Wie es Referendaren in der Corona-Krise geht

rjv setzt Forderung durch:

ReferendarInnen des 1. Ausbildungsabschnittes dürfen ihre erste Lehrprobe im nächsten Halbjahr an ihrer Einsatzschule absolvieren.

Der Prüfungszeitraum für das Ablegen der ersten Prüfungslehrprobe, der regulär am 10. Juli 2020 endet, wird bis einschließlich 12. Februar 2021 verlängert. Dies ermöglicht es den ReferendarInnen vor der Lehrprobe genügend Unterrichtserfahrung zu sammeln.

Damit reagiert das KM mit dem aktuellsten KMS auf die Forderungen rjv.

Für die Forderung der optionalen Reduzierung des Stundendeputats auf 10 Stunden auch im Einsatzjahr, gibt es noch keine weitere Verordnung durch das KM. Die rjv bleibt aber für euch am Ball und arbeitet auf Hochtouren an weiteren Lösungsvorschlägen.

Caroline Drebinger


rjv Erfolg!

Der Minister kündigt, die von uns geforderten, flexiblen Lösungen an, um so Planungssicherheit für die Examenskandidaten zu gewährleisten. Es ist ein nächster wichtiger Schritt im Sinne aller Studierender, die sich lange auf ihre Prüfungen vorbereitet haben. Nun herrscht Klarheit darüber, dass alle die Möglichkeit erhalten sollen, im September ins Referendariat zu starten, sofern sie ihre Prüfungen bestehen. Fehlende Korrekturen, die es aufgrund der Verschiebung des Prüfungszeitraumes geben könnte, sollen kein Problem für die Prüfungsteilnehmer darstellen.

„Mit unseren Maßnahmen wollen wir sicherstellen, dass unsere Studierenden je nach persönlicher Situation Handlungsalternativen haben. Deswegen setzen wir auf pragmatische und flexible Lösungen. Wer die Prüfungen nicht bestanden hat oder sich verbessern möchte, kann dies also zum nächstmöglichen Zeitpunkt tun. Alle anderen Fristen bzgl. des laufenden Sommersemesters werden entsprechend verlängert. Wir möchten unseren Studierenden auch in diesem Ausnahmesemester faire Rahmenbedingungen für eine Lehrerausbildung auf hohem Niveau bieten“, so Piazolo.

Über diesen Schritt freuen wir uns sehr und wünschen allen Examenskandidaten weithin viel Erfolg!
Bleibt gesund und zuversichtlich!

Quirin Borchert
rjv Vorsitzender


rjv Erfolg!

Wir freuen uns sehr, dass das Ministerium umgehend auf unsere Forderung reagiert hat und den Studierenden einen Freiversuch ermöglicht. Dies soll den Druck nehmen und möglichst faire Bedinungen für alle Schaffen, wie auch der Minister in seiner Erklärung betont: „Es ist mir wichtig, dass unsere angehenden Lehrerinnen und Lehrer durch diese Ausnahmesituation nicht unnötig unter Druck geraten. Deswegen möchte ich den Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmern einen Freiversuch eröffnen, also eine zusätzliche Möglichkeit zur Wiederholung der Prüfung“, betont Kultusminister Michael Piazolo heute in München.

Dies ist ein wichtiges Zeichen für alle, die gerade in der Prüfungsvorbereitung stecken und sich mit einigen anderen Sorgen belastet sehen. Dennoch kann so die Qualität der Ausbildunsg sichergestellt werden, wie auch der Staatsminister festhält: „Das Erste Staatsexamen steht für eine ausgezeichnete universitäre Lehrerausbildung in Bayern – und diesem Qualitätsanspruch wollen wir auch in diesem Jahr gerecht werden“, so Piazolo. „Natürlich verstehe ich die Sorgen unserer Studierenden und nehme ihr Anliegen sehr ernst. Sie können ihre Studienleistungen mit dem Staatsexamen zu einem guten Abschluss bringen. Dafür wünsche ich ihnen viel Erfolg!

Diesen Wünschen wollen wir uns an dieser Stelle anschließen.
Bleibt gesund und zuversichtlich!

Quirin Borchert
rjv Vorsitzender


rjv Forderung

Die Prüfungen des 1. Staatsexamens werden wieder aufgenommen. In diesen unsicheren Zeiten fordern wir, dass der Freiversuch, wie in §16 der LPO I beschrieben, für alle Prüflinge vom Frühjahr 2020 gilt.

Diese Forderung soll allen gerecht werden, denjenigen, die sich durch Corona benachteiligt sehen und daher eine Lockerung fordern (Hochrechnung der Examensnote oder alle bestehen und es kommt nur auf die Note an), und allen, die um ihre Chancengleichheit fürchten, wenn dieser Jahrgang deutlich bessere Examensnoten hat, da keine Prüfung stattfindet.

Insofern sind wir dafür, dass die regulären Prüfungen stattfinden, aber auch, dass keiner wegen dieser einmaligen Situation sein Examen nicht erhält.

Ein Freiversuch wird diesem gerecht. Jeder hat also auch nach diesem Halbjahr genausoviele Versuche (2 weitere), wenn er es nicht schafft. Dies kommt einigen entgegen. Diejenigen die es schaffen, können schon jetzt ihr Examen zur Notenverbesserung nochmals schreiben. Dennoch muss es regulär abgelegt werden. Von daher sind wir für diese Lösung.


Die Gefühlsachterbahn „Corona“

Studienreferendar Matthias Paun erzählt über seine Arbeit im Homeoffice


„Na, wie sind die Coronaferien? Wie viele Staffeln hast du auf Netflix schon gesehen?“ Ungefähr so beginnt seit drei Wochen jedes Telefongespräch mit Freunden, die nicht im Berufsfeld Schule heimisch sind. Ferien? Netflix? Dass ich nicht lache. Oder sollte ich eher weinen? Denn seitdem das Corona-Chaos auch das bayerische Paradies heimsucht, arbeite ich gefühlt härter, länger und intensiver als zuvor.

Aber ich möchte von vorne beginnen zu erzählen: Mein Name ist Matthias Paun, bin frisch im zweiten Ausbildungsabschnitt und unterrichte somit seit Mitte Februar Mathematik und Latein an meiner Einsatzschule. Beim Wechsel von meiner Seminarschule in München hatte ich Glück: denn ich durfte wieder in die Heimat. Trotzdem war damit ein stressiger Umzug an einem Wochenende verbunden, wie ihn die Referendare nur allzu gut kennen. Ich war also froh, dass ich nach den Faschingsferien endlich in Ruhe an meinem neuen Arbeitsplatz ankam. Endlich eigenverantwortlich unterrichten, neue Dinge ausprobieren, neue Erfahrungen sammeln! Doch mein Glück sollte bald getrübt werden. Corona hatte sich nämlich seinen Weg nach Deutschland gebahnt und die Schulen wurden mehr oder weniger von heute auf morgen geschlossen. Ein Schock! Gerade angekommen und sortiert, da war alles schon wieder durcheinander. Darauf war ich nicht vorbereitet. Was passiert mit meinen Stoffverteilungsplänen, Schulaufgabenterminen, Lehrprobenvorhaben, Hausarbeit…? Stop, stop, go: so lernt man es doch in den Psychologiefachsitzungen. Tatsächlich es half: Nach der ersten Aufregung kam die Erkenntnis, dass es nicht nur mir so ging. Denn wenn man ehrlich ist, war niemand darauf vorbereitet. Es würde schon irgendwie gehen, dachte ich mir und machte mich ans Werk, Arbeitsaufträge zu erstellen. Für die erste Woche noch recht einfach gestrickt: Einführungsvideo mit YouTube, Arbeitsblatt als Hefteintrag, Übungsaufgaben mit Lösungen und Hausaufgabe, die mir meine Schüler am Ende der Woche zuschicken müssen. Dazu noch das Angebot, Fragen per Mail stellen zu können oder auch einer Telefonsprechstunde. Und ich war erstaunt, meine Schüler bearbeiteten ihre Arbeitsaufträge, die meine Schule ihnen am Montag für jedes Fach gesammelt per Mail geschickt hatte. Ich war froh (und bin es noch), wie meine Schule die Verteilung der Arbeitsaufträge geregelt hat. Während Freunde aus dem Referendariat oder andere Lehrer von anderen Schulen über Mebis klagten, lief bei mir alles wie am Schnürchen. Mebis und digitales Lernen: ja, richtig digitalen Unterricht hielt ich nicht in der ersten Woche! Digitaler Unterricht – was heißt das eigentlich? Und da war sie: die erste Abwärtsfahrt der Gefühle. Es plagte mich das schlechte Gewissen und natürlich hinterfragt man sich als Lehrer. Aber das ist für einen Referendar nichts Neues. Deshalb nahm ich mir wie beim „normalen“ Unterrichten vor, besser zu werden. Besser, dachte ich, hieße digitaler: Lernvideos wurden nun also selbst gemacht und auf learningapps.org Vokabelspiele entwickelt. Es begann mir sogar Spaß zu machen. Ich war durch Corona also gezwungen, mich – zugegeben – langsam in der „neuen“ Welt zurecht zu finden. Das Virus bot also auch Chancen, sich zu entwickeln. Es ging wieder hoch in der Achterbahn. Das Ganze kostete aber natürlich auch Zeit, die ich eigentlich für die Korrekturen eingeplant hatte. Es kamen nun nämlich auch die ersten Arbeitsaufträge zurück. Mein Arbeitspensum war nun voll gedeckt mit Lernvideos erstellen, Arbeitsaufträge der ersten Woche korrigieren, neue Arbeitsaufträge mit Arbeitsblättern und Lösungen für die nächste Woche zu entwickeln. So kam es, dass bei der wiederholten Frage nach meinen „Coronaferien“ meine Geduldschnur ziemlich kurz war und ich jeden belehrte, wie viel ich doch zu tun hatte. Und auf einmal wurde mir selbst bewusst, dass ich weitaus mehr tat als sonst. Wann bekommt der Schüler in einer normalen Stunde Feedback zu jedem seiner übersetzten Sätze? Wann korrigiere ich eine Übungsaufgabe von jeder Schülerin in einer Mathematikstunde? Es gibt einem aber eben das Gefühl präsent zu sein, wenn man Hausaufgaben auch einfordert. Diese Kontrolle über den Lernerfolg seiner Schützlinge haben zu wollen, ist anfangs, wie ich meine, eine Schwäche eines jeden Lehrers, die es abzulegen gilt. Loslassen heißt die Devise. Corona hat also schon wieder einen Vorteil: ich lerne loszulassen. Leichter gesagt als getan, denn die Hausaufgaben, die ich korrigierte, waren nicht immer erfreulich. Da gab es selbstverständlich die Schüler und Schülerinnen, die trotz neuem Stoff perfekte Lösungen abgaben, aber auf der anderen Seite gab es auch die vermeintlich raffinierten, die glaubten, Google Translator könne tatsächlich Latein. Ich hege also großen Zweifel daran, dass diese Zeit eine große Effektivität bei allen Schülern zeigen wird. Nun bin ich sicherlich nicht so töricht, zu behaupten, mein Unterricht wäre dafür eine Garantie, aber ich bin der Meinung, dass Schüler und Schülerinnen sich sonst nicht so leicht wegducken können. Und da war sie wieder: die Abwärtsfahrt in der Coronakrise. Ich sehe demnach die Coronakrise als Auf und Ab: schlechtes Gewissen, digitales Lernen, hohe Arbeitsbelastung, lernen loszulassen, ungewisser Lernerfolg bei den Schülern, …

Der Virus hat uns also nicht nur lahmgelegt, sondern motiviert, auch vieles Neues zu entdecken und sich weiterzuentwickeln. Ich bin mir sicher, dass ich enorm viel aus dieser Zeit mitnehmen werde – Fähigkeiten, die ich mit Freude nach den Osterferien (hoffentlich) wieder im Klassenzimmer und nicht im Homeoffice einsetzen werde.


StRef Matthias Paun

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