SIGNAL IM NEBEL

Der KMK-Beschluss wirft Fragen auf

„Der Beschluss der KMK setzt ein positives Zeichen, ist aber im Grunde nicht mehr als eine Absichtserklärung. Wir hätten uns hier mehr Klarheit gewünscht. Letztlich ist der Beschluss eine Signalrakete, die in dichtem Nebel abgefeuert wird. Die Richtung ist klar, man sieht aber dennoch nicht genau, was vor einem liegt“, fasst Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) zusammen.
Für den Verband, der die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, ist klar: Die komplette Rückkehr aller Schülerinnen und Schüler funktioniert nur ohne die Abstandsregel von 1,5 Metern. Das war aber immer der zentrale Pfeiler bei der Eindämmung der Infektion. Deswegen wirft die KMK-Erklärung mehr Fragen auf, als sie beantwortet. „Wenn die Abstandsregel in der Schule fällt, fällt sie dann auch in der Öffentlichkeit? Werden Schüler und Lehrer kontinuierlich auf Covid-19 getestet? Oder werden Antikörperuntersuchungen durchgeführt? Wird bei weniger als 1,5 Meter die Maskenpflicht erweitert und auf die Klassenzimmer ausgedehnt? Wenn Kinder weniger infektionsgefährdet sind, was ist dann mit den vielen jungen Erwachsenen an unseren Schulen?“, fragt Schwägerl.

Mit Covid-19 leben und lernen

Schwägerl fordert aufgrund dieser Ungewissheit, dass die Schulen in jedem Fall für ein erneutes Aufflammen der Infektion ertüchtigt werden: „Ob alle Schulen im September wieder komplett öffnen, weiß niemand. Umso wichtiger ist es, dass überall die hygienischen Voraussetzungen geschaffen werden. Leihgeräte bei Schülern und Dienstgeräte bei Lehrern müssen vorhanden sein, das Lernen Zuhause muss sichergestellt werden. Eine Überraschung wie im März können wir uns nicht mehr leisten.“

Unterstützungsangebote ausbauen

Außerdem fordert der Verband, die Angebote für die Schüler im neuen Schuljahr auszubauen. „Wir brauchen zunächst klare Lernstandtests und dann individuelle Lösungen für die Schüler, um Corona-Lücken aufzufangen. Deshalb fordern wir zeitliche und personelle Ressource für Unterstützungsangebote an den Schulen und auch den Ausbau der mobilen Reserve, um ausfallende Lehrkräfte in Risikogruppen zu ersetzen. Wir können jetzt nicht reihenweise die Schüler auf Probe vorrücken lassen, ohne sie dann adäquat unterstützen zu können.“


(C) bpv - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken