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Weichenstellung für die Schule von morgen: bpv plädiert für ein zusätzliches Semester in den Lehramtsstudiengängen

Vor der Veröffentlichung des bayerischen „Masterplans zur Lehrkräftebildung“ im Herbst erinnert der Bayerische Philologenverband (bpv) an die geforderte qualitative Stärkung der Studiengänge. Die von der Expertenkommission pauschal empfohlenen 10 Semester für alle Schularten sieht er derzeit als wenig realistisch an und plädiert dagegen für eine Erhöhung der Regelstudienzeit in allen Lehrämtern nur um jeweils ein Semester.

Im Frühjahr 2025 hat die vom bayerischen Ministerrat eingesetzte Expertenkommission ihr Gutachten zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern vorgelegt. Mit großer Erwartung blickt die Bildungswelt nun auf diesen Herbst, in dem der darauf aufbauende „Masterplan zur Lehrkräftebildung“ veröffentlicht werden soll. Ein zentrales Thema der aktuellen Reformdebatte ist die Studiendauer. Die Expertenkommission empfiehlt in ihrem Gutachten, alle Lehramtsstudiengänge einheitlich auf eine Regelstudiendauer von zehn Semestern (300 ECTS-Punkte) anzuheben (Empfehlung Nr. 11).

Der bpv hat hier eine differenzierte Position: „Wir fordern derzeit mit Blick auf die Finanzlage keine pauschale Ausweitung auf 10 Semester, sondern nur eine gezielte Anhebung der Regelstudienzeit um ein Semester, in das auch Vorbereitungsaufwand für die Staatsexamensprüfung eingerechnet werden soll“, erklärt bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl.

Diese „+1-Lösung“ ist deutlich realistischer in der Umsetzung und bringt deutliche Mehrwerte mit sich:

  • Sie überlastet das universitäre System nicht, sichert aber notwendige Zeit für eine verbesserte Verknüpfung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und schulpraktischen Anteilen unter dem neuen Leitgedanken der „Core-Practices“,
  • sie anerkennt einen zusätzlichen „Workload“ der Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen, der in allen Lehramtsstudiengängen fast durchgehend zu einem Überschreiten der Regelstudienzeit führt,
  • und sie erleichtert es Studierenden der Lehrämter Sonderpädagogik und Gymnasium, das Studium zusätzlich mit einem vollwertigen Master of Education oder einem Master of Arts bzw. Master of Science abzuschließen – eine klare Stärkung der Attraktivität des Berufsfeldes.

Festhalten an Staatsexamen und schulartspezifischer Ausbildung

Abgesehen von der Studiendauer begrüßt der bpv, dass das Gutachten der Expertenkommission zentrale Grundpfeiler des bayerischen Bildungswesens bestätigt hat, die nun im Masterplan festgeschrieben werden müssen:

  • Die Kommission empfiehlt richtigerweise die Beibehaltung des Ersten und Zweiten Staatsexamens, um einheitlich hohe fachliche Standards über alle bayerischen Standorte hinweg abzusichern.
  • Jede Schulart hat ihren spezifischen Bildungsauftrag und benötigt hochspezialisierte Lehrkräfte. Das Festhalten am schulartspezifischen Prinzip der Ausbildung (Empfehlung Nr. 10) ist für den bpv essenziell.
  • Kürzere Qualifikationen über den Quer- und Seiteneinstieg müssen vorübergehende Notmaßnahmen bleiben, da ein Weniger an Qualifizierung unweigerlich zu sinkenden Qualitätsstandards an den Schulen führt.

Kritische Begleitung offener Baustellen

Einige Empfehlungen des Gutachtens bleiben jedoch bedenklich vage und müssen im kommenden Masterplan bzw. im Rahmen der Umsetzung konkretisiert werden. Dazu gehören die zukünftige Gewichtung im Studium von Bildungs- und Fachwissenschaften, die fachspezifische Ausarbeitung des noch diffusen Begriffs der „Core Practices“ sowie die Gestaltung einer geplanten Kooperation zwischen Universitäten und Seminarschulen im ersten Jahr des Referendariats (Empfehlung Nr. 6), die sich keinesfalls negativ auf die gymnasiale Seminarorganisation auswirken darf.

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