BAYER. SCHULERFOLGE PASSEN BLLV-VORSITZENDEM NICHT

Bayerische Schulerfolge passen nicht in das Weltbild des BLLV-Vorsitzenden

Als weitab der konkreten Schulrealität hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die heutige Presseerklärung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes bezeichnet: "Nach der Darstellung dieses Verbandes über die Verhältnisse an unseren Schulen müsste man eigentlich erwarten, dass sich bayerische Schüler tagtäglich vor Angst und Druck scharenweise krampfend auf dem Boden winden. - Als aktiver Lehrer, der die Schulwirklichkeit wahrlich nicht durch die rosarote Brille sieht, muss ich sagen: Das Bild, das der BLLV-Vorsitzenden vom schulischen Alltag zeichnet, hat vielleicht mit der Realität in Ostasien, aber nichts mit der in Bayern zu tun. Es mag ja sein, dass der BLLV-Verbandsspitze die von Bayern belegten Spitzenplätze im jüngsten Schulleistungstest der Bundesländer überhaupt nicht in ihr gesamtschulorientiertes Weltbild passen. Dass man aber auf diese wirklichkeitsverzerrende und polemische Art und Weise die hervorragende Arbeit von Schülern und Lehrkräften gerade auch an Grundschulen in den Dreck zu ziehen versucht, ist nicht nur inhaltlich fragwürdig, sondern zeugt überdies von einem Mangel an Differenzierungswillen und menschlicher Wahrhaftigkeit."

Studie: Bayerisches Schulsystem leistungsfähiger UND gerechter

Der bpv-Vorsitzende bezeichnete es als klares Ergebnis des Grundschulvergleichs, dass das bayerische Schulsystem nicht nur leistungsfähiger, sondern auch gerechter sei als etwa das der Stadtstaaten. In Bayern sei der soziale Gradient (Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft) flacher und geringer, aber auch die Leistungen von Kindern aus bildungsfernen Schichten höher als in den meisten anderen Bundesländern.

Schmidt: "Wir brauchen kein anderes Schulsystem, sondern mehr Zeit für Bildung an allen Schularten."

Zu dem vom BLLV behaupteten massenhaften Übertrittsdruck verwies Schmidt auf eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Dortmund von 2007: Nur 7,7 Prozent der Schüler hatten damals erklärt, sich Sorgen um den bevorstehenden Schulwechsel zu machen. In einer Umfrage unter Gymnasialanfängern und deren Eltern wurde dieser Wert 2009 auch für Bayern bestätigt: Die Frage, ob sie sich an der Grundschule durch den Übertritt unter Druck gesetzt fühlten, beantworteten nur 8,4 Prozent der befragten Schüler mit Ja, 32 Prozent kreuzten die Antwort teils/teils an.

Dagegen gaben über 75 Prozent an, sich auf den Übertritt gefreut zu haben, nur 1 Prozent der Schüler verneinte das, 24 Prozent kreuzten die Antwort teils/teils an. Die große Mehrzahl der Eltern empfand das Übertrittsgutachten der Grundschule als hilfreich, nur 18,5 Prozent sahen dies ganz anders. Nur 3 Prozent der Fünftklässler sagen am Ende ihres ersten Jahres am Gymnasium, dass sie Schwierigkeiten gehabt hätten, sich dort einzuleben.

Allerdings geben über 40 Prozent der Eltern an, dass sich die Freizeitmöglichkeiten ihrer Kinder eindeutig verringert hätten, aber nur 12 Prozent beantworten die Frage mit Ja, ob sie ihren Kindern regelmäßig bei Hausaufgaben helfen müssten. Für den bpv-Vorsitzenden Schmidt ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: "Was wir Lehrer uns wünschen, ist kein anderes Schulsystem, sondern mehr Zeit, um unseren Schülern und unserem Bildungsauftrag noch besser gerecht werden zu können. Dass die Staatsregierung analog zur flexiblen Grundschule mit dem Flexibilisierungsjahr am Gymnasium diesem großen Wunsch von Schüler, Eltern und Lehrern Rechnung tragen wird, ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung."

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Peter Missy, Bayerischer Philologenverband, E-Mail:
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