte von Gymnasien und FOSBOS aus ganz Bayern kommen vom 27. bis 29. November zur bpv-Hauptversammlung in Augsburg zusammen. Unter dem Motto „Bildungsqualität – Zeit fürs Wesentliche“ werden aktuelle berufs- sowie bildungspolitische Entwicklungen diskutiert und die Leitlinien der nächstjährigen Verbandsarbeit festgelegt. Konkrete Themen sind unter anderem der anhaltende Lehrkräftemangel, die Lern- und Leistungskultur in Zeiten von KI, Maßnahmen der De-Implementierung und Entbürokratisierung im schulischen Bereich sowie knappe Reisekostenbudgets an den Schulen.