ÜBERTRITT DURCH FREIEN ELTERNWILLEN UNGERECHTER!

Der Bayerische Philologenverband spricht sich gegen die jüngst erhobene Forderung von Bündnis 90/Die Grünen und des Bayerischen Grund- und Haupt-/Mittelschullehrerverbandes nach der Freigabe des Elternwillens beim Übertritt von der Grundschule auf die weiterführenden Schularten aus.

„Die Forderung ist so alt wie Methusalem und wird auch durch Wiederholung nicht zeitgemäßer“, kritisiert der bpv-Vorsitzende Max Schmidt heute in München. „Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass es gerechter zugeht, wenn die Eltern frei über die weitere Schullaufbahn ihres Kindes entscheiden.“

In diesem Punkt ist sich die Bildungsforschung nämlich mittlerweile so einig wie sonst nur selten: Renommierte Wissenschaftler wie Jürgen Baumert, Klaus Klemm, Kai Maaz und Ulrich Trautwein kommen allesamt zu dem Ergebnis: „Je freier die Elternwahl, desto größer die soziale Ungleichheit.“

Denn Eltern mit hohen Bildungsabschlüssen haben ein großes Interesse, ihren Nachwuchs auf ein Gymnasium zu schicken und setzen sich bei der Freigabe des Elternwillens häufig über die Grundschulempfehlung hinweg. Sozial schwächere Eltern oder Migrantenfamilien sind hingegen deutlich zurückhaltender und folgen eher den Lehrerempfehlungen. Die Freigabe des Elternwillens würde daher letztlich zu mehr Ungerechtigkeit an Bayerns weiterführenden Schularten führen. Die Lehrerempfehlung orientiert sich dagegen wesentlich stärker an den wirklichen Leistungen der Schüler. Sie ist es, die für den einzelnen Schüler und seine Fähigkeiten perspektivisch die geeignetste Schulart findet, nämlich die Schulart, die die beste Förderung für sein Leistungspotenzial erwarten lässt – und zwar unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft.Das muss auch künftig das Ziel des Übertrittsverfahrens sein. „Die Übertrittsempfehlung stellt damit auch kein abschließendes Urteil über die schulische Zukunft der Schüler dar, sondern ist eine Prognose, wo sie in den nächsten Jahren am besten gefördert werden“, so Schmidt abschließend. Dank dem ständigen Ausbau der Durchlässigkeit im bayerischen Schulsystem gibt es mittlerweile, wie etwa der Bildungsforscher und schulpolitische Berater der SPD Klaus Klemm feststellt, kaum noch Lernorte, „von denen aus der höchste Schulabschluss, die allgemeine Hochschulreife, nicht erreicht werden könnte“.