EXAMEN: SEHR GUT, ANSTELLUNG: KEINE

Pressemitteilung der rjv

Examen: sehr gut, Anstellung: keine

Selbst Spitzenlehramtsabsolventen bleibt der Weg in die Schule verwehrt


Schockiert zeigt sich die Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband angesichts der momentanen Einstellungssituation an Gymnasien in Bayern. So werden zum Halbjahr nur ca. 170 Bewerber von über 800 fest in das Beamtenverhältnis auf Probe übernommen, das entspricht einer Quote von nur etwa 20% der Absolventen, wobei die modernen Fremdsprachen und Geisteswissenschaften wie in den letzten Jahren nahezu leer ausgehen. Selbst mit Bestnoten von 1,0 gibt es teilweise kein Angebot von Seiten des Freistaats.

Die Vorsitzende der rjv, Lisa Fuchs aus München, verweist dabei auf Entwicklungen, die den Vertretern der Referendare schon länger ein Dorn im Auge sind und nun verstärkt zur dramatischen Situation beigetragen haben:

So müssen die meisten Referendare einerseits über ihre Unterrichtsverpflichtung von 11 Wochenstunden hinaus tatsächlich 17 Wochenstunden im Einsatzjahr unterrichten – ein Relikt aus Zeiten des Lehrermangels – und werden so als billige „Unterrichtsaushilfe“ missbraucht, durch die sie eigenverantwortlich etwa eine Dreiviertellehrerstelle abdecken, andererseits wird als Begründung für die geringen Stellenangebote auf die hohe Zahl der Referendare verwiesen, die alle entsprechend eingesetzt werden müssen, aber folglich den aktuellen Absolventen die Stellen wegnehmen.

„Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, wir fordern seit Jahren eine Reduzierung dieser Stundenzahl auf maximal 14 – dies kommt der Ausbildung und letztlich den bayerischen Schülerinnen und Schülern zugute“, erklärt Fuchs.

Hinzu kommt, dass auch im letzten Ausbildungsabschnitt, also während der Prüfungen zum Zweiten Staatsexamen, weiterhin eigenverantwortlicher Unterricht von den Referendaren geleistet werden muss, z.T. sogar fachfremd. Eine von Seiten der rjv von Februar 2012 zu diesem Thema eingegebene Petition an den Landtag hat dieser lediglich zum „Material“ genommen. „Das Problem ist im Maximilianeum bekannt, nur wird es aus finanziellen Aspekten nicht weiter beachtet“, meint Benedikt Mayer, stv. Vorsitzender der rjv.

Laut rjv ist es dem bayerischen Steuerzahler nur schwer zu vermitteln, wenn einerseits Steuermittel für die Ausbildung der angehenden Lehrer an bayerischen Universitäten und dann an Schulen aufgewendet werden, diese andererseits aber anschließend vom Freistaat nicht übernommen werden und sich aufgrund mangelnder Perspektiven z.B. in andere Bundesländer umorientieren, während in den Schulen selbst immer noch Bedarf an Lehrkräften besteht und in zu großen Klassen unterrichtet wird.

Gerade in Anbetracht der Vielzahl an neuen Aufgaben, die den Schulen in letzter Zeit aufgetragen wurden, wie der Umsetzung der Inklusion, der individuellen Förderung und Differenzierung sowie des Ausbaus an Ganztagsangeboten, ist es nicht nachvollziehbar, die in den Schulen benötigten Ressourcen in Form von hochqualifizierten Fachkräften nicht bereit zu stellen, denn seit Hattie sollte bekannt sein, dass es in Hinblick auf den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler in großem Maße eben auf die Lehrer ankommt!

Die rjv wird sich weiterhin vehement für eine Verbesserung der Situation der Referendarinnen und Referendare einsetzen.


Die rjv-Vorsitzende Lisa Fuchs ist unter 0160/97700601 erreichbar.