JEDE SCHULE BRAUCHT EINEN HYGIENE-EXPERTEN!

Virologin der TU München Prof. Dr. Ulrike Protzer und bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl einig:

Gute Hygienekonzepte alleine reichen nicht, alle Schulen brauchen einen Hygieneexperten in der Verwaltung, der in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt steht. Bei dieser Forderung sind sich die Virologin der TU München, Prof. Ulrike Protzer, und der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv), Michael Schwägerl, einig.

Experten an den Schulen

Für den Regelbetrieb an allen Schulen im September werden jetzt die Vorbereitungen getroffen. Prof. Protzer fordert dafür Hygieneexperten: „Zentrale Aufgabe ist es jetzt, wo das Infektionsgeschehen ruhig verläuft, gute Hygienekonzepte zu erarbeiten. Die Schulen können das jedoch nicht allein, dafür braucht es dringend die entsprechende Unterstützung aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst, also zum Beispiel der Gesundheitsämter. Auch im Krankenhausbereich sind Personen vor Ort für die Umsetzung solcher Konzepte verantwortlich. Deshalb sollte es an jeder Schule eine Person geben, die gezielt im Bereich Hygienekonzepte und deren Umsetzung geschult ist. Wenn eine Infektion auftritt, muss sie möglichst schnell reagieren, also Lehrkräfte, Eltern und Schüler informieren und den Kontakt zum Gesundheitsamt herstellen. Das wird für lokale Infektionsausbrüche und deren Beherrschung sehr wichtig sein."

Auch der Bayerische Philologenverband fordert schon länger solche Experten: „Es ist wichtig, dass eindeutig geklärt ist, wer als Bindeglied zwischen Schulverwaltung und Gesundheitsbehörden fungiert. Dazu ist die Einrichtung von Hygieneexperten eine sehr sinnvolle Idee. Hier könnte man zum Beispiel auf die Expertise der Kollegen zurückgreifen, die bereits an die Gesundheitsämter abgeordnet wurden. Auch die Sicherheitsbeauftragten, Lehrkräfte mit entsprechenden Fächern (zum Beispiel Biologie, Chemie oder Sport) oder Verwaltungsmitarbeiter kämen hier infrage. Wichtig ist aber in jedem Fall, dass diese geschult und mit Zeitkontingenten ausgestattet werden. Eine kurzfristige Abhilfe für den Herbst könnte man durch zusätzliche Corona-Koordinierungsstunden für die Schulleitung oder einen Hygienebeauftragten erreichen" erläutert Michael Schwägerl, der Vorsitzende des bpv.

Was die Schulen jetzt beachten müssen

Aus Sicht von Prof. Protzer gibt es zentrale Inhalte, die ein Hygienekonzept an Schulen haben sollte: „Wenn eine Infektion auftritt, sollte nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden. Man muss sich auf eine Gruppe fokussieren können. Dazu müssen aber die Rahmenbedingungen geschaffen werden: Keine Durchmischung über Klassen hinweg, Limitierung der Klassengrößen und Staffelung der Pausenzeiten. Auch die räumlichen Gegebenheiten und die Wege zum und vom Klassenzimmer müssen beachtet werden. Aufgabe der Hygieneexperten wäre es dann, passgenaue Konzepte zu erstellen, ihre Durchführung sicherzustellen und Änderungen flexibel anzupassen."

„Wir alle wünschen uns ein Stück weit die Normalität an den Schulen zurück. Um aber ganze Klassen unterrichten zu können, ist es wichtig, tragfähige Konzepte zu haben und diese umsetzen zu können. Corona und andere Infektionen werden uns noch länger begleiten, deswegen brauchen die Schulen Begleitung und Unterstützung durch Hygiene-Experten“, schließt Schwägerl ab.