QUALITÄT AM GYMNASIUM ERHALTEN UND VERBESSERN

Gemeinsame Pressekonferenz

Vereint in der Sorge um die Zukunft des bayerischen Gymnasiums: Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern Susanne Arndt und der Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung Karl-Heinz Bruckner beschrieben am 9. Mai bei einer Pressekonferenz im Münchner PresseClub nicht nur die derzeitigen Probleme und Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht, sie stellten vor allem auch ihre gemeinsamen Forderungen und Verbesserungsvorschläge vor.

„Qualität am Gymnasium erhalten und verbessern, statt kürzen und verwässern“

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben sich heute die Vorsitzenden der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien, der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV), der Referendar- und Jungphilologenvertretung im Bayerischen Philologenverband (rjv) und des Bayerischen Philologenverbands (bpv) für den Erhalt und die Verbesserung der Qualität am Gymnasium ausgesprochen. Dabei forderten diese für das Gymnasium maßgeblichen Gruppierungen die Verkleinerung der Klassenstärken über alle Klassenstufen hinweg. Hierfür sind die Einführung einer integrierten Lehrerreserve an den bayerischen Gymnasien sowie eine Einstellung weiterer qualifizierter Lehramtsbewerber zum kommenden Schuljahr unbedingt notwendig.

Susanne Arndt: „Durch die Einführung des G8 frei werdende Stellen an den Gymnasien belassen“

Susanne Arndt, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, erinnerte die Politik an ihr Versprechen, die durch den Weggang der letzten G9-Schülerinnen und -Schüler rechnerisch frei werdenden Stellen an den Gymnasien zu belassen und diesen Herbst ausreichend Neueinstellungen vorzunehmen: „Die bayerischen Gymnasien brauchen diese Stellen für eine Absenkung der Klassengrößen über alle Klassenstufen hinweg. Derzeit weisen noch viel zu viele Klassen zu hohe Schülerzahlen auf. Eine Absenkung ist unbedingt erforderlich, um endlich am G8 wirklich so unterrichten zu können wie ursprünglich vorgesehen.“
Arndt sprach in diesem Zusammenhang auch die Raumnot an: „Den Schulen müssen ausreichend und angemessen ausgestattete Räume zur Verfügung gestellt werden. An etlichen bayerischen Gymnasien müssen Schülerinnen und Schüler in Containern unterrichtet werden, weil es nicht genügend Klassenzimmer gibt. Besonders prekär ist das, wenn, wie an einigen Schulen der Fall, dies gerade die größeren Klassen betrifft, weil die eigentlichen Klassenräume zu klein sind.“
Darüber hinaus müsse das Konzept der Eigenverantwortlichen Schule dazu genutzt werden, dass die einzelnen Schulen ihr Schulprofil an die lokalen Gegebenheiten anpassen können. Darunter fielen z. B. die Förderung von Hochbegabten oder der verstärkte Personaleinsatz in schwierigen Klassen.

Karl-Heinz Bruckner: „Unsere Gymnasien brauchen weitere gut qualifizierte Lehrkräfte“

Karl-Heinz Bruckner, der Vorsitzende der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien, appellierte an die politisch Verantwortlichen: „Wir brauchen an den bayerischen Gymnasien weitere gut qualifizierte Nachwuchslehrkräfte. Die bereits laufenden Planungen für das neue Schuljahr lassen befürchten, dass die Klassenstärken steigen werden statt zu sinken. Dies zeigen erste Rückmeldungen von Schulleiterinnen und Schulleitern insbesondere kleinerer Gymnasien. Die individuelle Förderung wird in dieser Situation entschieden zu kurz kommen. Gerade auch im Hinblick auf die Umsetzung der Eigenverantwortlichen Schule, bei der Schulen gehalten sind, eigenständige Profile auszubilden und verstärkt begabungsgerechte Angebote zu schaffen, brauchen wir zusätzliche Lehrkräfte. Die Schaffung neuer Angebote und auch Maßnahmen der Personalentwicklung im Rahmen der Eigenverantwortlichen Schule führen zu einem großen Fortbildungsbedarf für die Kolleginnen und Kollegen, der nicht allein in der unterrichtsfreien Zeit zu bewältigen ist. Die Lösung für diese Probleme liegt im Aufbau einer integrierten Lehrerreserve vor Ort. Diese Lehrkräfte können zusätzliche Aufgaben im Rahmen der individuellen Förderung, zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und auch zur Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler übernehmen. Im Notfall können sie schnell und unbürokratisch Lehrkräfte vertreten und so helfen, Unterrichtsausfall zu vermeiden.“

Julius Müller: „Kein Hartz IV für Jungphilologen“

Julius Müller, der Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung im bpv, fand für die sich abzeichnende Einstellungssituation zum Herbst deutliche Worte: „Wie hier mit unseren jungen Kolleginnen und Kollegen verfahren werden soll, ist einfach skandalös. Viele Referendare müssen bis zu 17 Stunden eigenverantwortlichen Unterricht halten. Sie haben in Klassen von mehr als 30 Schülern engagiert und motiviert unterrichtet und dem Freistaat dabei viel Geld gespart. Jetzt werden sogar sehr gut qualifizierte Bewerber vor die Tür gesetzt. So weit darf es im Herbst nicht kommen! Die rjv fordert, das Stundensoll für die Kollegen im zweiten Ausbildungsabschnitt deutlich zu vermindern. Für die Fortführung des aus Personalnot eingeführten eigenverantwortlichen Unterrichts im letzten Abschnitt gibt es nun ebenfalls keinen Grund mehr. Ihn weiter beizubehalten, wäre gegenüber unseren Nachwuchslehrern geradezu unanständig.“ Die Stimmung unter den Junglehrerinnen und -lehrern ist derzeit geprägt von maßloser Enttäuschung, Wut und blanker Existenzangst. Viele müssen dem Freistaat den Rücken kehren, um Hartz IV zu entgehen. Die bayerische Lehrerausbildung hat in den anderen Bundesländern einen guten Ruf und bayerische Lehramtsassessoren werden dort gerne eingestellt. Müller sprach sich in diesem Zusammenhang für die Beibehaltung der bewährten Strukturen bei der qualitativ hochwertigen bayerischen Lehrerausbildung aus und forderte insbesondere die Beibehaltung des zweijährigen Referendariats.

Max Schmidt: „Klassengrößen senken“

Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, forderte das Kultusministerium auf, das reichliche Angebot an Bewerbern zur Verbesserung der Lernbedingungen an Bayerns Gymnasien zu nutzen: „Die Klassen sind nach wie vor zu groß und die Unterrichtenden sehr belastet. Die viel beschworene individuelle Förderung der Schüler lässt sich nur mit einem Mehr an Lehrern erreichen. Zum kommenden Herbst ist eine gute Gelegenheit, um mit dem Aufbau einer integrierten Lehrerreserve vor Ort an den Gymnasien zu beginnen, also mehr Stunden in die Budgets einzustellen und damit mehr Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen und so auch den zu hohen Unterrichtsausfall an dieser Schulart wirksam zu vermindern.“ Ein weiteres Problem, das ihm viele Kollegen von kleineren Gymnasien berichten, ist, dass es dort zu einer Vergrößerung von Klassen kommt, weil die Klassenteiler ungünstig ausfallen. Dies muss durch eine vernünftige Einstellungspolitik für das kommende Schuljahr unbedingt verhindert werden.
„Die Lehrerinnen und Lehrer an den bayerischen Gymnasien sind nicht innovationsresistent,“ so Schmidt weiter, „das haben die vielen Veränderungen der vergangenen Jahre deutlich gezeigt. Um diesen Weg jetzt weitergehen zu können, sind unbedingt zusätzliche Lehrkräfte nötig. Nur so können zusätzliche Aufgaben wahrgenommen werden, nur so können Konzepte individueller Förderung oder Modelle wie beispielsweise eine zweite Lehrkraft im Klassenzimmer umgesetzt werden.“

Gemeinsame Forderungen der Direktorenvereinigung, der LEV,
der rjv im bpv und des bpv

Die Direktorenvereinigung, die LEV, die rjv im bpv und der bpv fordern zusammen und einmütig die Schaffung einer integrierten Lehrerreserve und die Absenkung der Klassenstärken über alle Klassenstufen hinweg. Gemeinsam stellen sie fest, dass die Gymnasien weitere Lehrkräfte brauchen, um die Qualität des bayerischen Gymnasiums zu halten und es fortzuentwickeln. Die Umsetzung der Eigenverantwortlichen Schule ist nur so möglich. Die Politik muss jetzt handeln, das neue achtjährige Gymnasium darf kein Sparmodell sein. Ohne zusätzliche Lehrkräfte wird die Qualität nicht zu halten sein!



Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes
Max Schmidt ist erreichbar unter vorsitzender@bpv.de und unter Tel. 0172/8528255, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern Susanne Arndt unter susanne.arndt@ilo.de und Tel. 0172/8322178 und der Landesvorsitzende der Direktorenvereinigung Karl-Heinz Bruckner unter
karl-heinz.bruckner@kabelmail.de und Tel. 0171/6447668.