BPV WARNT: BELASTUNGSBOGEN NICHT ÜBERSPANNEN

Laut einer bundesweiten Untersuchung sehen sich gymnasiale Lehrkräfte einer hohen beruflichen Belastung ausgesetzt. Der Bayerische Philologenverband sieht Handlungsbedarf

Erstmals wurde deutschlandweit in einer Studie die Arbeitsbelastung und gesundheitliche Verfassung gymnasialer Lehrkräfte untersucht. Rund 19.000 Lehrerinnen und Lehrer folgten dem Aufruf des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) und beteiligten sich an der LaiW-Studie (Lehrerarbeit im Wandel), die von der DAK-Gesundheit unterstützt und vom Institut für Präventivmedizin (IPM) der Universität Rostock durchgeführt und ausgewertet wurde.

„Wir müssen aufpassen, dass wir den Belastungsbogen der Lehrkräfte nicht überspannen“, warnt Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv).

Hohe Belastung der Lehrkräfte
Tatsächlich geben die Ergebnisse Anlass zur Sorge und das nicht nur bundesweit, sondern auch in Bayern. Zwei Drittel der bayerischen Gymnasiallehrkräfte gaben an, dass die berufliche Belastung hoch beziehungsweise sehr hoch ist.

Die Gründe dieses deutlichen Ergebnisses sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor ist das sehr hohe Arbeitspensum. Lange Arbeitszeiten während der Woche und auch ein arbeitsreiches Wochenende geben 72 Prozent der Lehrkräfte wenig Raum und Zeit für eine ausreichende Erholung.

Fehlende Ruhezonen
Auch im Schulalltag sind die nötigen Pausen nur begrenzt. 66 Prozent gaben an, dass zwischen den Unterrichtsstunden die gebotene Erholung zu kurz kommt. Dies ist auch auf die fehlenden Ruhezonen für Lehrkräfte innerhalb der Schule zurückzuführen. Bei 70 Prozent der Befragten sind diese im Schulgebäude gar nicht vorhanden.

„An vielen Schulen gibt es faktisch keinen echten Ruhe- und Pausenbereich für die Lehrkräfte. Angesichts langer Schultage und eines hohen Lärmpegels sind diese aber dringend notwendig“, fordert Schwägerl.

Verbessert hat sich wenig
Die Studie bestätigt eine Tendenz, die schon seit Jahren bekannt ist. Bereits die vielbeachtete und umfassende Studie von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt (Titel: „Halbtagsjobber?“) aus dem Jahr 2004 weist ähnlich hohe Zahlen auf. Schon damals wurde auf fehlende Pausen, ein arbeitsreiches Wochenende sowie ein insgesamt hohes Arbeitspensum hingewiesen.

„Die aktuelle Studie bestätigt die 15 Jahre alten Ergebnisse von Professor Schaarschmidt“, stellt Schwägerl fest. „Leider hat sich die berufliche Situation der Lehrkräfte seitdem nicht verbessert.“

Hohe Arbeitsmoral
Trotz dieser hohen Belastung ist die Arbeitsmoral der Lehrerinnen und Lehrer sehr hoch, was nicht untypisch ist für einen durch Idealismus geprägten und sozialen Berufsstand.

Dies zeigt sich auch an einer geringen Krankheitsquote. Laut den Ergebnissen der LaiW-Studie haben 51 Prozent der Lehrkräfte im vergangenen Jahr nur ein bis neun Tage krankheitsbedingt gefehlt, 27 Prozent sogar nicht einen einzigen Tag. Gerade die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen und deren Wertschätzung sowie die gute Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums sind bei den bayerischen Lehrkräften große Motivatoren für die geleistete Arbeit.

Diese hohe Motivation der Kolleginnen und Kollegen dürfe aber laut Schwägerl nicht überstrapaziert werden. „Gesunde und zufriedene Lehrkräfte sind der beste Indikator für guten Unterricht und damit für die Bildung der Kinder und Jugendlichen.“

Waisenkinder Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung
Auch die bayerische Staatsregierung weiß grundsätzlich um die hohe Arbeitsbelastung gymnasialer Lehrkräfte. Bereits im Sommer 2018 kündigte sie an, ein Arbeitsmedizinisches Institut für Schulen (AMIS) zu installieren. Betont wurde dabei auch, dass der Arbeitsschutz und die Gesundheitsförderung in bayerischen Schulen einen hohen Stellenwert für die bayerische Staatsregierung haben. Leider vollzieht sich der Aufbau des AMIS nur schleppend.

Forderungen des bpv
Dabei ist eine Entlastung der Lehrkräfte dringend geboten. Um die schulischen Rahmenbedingungen zu verbessern, stellt der bpv die folgenden Forderungen in den Mittelpunkt:

· Ausgleich von Zusatzaufgaben durch zeitliche Ressourcen

· Ausbau der integrierten und mobilen Lehrerreserve

· Einstellung von zusätzlichen Verwaltungs- und IT-Fachkräften

· Schaffung von ruhigen Rückzugsorten für Lehrkräfte in der Schule

· Beschleunigung des Aufbaus des Arbeitsmedizinischen Instituts für Schulen (AMIS)


Die Presserklärung des Deutschen Philologenverbandes sowie die detaillierten Bundesergebnisse der LaiW-Studie finden sich unter: www.dphv.de.