Lehrerbildung: Positionen des bpv
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Die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer werden immer komplexer. Um sie auch weiterhin optimal auf ihre Tätigkeit vorzubereiten, hatte der Freistaat Bayern eine Expertenkommission beauftragt, Vorschläge zur Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung zu erarbeiten. Im Mai 2025 legte die Expertenkommission ein entsprechendes Gutachten zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern vor.
Der bpv sieht darin eine Reihe an langjährigen Forderungen umgesetzt:
bpv-Position | Gutachten | |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Verzahnung von Theorie und Praxis | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 4: Alle Praktika sind durch abgestimmte Expertise aus Schule, Vorbereitungsdienst und Universität zu begleiten. |
| ✔ | Positionspapier Forderungen zur Ausbildung der Philologen (2006): Professionalisierung stärken – das Referendariat: Stärkere Verzahnung der drei Phasen | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 5: Die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern muss auch die zweite und dritte Phase mit einschließen. |
| ✔ | Positionspapier Papier zur Lehrerbildung (2016): Zweijähriges Referendariat – Seminarschule | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 6: Die zweite Phase soll für alle Lehrämter ausreichend Raum zum systematischen Hospitieren, Experimentieren (Microteaching) und Reflektieren enthalten und verpflichtet erst allmählich zu komplexeren Aufgaben. → Struktur des gymnasialen Seminars mit kumulativem Kompetenzerwerb ist beispielgebend für Seminare in Grund- und Mittelschule |
| ✔ | Positionspapier Papier zur Lehrerbildung (2016): Zweijähriges Referendariat | Das Gutachten hält am zweijährigen Referendariat fest. Eine Änderung der Dauer wird nicht vorgeschlagen. |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Abschluss des Lehramtsstudiums mit dem ersten Staatsexamen | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 9: Das Staatsexamen für allgemeinbildende Lehrämter kann erhalten, muss aber weiterentwickelt werden. |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Hoher Anteil des fachwissenschaftlichen Studiums | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss sich durch hohe Fachlichkeit in allen Bereichen auszeichnen und weiterhin schulartspezifisch bleiben. |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Bedeutung und Verortung der Fachdidaktiken im Studium | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss sich durch hohe Fachlichkeit in allen Bereichen auszeichnen und weiterhin schulartspezifisch bleiben. |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Schulartspezifische Lehrerbildung | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 10: Die Lehrkräftebildung in Bayern muss weiterhin schulartspezifisch bleiben. |
| ✔ | Berufspolitisches Positionspapier (2017): Kontinuität statt Kurzsicht; Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Hoher Anteil des fachwissenschaftlichen Studiums | Gutachten S. 11f: Sondermaßnahmen keine Dauerregelungen. Kein zweiter Zugangsweg zum Lehrberuf. Weniger qualifizierte Lehrer führen zu sinkenden Qualitätsstandards. |
| ✔ | Positionspapier zur ersten Phase der Lehrerbildung (2022): Polyvalenz im Lehramtsstudium | Gutachten Expertenkommission Empfehlung 11: Die exzellente Lehrkräftebildung in Bayern ist durch ein akademisches Vollstudium mit gleicher Dauer und Wertigkeit für alle Lehrämter abzusichern. |
| ✔ | Positionspapier Forderungen zur Ausbildung der Philologen (2006): Universitäre Inhalte reformieren | Gutachten S. 44f: Die fachlich-inhaltlichen Kriterien für Studiengänge sollten, stärker als bisher an den bayerischen lehrkräftebildenden Standorten üblich, über die einzelnen Studienfächer hinweg in den Blick genommen werden. Bayernweit verbindliche, für Lehramtsstudiengänge spezifizierte Qualitätskriterien für schlüssige Studiengangkonzepte müssen definiert und in den entsprechenden Rechtsnormen (LPO I und II sowie Studien- und Prüfungsordnungen) aufgenommen werden. |
Verschiedene Aspekte des Gutachtens bleiben vage und bieten einen sehr weiten Interpretationsspielraum. Der bpv hält diese für bedenklich und wird sie im weiteren Prozess kritisch-konstruktiv begleiten:
- Empfehlung 2: Die Ausrichtung der Lehrkräftebildung hin zu einem “inklusiven Umgang mit Heterogenität” bedarf für das gymnasiale Lehramt einer Präzisierung mit Blick auf den Bildungsauftrag des Gymnasiums.
- Empfehlung 6: Die Forderung nach einem gemeinsam verantworteten ersten Jahr der zweiten Phase als “Kernstück der Transition” verträgt sich nicht mit der aktuellen gymnasialen Seminarorganisation. Hier muss eine strukturelle Überarbeitung erfolgen.
- Empfehlung 10: Die Frage, wie hoch die Anteile von Bildungs- und Fachwissenschaften sind, ist offen und muss geklärt werden.
- Empfehlung 11: Es sollte ein zusätzliches Semester als Vorbereitung auf das Staatsexamen (30 ECTS-Punkte) anerkannt werden. Dies würde die Attraktivität erhöhen.
- Empfehlung 12: Die Frage, was ein innovatives Modell ist, ist offen und muss geklärt werden.
- Empfehlung 13: Es fehlen Indikatoren und eine Evaluation. Hier muss die Datenlage verbessert werden. Zudem bleibt der Begriff der “Core Practices” diffus und muss geklärt werden.
bpv-Empfehlungen zur gymnasialen Lehrerbildung
Qualitativ hochwertig, national wie international leistungsfähig, zukunftsorientiert - so soll gymnasiale Bildung sein und so muss auch gymnasiale Lehrerbildung sein. Der Erhalt und die Weiterentwicklung einer qualitätsvollen gymnasialen Lehrerbildung ist dem Bayerischen Philologenverband ein wichtiges Anliegen, denn die Qualifizierung der Philologinnen und Philologen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Der Bayerische Philologenverband hat deshalb Empfehlungen zur gymnasialen Lehrerbildung vorgelegt, mit denen bewährte Strukturen, etwa im Referendariat, gestärkt und notwendige Veränderungen wie die Einführung einer klar strukturierten dritten Phase der Lehrerbildung mutig angegangen werden können:
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Studium
Eine fachwissenschaftliche Ausbildung auf hohem Niveau liefert die Grundlage für guten Unterricht.
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Vorbereitungs-dienst
Das Referendariat ist eine „einzigartige Gelegenheit zum ‚Lernen im Beruf’“.
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Fort- und Weiterbildung
Die Weiterbildungsphase nimmt eine Schlüsselstellung in der Lehrerbildung ein.