MATHEABITUR 2019

Korrekturergebnisse aller Abiturprüfungen abwarten

Michael Schwägerl, der Vorsitzende des bpv, meint: „Wir begrüßen es, dass das Ministerium nun nicht vorschnell und aktionistisch in die Ergebnisse des Matheabiturs eingreift. Noch liegen die Prüfungen auf den Schreibtischen unserer Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Die Rückmeldungen, die wir erhalten haben, sind sehr heterogen und auch die Äußerungen des Kultusministers lassen noch keine umfassende Beurteilung des Matheabiturs zu. Rein mathematisch scheinen die Aufgaben lehrplankonform und angemessen gewesen zu sein. Die ‚Verpackung‘ der Aufgaben hat durch die Kompetenzorientierung tendenziell zugenommen. Allerdings: Sieht man sich an, wieviel Text pro Bewertungseinheit dieses Jahr im Vergleich zum vermeintlich leichten Matheabitur letztes Jahr zu lesen war, kann man den im Raum stehenden Vorwurf einer plötzlich viel größeren Textlastigkeit nicht bestätigen.“

Endgültiges Ergebnis der Prüfungen abwarten

Schwägerl empfiehlt weiterhin, die endgültige Korrektur aller Prüfungen abzuwarten und warnt vor übereilten Entscheidungen. „Weshalb die Meinungen zur Schwierigkeit der Matheprüfung auseinandergehen, darüber kann man zurzeit nur spekulieren. Umso wichtiger ist es, dass jetzt eine erste Einschätzung des Ministeriums vorliegt und sich Schüler und Lehrer auf die kommenden beiden Prüfungswochen konzentrieren können.“

Vollkommene Vergleichbarkeit ist nicht erreichbar

Schwägerl fährt fort: „Wir fühlen mit unseren Schülerinnen und Schülern, die nach zwei lernintensiven Oberstufenjahren ihr Abitur nicht mit einem enttäuschenden Ergebnis abschließen wollen. Auch der Wunsch nach einer Prüfung, deren Ergebnisse einen weitgehend gerechten Vergleich mit anderen Jahrgängen und Bundesländern erlauben, ist verständlich und berechtigt. Die vollkommene Vergleichbarkeit von individuellen Leistungen von Schülern bleibt aber selbst bei einem deutschlandweiten Zentralabitur eine Illusion. Denn wir bräuchten vorher auch dieselben Lehrpläne, dieselbe Oberstufenstruktur, dieselbe Schulausstattung, dieselben Lehrer, denselben Unterricht, dieselben Mitschüler, dieselbe Unterstützung aus dem Elternhaus – das ist eine Utopie. Die Frage ist: Wie viel Vergleichbarkeit ist zu erwarten – und um welchen Preis? Wenn man ein anspruchsvoll eingeschätztes Matheabitur ‚hochkorrigiert‘, muss man dann ein eher leicht eingeschätztes im nächsten Jahr nicht auch ‚runterkorrigieren‘? Bisher gibt es leider noch keinen überzeugenden Ansatz, eine Absenkung des Abiturniveaus zu verhindern und gleichzeitig die bundesweite Vergleichbarkeit wesentlich voranzubringen.“

Abiturnote setzt sich aus vielen Einzelnoten zusammen

Schwägerl schließt ab: „Absolute Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit herstellen zu können, bleibt eine Wunschvorstellung. Jeder Eingriff kann neue Ungerechtigkeiten an anderer Stelle hervorrufen. Deswegen müssen unbedingt die Ergebnisse der anderen Abiturprüfungen vorliegen. Und auch die Vorleistungen aus den zwei Oberstufenjahren dürfen nicht vergessen werden. Denn die Abiturnote setzt sich zu zwei Dritteln aus den Vorleistungen und nur zu einem Drittel aus den fünf Abiturprüfungen zusammen. Das Matheabitur macht also nur knapp 7% der Gesamtnote aus.“


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