STATEMENT DES BPV ZU SCHULÖFFNUNGEN UND ABITUR

Der Bayerische Philologenverband (bpv) begrüßt das Vorgehen der Staatsregierung hinsichtlich der schrittweisen und verhaltenen Schulöffnungen im Rahmen einer gleichzeitigen Lockerung der Beschränkung in anderen Bereichen der Gesellschaft. Gleichzeitig warnt der Verband aber auch vor einer hohen Belastung sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern.

Abitur 2020

Michael Schwägerl, Vorsitzender des bpv, meint: „Es ist wichtig und richtig, die Schulen für die Abiturienten am 27. April wieder zu öffnen. Einerseits müssen sich die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrkräften auf die Prüfungen vorbereiten und relevante Inhalte behandeln können. Andererseits kann von dieser Jahrgangsstufe die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln erwartet werden. Die Abiturienten haben jetzt genügend Raum – in zweierlei Hinsicht: Sie können im ansonsten leeren Schulhaus angemessen und mit genügend Abstand lernen und sie haben zeitlichen Raum für die Vorbereitung auf das Abitur.“
Schwägerl weist in diesem Zusammenhang jedoch auf grundlegende Schwierigkeiten bei der zwölften Jahrgangsstufe hin:

- Es gibt einzelne Abiturienten, die zum Beispiel wegen eines Südtirolaufenthalts seit den Faschingsferien nicht mehr im Unterricht waren und noch Klausuren nachholen müssen.
- Manche Schulen waren schon vor dem 16. März komplett oder für einzelne Jahrgänge geschlossen.
- In manchen Fächern wurden vor der Schulschließung noch Klausuren geschrieben, andere sind noch offen.
- Referate oder andere mündliche Leistungsnachweise konnten nicht oder nur teilweise erbracht werden.

Aufgrund dieser Unterschiede - sowohl teilweise innerhalb einer Schule als auch zwischen Schulen - fordert der bpv, über eine Anpassung des aktuellen Fahrplans zum Abitur nachzudenken. Ziel muss es sein, vor den Abiturprüfungen möglichst vergleichbare und faire Ausgangsbedingungen für alle Abiturientinnen und Abiturienten in Bayern sicherzustellen.

Zeit für alle anderen


Genauso wichtig ist es aus Sicht des bpv, dass für die anderen Klassen eine schrittweise Öffnung der Schulen ab 11. Mai vorgesehen ist. „Es ist ein gutes Signal, dass Bayern hier vorsichtiger agiert. Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Und die Schulen haben vor Ort genügend Zeit zur Vorbereitung, bis dann erste Schulklassen wieder einsteigen“, kommentiert Schwägerl und ergänzt: „Eine schrittweise Öffnung ab dem 11. Mai bedeutet aber auch: Alle Klassen werden noch drei Wochen von zuhause lernen müssen, viele sogar noch länger. Insofern müssen die bestehenden Konzepte jetzt angepasst und erweitert werden. Neuer Schulstoff ist über die Distanz nur eingeschränkt oder gar nicht vermittelbar, Kommunikation und Kollaboration leiden. Wenn die Klassen sechs Wochen oder noch länger keinen regulären Unterricht hatten, muss auch über eine Anpassung der Lehrplaninhalte und der Anzahl der Leistungserhebungen nachgedacht werden.“

Der Lehrer zwischen Schule und Homeoffice

Gerade für die Lehrkräfte ist diese Zeit dann besonders anstrengend. „Zum Unterrichten der Q12 muss die Kollegin dann schnell in die Schule, beantwortet Fragen zum Abitur und beruhigt ihre Schüler. Wieder zuhause warten dann die anderen Klassen im Homeoffice - und das unter erschwerten Bedingungen, die mitunter auch psychisch belastend sind.“ Selbstverständlich tragen auch wir Lehrkräfte unseren Teil zur Bewältigung der Krise bei. Durch ihr Alter, Vorerkrankungen oder Schwangerschaften sind jedoch viele Kolleginnen und Kollegen in den Risikogruppen. Zudem sind auch Hunderte an die Gesundheitsämter abgeordnet. Deswegen muss der Staat alles tun, um die verbliebenen einsetzbaren Lehrkräfte nicht unnötig zu belasten”, schließt Schwägerl ab.