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Lehrerbildung: Positionen des bpv

Ende September 2026 haben Kultus- und Wissenschaftsministerium den neuen Masterplan Lehrkräftebildung vorgestellt. Die Reform wird die Ausbildung angehender Lehrkräfte in Bayern in den kommenden Jahren spürbar verändern und betrifft damit auch viele Studierende direkt.

Wer sich fragt, was die geplanten Änderungen konkret für das eigene Studium bedeuten, findet hier die wichtigsten Antworten in einem FAQ zusammengestellt:

FAQs zum Masterplan Lehrkräftebildung

  • 1. Warum wird die Lehrkräftebildung reformiert?

    Die Ausbildung soll praxisnäher werden und Studierende besser auf die Anforderungen des Schulalltags vorbereiten. Dabei sollen Studium, Praktika und Vorbereitungsdienst enger verzahnt werden.

  • 2. Bin ich von den Änderungen betroffen?

    Das hängt davon ab, wann die einzelnen Maßnahmen eingeführt werden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und soll im Wintersemester 2029/2030 vollständig abgeschlossen sein. Für manche Studierende werden die Änderungen vollständig gelten, für andere nur teilweise oder gar nicht. Konkrete Übergangsregelungen sollen jeweils bekannt gegeben werden. Auch im Referendariat und bei Fortbildungen soll es sukzessive Veränderungen geben.

  • 3. Was ist das neue „Praxisjahr intensiv"?

    Das Praxisjahr intensiv strukturiert und organisiert einen Teil der bisherigen Praktika neu und gibt ihnen zugleich mehr Gewicht. Dabei soll das Orientierungspraktikum unverändert bleiben, das Betriebspraktikum auf die Hälfte gekürzt werden. Künftig verbringen Studierende über ein ganzes Schuljahr hinweg regelmäßig Zeit an einer Schule und sammeln dort deutlich mehr Praxiserfahrung.

  • 4. Wie viel mehr Praxiserfahrung werde ich sammeln?

    Die schulische Praxis wird auf insgesamt 300 Stunden ausgebaut. Das entspricht einer Steigerung um rund 50 Prozent gegenüber den bisherigen Praxisanteilen. Außerdem sind mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche vorgesehen. 

  • 5. Muss ich schon während des Studiums selbst unterrichten?

    Ja. Eigene Unterrichtsversuche werden zu einem zentralen Bestandteil der Ausbildung. Dabei werden die Studierenden durch Schule und Universität begleitet und erhalten Rückmeldungen zu ihrem Unterricht. 

  • 6. Wird sich mein Studium verlängern?

    Ja, die Regelstudienzeit soll um ein Semester verlängert werden. Für Praxisphasen und die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen werden künftig insgesamt 30 Leistungspunkte berücksichtigt. Das spiegelt bereits heute die Realität vieler Lehramtsstudierender wider und hat beispielsweise für Studierende, die Bafög beziehen, konkrete Auswirkungen.

  • 7. Wird das Studium dadurch stressiger?

    Ziel der Reform ist nicht eine Verdichtung, sondern eine bessere Verteilung der Anforderungen. Die verlängerte Regelstudienzeit soll zusätzlichen Raum für Praxis und Examensvorbereitung schaffen. 

  • 8. Welche Kompetenzen sollen künftig stärker gefördert werden?

    Mehr Gewicht erhalten unter anderem Classroom Management, Inklusion, Demokratiebildung, Digitale Bildung, Künstliche Intelligenz sowie der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. 

  • 9. Was sind „Core Practices"?

    Dabei handelt es sich um grundlegende berufliche Handlungskompetenzen von Lehrkräften, beispielsweise Feedback geben, Lernstände erkennen oder Unterrichtsstörungen professionell begegnen. Diese Kompetenzen sollen gezielt eingeübt werden. 

  • 10. Ändert sich etwas am Staatsexamen?

    Ja. Im Zweiten Staatsexamen entfällt die schriftliche Hausarbeit. Im Lehramt an Gymnasien sowie den Lehrämtern an Realschulen, beruflichen Schulen und für Sonderpädagogik ersetzt zudem die neue Sequenzprüfung eine Prüfungslehrprobe. 

  • 11. Welche Vorteile habe ich durch die Reform?
    • mehr Sicherheit im Unterricht,
    • mehr praktische Erfahrung vor dem Referendariat,
    • realistischere Einblicke in den Berufsalltag,
    • bessere Vorbereitung auf herausfordernde Unterrichtssituationen,
    • engere Begleitung beim Übergang in den Beruf.     
  • 12. Gibt es zusätzliche Unterstützungsangebote?

    Ja. Der Masterplan sieht stärkere Beratung, verbesserte Übergänge zwischen den Ausbildungsphasen sowie Angebote zu Resilienz und Selbstfürsorge vor. 

Die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer werden immer komplexer. Um sie auch weiterhin optimal auf ihre Tätigkeit vorzubereiten, hatte der Freistaat Bayern eine Expertenkommission beauftragt, Vorschläge zur Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung zu erarbeiten. Im Mai 2025 legte die Expertenkommission ein entsprechendes Gutachten zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern vor. 

Der bpv sieht darin eine Reihe an langjährigen Forderungen umgesetzt: 

 

bpv-Position

Gutachten

✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Verzahnung von Theorie und PraxisGutachten Expertenkommission Empfehlung 4: Alle Praktika sind durch abgestimmte Expertise aus Schule, Vorbereitungsdienst und Universität zu begleiten.
✔Positionspapier Forderungen zur Ausbildung der Philologen (2006): Professionalisierung stärken – das Referendariat: Stärkere Verzahnung der drei Phasen Gutachten Expertenkommission Empfehlung 5: Die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern muss auch die zweite und dritte Phase mit einschließen.
✔Positionspapier Papier zur Lehrerbildung (2016): Zweijähriges Referendariat – SeminarschuleGutachten Expertenkommission Empfehlung 6: Die zweite Phase soll für alle Lehrämter ausreichend Raum zum systematischen Hospitieren, Experimentieren (Microteaching) und Reflektieren enthalten und verpflichtet erst allmählich zu komplexeren Aufgaben. → Struktur des gymnasialen Seminars mit kumulativem Kompetenzerwerb ist beispielgebend für Seminare in Grund- und Mittelschule
✔Positionspapier Papier zur Lehrerbildung (2016): Zweijähriges Referendariat Das Gutachten hält am zweijährigen Referendariat fest. Eine Änderung der Dauer wird nicht vorgeschlagen.
✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Abschluss des Lehramtsstudiums mit dem ersten Staatsexamen Gutachten Expertenkommission Empfehlung 9: Das Staatsexamen für allgemeinbildende Lehrämter kann erhalten, muss aber weiterentwickelt werden.
✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Hoher Anteil des fachwissenschaftlichen Studiums Gutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss sich durch hohe Fachlichkeit in allen Bereichen auszeichnen und weiterhin schulartspezifisch bleiben.
✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Bedeutung und Verortung der Fachdidaktiken im StudiumGutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss sich durch hohe Fachlichkeit in allen Bereichen auszeichnen und weiterhin schulartspezifisch bleiben.
✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Schulartspezifische Lehrerbildung Gutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss weiterhin schulartspezifisch bleiben.
✔Berufspolitisches Positionspapier (2017): Kontinuität statt Kurzsicht; Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Hoher Anteil des fachwissenschaftlichen Studiums Gutachten S. 11f: Sondermaßnahmen keine Dauerregelungen. Kein zweiter Zugangsweg zum Lehrberuf. Weniger qualifizierte Lehrer führen zu sinkenden Qualitätsstandards.
✔Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Polyvalenz im LehramtsstudiumGutachten Expertenkommission Empfehlung 11: Die exzellente Lehrkräftebildung in Bayern ist durch ein akademisches Vollstudium mit gleicher Dauer und Wertigkeit für alle Lehrämter abzusichern.
✔Positionspapier Forderungen zur Ausbildung der Philologen (2006): Universitäre Inhalte reformieren Gutachten S. 44f: Die fachlich-inhaltlichen Kriterien für Studiengänge sollten, stärker als bisher an den bayerischen lehrkräftebildenden Standorten üblich, über die einzelnen Studienfächer hinweg in den Blick genommen werden. Bayernweit verbindliche, für Lehramtsstudiengänge spezifizierte Qualitätskriterien für schlüssige Studiengangkonzepte müssen definiert und in den entsprechenden Rechtsnormen (LPO I und II sowie Studien- und Prüfungsordnungen) aufgenommen werden. 

 

Verschiedene Aspekte des Gutachtens bleiben vage und bieten einen sehr weiten Interpretationsspielraum. Der bpv hält diese für bedenklich und wird sie im weiteren Prozess kritisch-konstruktiv begleiten:

 

  • Empfehlung 2: Die Ausrichtung der Lehrkräftebildung hin zu einem “inklusiven Umgang mit Heterogenität” bedarf für das gymnasiale Lehramt einer Präzisierung mit Blick auf den Bildungsauftrag des Gymnasiums.
  • Empfehlung 6: Die Forderung nach einem gemeinsam verantworteten ersten Jahr der zweiten Phase als “Kernstück der Transition” verträgt sich nicht mit der aktuellen gymnasialen Seminarorganisation. Hier muss eine strukturelle Überarbeitung erfolgen.
  • Empfehlung 10: Die Frage, wie hoch die Anteile von Bildungs- und Fachwissenschaften sind, ist offen und muss geklärt werden.
  • Empfehlung 11: Es sollte ein zusätzliches Semester als Vorbereitung auf das Staatsexamen (30 ECTS-Punkte) anerkannt werden. Dies würde die Attraktivität erhöhen.
  • Empfehlung 12: Die Frage, was ein innovatives Modell ist, ist offen und muss geklärt werden.
  • Empfehlung 13: Es fehlen Indikatoren und eine Evaluation. Hier muss die Datenlage verbessert werden. Zudem bleibt der Begriff der “Core Practices” diffus und muss geklärt werden. 

 

bpv-Empfehlungen zur gymnasialen Lehrerbildung

Qualitativ hochwertig, national wie international leistungsfähig, zukunftsorientiert - so soll gymnasiale Bildung sein und so muss auch gymnasiale Lehrerbildung sein. Der Erhalt und die Weiterentwicklung einer qualitätsvollen gymnasialen Lehrerbildung ist dem Bayerischen Philologenverband ein wichtiges Anliegen, denn die Qualifizierung der Philologinnen und Philologen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Der Bayerische Philologenverband hat deshalb Empfehlungen zur gymnasialen Lehrerbildung vorgelegt, mit denen bewährte Strukturen, etwa im Referendariat, gestärkt und notwendige Veränderungen wie die Einführung einer klar strukturierten dritten Phase der Lehrerbildung mutig angegangen werden können:

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