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Was die Gymnasien diese Woche wirklich bewegt: Abitur-Auftakt für den ersten G9-Jahrgang

Am 22. April beginnt an Bayerns Gymnasien eine neue Ära: Erstmals finden wieder Abiturprüfungen nach neun Jahren gymnasialer Lernzeit statt. Dabei gibt es Neuerungen genauso wie Altbewährtes. Für die rund 29.000 Abiturientinnen und Abiturienten markiert dieser Meilenstein den Abschluss ihrer Schulzeit. 

Die Rückkehr zum G9 bringt spürbare Neuerungen mit sich. Die wichtigste ist die stärkere individuelle Profilbildung: Schülerinnen und Schüler können ihre Prüfungsfächer wieder stärker an persönlichen Interessen und Neigungen ausrichten. Die Anzahl der Prüfungen bleibt zwar mit fünf (drei schriftlich, zwei mündlich) gleich. Doch jetzt sind über das wählbare Leistungsfach nicht nur zwei Fremdsprachen wie bisher, sondern auch Kombinationen mit zwei Natur- oder Gesellschaftswissenschaften unter den Prüfungsfächern möglich. Zudem entfällt die zwingende schriftliche Prüfungspflicht in Mathematik oder Deutsch; unter bestimmten Voraussetzungen kann eines der beiden Fächer in der Prüfungskonstellation sogar komplett ersetzt werden. bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl bewertet die gesamte Entwicklung positiv: “Der bpv hat die Rückkehr zum G9 mit einer stärkeren Profilbildung gefordert und die Ausgestaltung intensiv begleitet. Wir freuen uns, dass die Abiturientinnen und Abiturienten ihre Prüfungsfächer jetzt wieder individueller wählen können.”

Weg zu bundesweiter Vergleichbarkeit erfordert mehr Organisation 

Beim Blick auf den Zeitplan zeigt sich eine weitere Veränderung: Die schriftlichen Prüfungen erstrecken sich über einen deutlich längeren Zeitraum mit mehr Terminen als in der Vergangenheit. Grund hierfür ist die Nutzung des ländergemeinsamen Aufgabenpools. Dieser soll die Vergleichbarkeit der Abschlüsse auf Bundesebene weiter steigern. Nachdem ländergemeinsame Aufgabenteile in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch bereits in den vergangenen Jahren etabliert wurden, kommen im Abitur 2026 nun Biologie, Chemie und Physik hinzu. “Die Bundesländer haben sich auf gemeinsame Aufgabenpools geeinigt, aus denen Aufgaben entnommen werden. Damit müssen auch die Prüfungstermine bundesweit immer weiter synchronisiert werden", erläutert Schwägerl. ”Für die Schulen bedeutet dies einen deutlich höheren organisatorischen Aufwand bei der Bereitstellung von Prüfungsräumen und der Einteilung von Aufsichten. Der bpv wird wie gewohnt kritisch konstruktiv begleiten, wie sich das Niveau der Prüfung dadurch entwickeln wird."

Mutmacher für die heiße Phase 

Trotz der organisatorischen Herausforderungen steht das Mitfiebern mit den Prüflingen an den Schulen in den kommenden Wochen an erster Stelle. Für viele Schülerinnen und Schüler ist dies die erste große Prüfung ihres Lebens. Zum Abschluss richtet Schwägerl einen Appell an alle Beteiligten: “Ich wünsche zunächst uns allen einen reibungslosen Ablauf dieses ersten G9-Abiturs. Den Prüflingen möchte ich Mut machen: Kopf hoch, Stift fest in der Hand – ihr habt das Zeug dazu! Viel Erfolg für die anstehenden Prüfungen!” 

Abschluss eines langen Prozesses 

Das neue neunjährige Gymnasium erreicht erstmalig das Abitur. Dahinter steht ein langer Prozess, der im November 2013 mit einem Beschluss der Hauptversammlung des bpv begann, im Frühjahr 2017 durch den Landtag offiziell abgesegnet wurde und schließlich eine Vielzahl von Dialogrunden der “gymnasialen Schulfamilie” zur Ausgestaltung der Details mit sich brachte. Der bpv hat dabei diesen Prozess unter der Leitlinie “Mehr Zeit für …” nicht nur angestoßen, sondern maßgebliche Aspekte wie die individuelle Lernzeitverkürzung oder das neue Leistungsfach eingebracht und durchgesetzt. Die Umsetzung schließlich gelang den Kollegien und Schulleitungen in hervorragender Weise, trotz Corona und multipler Krisen, trotz einer zunehmend heterogenen Schülerschaft und trotz des Lehrkräftemangels.

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