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SEMINARLEHRERSTELLE FÜR DIGITALISIERUNG!

GiB Artikel

bpv fordert: Die Digitalisierung soll an Seminarschulen – und damit von Anfang an im Referendariat – fest verankert werden.

GiB 02/2020 [295 KB]

 

Für Digitalisierung – eine neue Seminarlehrerstelle!?

Jede Kollegin, jeder Kollege erinnert sich (eventuell leidvoll) an seine Seminarausbildung. Da gab es Seminarlehrer für jedes Fach und darüber hinaus für die allgemeinen Fächer: Schulkunde, staatsbürgerliche Bildung, Pädagogik, pädagogische Psychologie. Jetzt gibt es die Digitalisierung – etwas disruptiv Neues, das so wichtig ist, dass man für 5 Milliarden Euro das Grundgesetz ändert. Die Neuheit und Wichtigkeit würde konsequenterweise unterstrichen, wenn die Schulpolitik für eine neue Seminarlehrerstelle sorgen würde: den Seminarlehrer für digitale Bildung.

Der Gedanke läge nahe, um der Digitalisierung des Unterrichtens die gebührende Bedeutung zu verleihen. Die Schulpolitik muss die Einrichtung einer Stelle für digitale Bildung im Studienseminar ernsthaft in Betracht ziehen!

Wenn es nicht dazu kommen sollte: Wer macht dann die Arbeit des „Seminarlehrers für digitale Bildung“?

Wenn es um Medienbildung geht, also um die Medienkompetenz der Schüler, so denkt man zuerst natürlich an das Unterrichtsfach Informatik; gleichwohl ist Medienbildung, die vierte Kulturtechnik, eine Querschnittsaufgabe aller Fächer: Schüler lernen, verantwortungsvoll mit Medien umzugehen, Informationen zu beschaffen und kritisch zu bewerten. Von hier aus gesehen muss auch im Studienseminar die Medienbildung eine Querschnittsaufgabe sein, zu leisten von den Fach- wie von den allgemeinen Seminarlehrern.

Installiert man keine Seminarlehrer für Digitalisierung, also keine Fachleute im Kollegium selbst, müssen reisende Referenten die Arbeit tun: In die Seminarausbildung müssen Module eingefügt werden über die technische und rechtliche Seite der Digitalisierung; über Apps, aktuelle Entwicklungen, KI, Datenschutz, Recht, Ethik der Digitalisierung und vieles andere mehr müssen die Referendare unterrichtet und auch die Fachseminarlehrer fortgebildet werden.

Wenn es um die Gestaltung des Unterrichts mit digitalen Medien geht, also um die Medienkompetenz der Lehrkräfte, so muss dies im Studienseminar dort angesiedelt sein, wo es um Unterricht geht, also in den Fachsitzungen, Lehrversuchen und Unterrichtsbesprechungen der Fachseminare. Die Chancen der Digitalisierung sind aufzuzeigen: Schüler können individueller gefördert werden, sie können mit differenzierten Aufgaben auf verschiedenem Niveau arbeiten, mit guten Lernaufgaben kompetenzorientiert lernen, selbständig üben, sich selbst testen, ohne bloßgestellt zu werden, aber auch gewinnbringend kooperieren. Referendare müssen die Chancen und Risiken der digitalen Lernumgebungen kennen und kritisch reflektieren – so wie auch bisher die Methodendiskussion im Fachseminar geführt wurde. Zentrale Fragestellung muss immer der didaktische Zugewinn für das Unterrichtsfach sein. Digitale und analoge Methoden müssen gegeneinander abgewogen und nach Kriterien wie Effizienz, Anschaulichkeit, Aktivierung, Variation für den Unterricht ausgewählt werden. Der Unterricht wird nie nur digital sein, die Lehrkraft als Person wird unerlässlich bleiben. Letztlich muss sich der gymnasiale Unterricht am Format des Abiturs messen: Dort wird auf eine komplexe Fragestellung hin eine differenzierte Antwort verlangt und diese Antwort wird auch in absehbarer Zukunft nicht digital sein. Diese methodisch-didaktische Diskussion ist es, die die Seminarlehrerinnen und Seminarlehrer auch weiterhin im Fachseminar führen werden. Zusätzlich muss ein Input an digitaler Kompetenz ins Studienseminar eingespeist werden!

Die Seminarlehrervertretung im bpv