WO ABITUR DRAUF STEHT, MUSS AUCH ABITUR DRIN SEIN!

Anlässlich der Entlassung der bayerischen Abiturienten fordert der Bayerische Philologenverband die langfristige Qualitätssicherung der Hochschulreife

Morgen erhalten die bayerischen Abiturientinnen und Abiturienten ihre Zeugnisse – viele mit guten und sehr guten Noten. „Dies ist zunächst einmal ein Anlass zur Freude und ich gratuliere allen Absolventinnen und Absolventen sehr herzlich! Sie dürfen gemeinsam mit ihren Eltern und den Lehrkräften stolz auf ihre Leistungen sein!“, erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt. „Andererseits aber“, führte der Vorsitzende weiter aus, „muss diese Entwicklung auch nachdenklich stimmen. Das Niveau des Abiturs in Deutschland insgesamt wurde ja in den letzten Wochen zu recht bereits in den Zeitungen kritisch diskutiert. Eine Noten-Inflation birgt zweierlei Gefahren in sich, die nicht zuletzt zu Lasten derjenigen gehen, die die Noten erhalten: Zum einen geht die Trennschärfe verloren. Wenn alle immer besser werden, worin liegt dann noch die Aussagekraft der Noten? Zum anderen darf das Abitur nicht zur Mogelpackung werden! Wo Abitur drauf steht, muss auch Abitur drin sein! Das heißt, das Abitur darf nicht nur eine Hochschulzugangsberechtigung sein, sondern muss eine breite allgemeine Hochschulreife gewährleisten. Wer das Abitur hat, muss auch ein Studium erfolgreich abschließen können. Hier mache ich mir freilich um die guten und sehr guten Abiturientinnen und Abiturienten keine Sorgen, aber wir verzeichnen seit dem ersten Abitur im achtjährigen Gymnasium auch einen Anstieg an Abschlussnoten im letzten Notendrittel, während die Mitte dünner wird. Knapp 30 Prozent der Studierenden brechen bereits jetzt ihr Studium ab. Das ist sowohl für die Betroffenen schlimm, die dadurch zudem Zeit auf ihrem Lebensweg verlieren, als auch gesamtgesellschaftlich unsinnig und schädlich. Das achtjährige Gymnasium war ja mit dem Anspruch angetreten, Ausbildungszeiten zu verkürzen. Dieser kann offensichtlich nicht eingelöst werden und ist von seiner Zielsetzung her auch falsch. Vielmehr muss es darum gehen, dass möglichst alle, die das Abitur haben, auch tatsächlich die Qualifikationen besitzen, die ihnen mit diesem bescheinigt werden. Während es vielen im jetzigen Gymnasium kein Problem macht, diese zu erreichen, gibt es auch immer mehr, für die dies eine sehr große Herausforderung darstellt. Die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums muss sich deshalb daran orientieren, die Qualität des Abiturs auf breiter Basis zu sichern. Acht Jahre für alle sind hier anscheinend der falsche Weg! Individuelle Bildungswege brauchen zeitliche Flexibilität. Die Eckpunkte unseres Verbandes für ein weiterentwickeltes bayerisches Gymnasium bieten diese Flexibilität für alle Schülerinnen und Schüler.“