STUFENPLAN EINHALTEN, IMPFEN AUSWEITEN

Philologenverband kritisiert geplantes Bundesgesetz und fordert viel mehr Impfangebote für alle Lehrkräfte

„Niemand aus der Schulpraxis versteht, warum Schulen plötzlich bis zu einer Inzidenz von 200 geöffnet bleiben können. Dieser Vorschlag erhöht die Infektionsrisiken an Schulen und damit für das ganze Land. Umsicht und Vorsicht sehen anders aus. Das darf in Bayern keinesfalls umgesetzt werden. Am Stufenplan mit Grenzwert 100 muss festgehalten werden“, kommentiert Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv).

Schrittgeschwindigkeit statt Impfturbo

Außerdem rückt Schwägerl Aussagen von Kultusminister Piazolo zurecht: „Die Politik spricht immer wieder davon, dass die Lehrer geimpft werden – es ist bereits zu einem Narrativ verkommen. Die Wahrheit ist: Den wenigsten Kolleginnen und Kollegen an weiterführenden Schulen werden priorisiert Impfangebote unterbreitet. Die Politik redet viel, passiert ist zu wenig – ein Osterwunder sieht anders aus. Tausende Pädagogen stehen seit gestern in den Klassenzimmern, müssen die Selbsttests der Schüler ohne zusätzlichen Schutz beaufsichtigen und warten immer noch auf ihre Erstimpfung. Fakt ist: Der Impfturbo hat bei den Lehrern nicht gezündet, der Impfmotor fährt Schrittgeschwindigkeit, da muss noch mehr gehen. Andere Bundesländer machen es vor!“

Impfstraßen der Polizei für Lehrer öffnen

Eine Möglichkeit, die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, sieht Schwägerl in den Impfstraßen der Polizei: „Wenn in den nächsten Tagen im Bereich der Polizei und Justiz alle Impfwilligen auch ein Angebot bekommen haben – und danach sieht es aus – dann könnte die vorhandene Infrastruktur für Lehrkräfte geöffnet bleiben. Die Impfstraßen bei der Polizei funktionieren und haben sich bewährt. Warum sollen nicht auch Lehrkräfte davon profitieren? Kultus- und Gesundheitsminister müssen nur genügend Impfdosen besorgen und der Innenminister die Impfstraßen noch etwas geöffnet lassen. Das wäre ein wichtiges Signal, dass die Zusammenarbeit im öffentlichen Dienst über Ressortgrenzen hinweg pragmatisch funktioniert, gerade in Pandemiezeiten!“