AUSBILDUNG STÄRKEN UND BESSERE INFORMATION

Die Referendar- und Jungphilologenvertretung im Bayerischen Philologenverband stellt Forderungen zum Umgang mit den hohen Bewerberzahlen für das Lehramt am Gymnasium auf

Vergangene Woche hat die Bayerische Staatsregierung Pläne zur Steuerung der Nachfrage von Bewerbern vor allem für das Lehramt am Gymnasium in geisteswissenschaftlichen und sprachlichen Fächern vorgelegt. Grundsätzlich sieht der Bayerische Philologenverband die Notwendigkeit, dass die Regierung aufgrund des großen Bewerberüberhangs reagiert. Jetzt hat die Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung im bpv Lisa Fuchs Forderungen aufgestellt, wie aus Sicht der Betroffenen am besten mit den hohen Bewerberzahlen umzugehen ist.

Kein eigenverantwortlicher Unterricht im 3. Ausbildungsabschnitt

Fuchs erklärte: „Bevor es zu einer Zugangsbeschränkung kommt, sollten Maßnahmen zur Stärkung der Ausbildung und damit zur Entlastung der Referendarinnen und Referendare umgesetzt werden. An erster Stelle steht hier unsere langjährige Forderung nach Abschaffung des eigenverantwortlichen Unterrichts im 3. Ausbildungsabschnitt, in dem der Schwerpunkt auf den Prüfungen des 2. Staatsexamens liegt. Hierbei gleichzeitig die Referendarinnen und Referendare als billige Unterrichtskräfte zu missbrauchen, geht nicht an! Auch eine Stundenreduzierung im Zweigschuleinsatz auf maximal 14 Unterrichtswochenstunden sollte ins Auge gefasst werden, auch durch sie würde der Ausbildungscharakter des Referendariats gestärkt werden!“

Bessere Information und Beratung

Als entscheidend bezeichnete die Vorsitzende auch eine Verbesserung der Information und Beratung für die Betroffenen: „An den Universitäten brauchen wir eine bessere Aufklärung über Berufsaussichten und mögliche Alternativen. Verpflichtende Info-Veranstaltungen sowie eingehende Beratung auch im Zusammenhang mit den Praktika hinsichtlich der Eignung für den Lehrberuf sind dringend erforderlich. Gleichzeitig muss das Ministerium seine Lehrerbedarfsprognose verbessern, v. a. durch eine klare Aufschlüsselung der Fächerkombinationen. Aussagen wie „geringer Bedarf“ sind zu vage und die absoluten Zahlen verraten wenig über einzelne Fächerkombinationen. Zudem hat sich die Bedarfsprognose in den letzten vier Jahren noch weiter verschlechtert. Laut Prognose von 2010 sollte es für 2015 800 Stellen geben, laut Prognose von 2014 sind es nun für 2015 nur noch 620.

Mehrfachqualifizierungen schaffen

Fuchs forderte, Verunsicherung bei den Studierenden zu vermeiden und Angebote für Mehrfachqualifizierungen zu schaffen: „Die Betroffenen brauchen echte Alternativen. Neben dem 1. Staatsexamen muss es die Möglichkeit geben, für vertieft studierte Fächer den Master of Arts oder den Master of Science ohne großen Mehraufwand zu erwerben. Hier muss die Politik Anreize für die Universitäten schaffen, solche Angebote zu machen. Eine Mehrfachqualifizierung der Absolventinnen und Absolventen eröffnet alternative Anstellungsmöglichkeiten an Universitäten oder in der Wirtschaft und sorgt so für mehr Chancen beim Einstieg in eine berufliche Tätigkeit.“

Zugangsbeschränkung darf nur zeitlicher Aufschub sein und muss klaren Kriterien folgen

Im Hinblick auf die angedachte Zugangsbeschränkung stellte die Vorsitzende zudem fest: „Die durch das Grundgesetz gebotene Freiheit der Berufswahl muss gewahrt bleiben! Ein Zugangsverbot ist nicht zulässig, lediglich ein zeitlicher Aufschub ist allenfalls akzeptabel. Falls es tatsächlich zu einer Zugangsbeschränkung kommt, muss klar abgewogen werden, welche Kriterien angesetzt werden – nur durch die Note des 1. Staatsexamens werden pädagogische und soziale Kompetenzen momentan nicht beleuchtet, die erst durch das Referendariat und das 2. Staatsexamen zum Tragen kommen. Somit könnten gerade in den Geisteswissenschaften, wo die Notenschnitte vielfach im 1er-Bereich liegen, viele gute Lehrkräfte erst gar nicht die Möglichkeit erhalten, sich als diese zu beweisen. Wir schlagen vor, zu prüfen, inwieweit Möglichkeiten der Anrechnung einer Lehrtätigkeit vor dem Referendariat bestehen.“

Vertrauensschutz gewährleisten und Umorientierung ermöglichen

Für diejenigen, die dieses Jahr mit dem Studium fertig werden, forderte Fuchs Vertrauensschutz: „Wer kurz vor dem Examen steht, kann sich nicht mehr umorientieren. Für diese Studierenden muss Vertrauensschutz gelten! An Lehramtsstudierende im sprachlich-gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, die noch nicht so weit sind und eher mittelmäßige Noten haben, appelliere ich, sich gegebenenfalls frühzeitig umzuorientieren, eventuell auch in Richtung Lehramt Mittelschule oder Lehramt Berufsschule. Hier müssen an den Universitäten entsprechende unkomplizierte Möglichkeiten geschaffen werden!“